Ein Mann wird an der Nase operiert. | picture alliance / dpa

Chirurgie-Boom in den USA Eine neue Nase für die Videoschalte

Stand: 02.05.2021 11:52 Uhr

Wer in Videokonferenzen sein eigenes Gesicht auf dem Bildschirm sieht, wird selbstkritischer: In der USA haben Schönheitschirurgen seit der Pandemie Zulauf - und der Trend dürfte anhalten, sagen die Ärzte.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Zu Beginn der Pandemie herrschte für Simon Ourian und sein Team in Beverly Hills eine große Unsicherheit. Die Praxis war vier Monate geschlossen, geplante Eingriffe mussten abgesagt werden. Normalerweise kommen zu dem aus dem Iran stammenden Schönheitschirurgen Patienten aus aller Welt - die blieben wegen des Einreiseverbots aus. Aber auch innerhalb der USA ging das Interesse an Schönheits-Operationen damals schlagartig zurück.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

"Als wir die Praxis wieder aufmachten, kamen mehr Kunden aus der näheren Umgebung und aus dem Süden Kaliforniens zu uns", sagt Ourian, der zu den gefragtesten Schönheitschirurgen in Los Angeles zählt. Die Musikerin Lady Gaga zählt ebenso zu seinen Kundinnen wie Kim Kardashian oder Kylie Jenner.

Vor der Pandemie seien 50 bis 60 Prozent seiner Patienten aus dem Ausland gekommen: aus Europa, dem Mittleren Osten, Russland und China. Doch nach der Aufhebung der Beschränkungen änderte sich das: "Plötzlich kamen die Patienten aus Region. Vermutlich, weil viele Menschen bestimmten Gewohnheiten nicht mehr nachgehen konnten. Sie hatten mehr Zeit", vermutet er. "Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht kontrollieren. Über manch anderes kann man aber Kontrolle haben."

Unzufriedenheit mit dem eigenen Gesicht

Was der Schönheitschirurg damit meint, ist klar: Das Aussehen lässt sich optimieren. Vor der Pandemie habe man sich mit anderen Menschen getroffen und in deren Gesichter geschaut. Nun starre man zwölf Stunden am Tag in sein eigenes Gesicht, weil man sich in Videokonferenzen befinde und einen die Webcam andauernd aufnehme.

"Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder man liebt sein Gesicht oder man verändert etwas daran", meint Ourian. "Wir haben dieses Phänomen den Zoom-Boom genannt. All die neuen Patienten wollen vor allem ihr Gesicht verändern und nicht den Körper."

Vor der Pandemie hätten viele seiner Patienten sich Bauchfett absaugen oder die Brüste vergrößern lassen. All das sei nun deutlich weniger gefragt. Viele Kundinnen und Kunden verlangen nun nach definierteren Gesichtszügen.

Viele haben zwischen zwei und acht Kilogramm zugenommen. Vielen meiner Patienten gefällt ihr rundlicheres Gesicht nicht mehr. Das können wir nun schlanker machen. Das ist ein Wunsch, den wir zur Zeit sehr häufig hören.

Unter der Maske bleiben OP-Wunden verborgen

Aus Sicht des Schönheitschirurgen Ourian und seiner Patienten bietet die Pandemie derzeit noch einen weiteren Vorteil: Jeder muss eine Maske tragen. Eine unverheilte Gesichts-OP falle daher nicht weiter auf.

"Man muss sich jetzt nach einem Eingriff nicht mehr verstecken. Man kann sich die Lippen vergrößern, die Nase richten lassen oder den Winkel der Wangenknochen verändern. Alles unterhalb der Augen funktioniert prima, und keiner merkt etwas", sagt er. "Man kann wie gewohnt einkaufen gehen. Und keiner braucht mehr Sorge habe, dass er beim Verlassen meiner Praxis von Paparazzis abgelichtet wird."

Auch wenn die Pandemie einmal überstanden ist, macht sich der Chirurg nun keine Sorgen mehr: Viele Patienten aus Europa und dem Mittleren Osten warteten nur darauf, dass die Reisebeschränkungen aufgehoben werden. Er habe schon jetzt so viele Terminanfragen erhalten, dass nach dem "Zoom-Boom" vermutlich der "Nach-Pandemie-Boom" komme: "Ein schwieriges Jahr lastet auf unseren Schultern und unseren Gesichtern. Das will man jetzt los werden", sagt Ourian. "Jeder will wieder zu seinem normalen Leben zurückkehren und sich mit anderen treffen. Und da will natürlich jeder auch besonders gut aussehen."

Über dieses Thema berichtete der HR in der Hessenschau am 01. März 2021 um 19:30 Uhr.