Menschen mit Gesichtsmasken halten chinesische Nationalflaggen, bevor sie für ein Foto vor dem Nationalstadion in Peking posieren. | dpa

Winterspiele in Peking 2022 USA wollen über Olympia-Boykott beraten

Stand: 07.04.2021 13:55 Uhr

Die USA wollen mit ihren Verbündeten über einen möglichen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking 2022 beraten. Grund sind die Menschenrechtsverletzungen gegen die Minderheit der Uiguren. Peking reagiert verärgert.

Zwischen China und den USA ist ein Streit über die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking entbrannt. Grund ist die Ankündigung des US-Außenministeriums, mit Verbündeten über einen möglichen Boykott der Spiele zu sprechen. "Das ist etwas, worüber wir uns auf jeden Fall Gespräche wünschen", sagte US-Außenamtssprecher Ned Price.

Die Regierung werde "eng mit unseren Verbündeten und Partnern beraten, um unsere gemeinsamen Sorgen zu definieren und eine gemeinsame Herangehensweise" zu finden. Die Spiele seien noch einige Zeit entfernt. "Ich würde keinen Zeitplan setzen wollen, aber diese Diskussionen sind im Gange", sagte Price.

Es sei wichtig, nicht alleine zu handeln. Eine Reaktion, die "unsere Verbündeten und Partner mitnimmt", habe größeren Einfluss auf Peking. Grund sind die "ungeheuerlichen Menschenrechtsverletzungen Pekings, einschließlich des Genozids im Fall von Xinjiang".

China kritisiert "Politisierung des Sports"

Peking reagierte mit scharfer Kritik an den USA. "Die Politisierung des Sports läuft der Olympischen Charta zuwider, schadet den Interessen aller Sportler und der internationalen olympischen Bewegung", sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian. Das Olympische Komitee der USA und der Rest der olympischen Bewegung würden da nicht mitmachen.

China sei zuversichtlich, mit allen Parteien erfolgreiche und großartige Spiele sicherstellen zu können. Die Vorwürfe über einen "sogenannten Völkermord" unter der muslimischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang wies er als "nichts anderes als eine Jahrhundert-Lüge" zurück.

Auch Ex-Außenminister Pompeo für einen Boykott

Die Debatte um einen Boykott der Spiele in China läuft bereits seit einigen Wochen. Im Februar hatten sieben republikanische US-Senatoren dazu aufgerufen, Peking die Spiele zu entziehen. Sie verwiesen auf die Verfolgung von Uiguren und Tibetern sowie Chinas Drohungen gegenüber Taiwan. Der Senator Rick Scott brachte dazu eine Resolution im Senat ein. Zu den Verfechtern eines Boykotts zählt auch der frühere US-Außenminister Mike Pompeo.

Zudem hatte ein Bündnis von 180 internationalen Menschenrechtsgruppen und Vertretern von Minderheiten in China die Staatengemeinschaft aufgefordert, nicht an den Spielen im Februar 2022 teilzunehmen. "Alles andere wird als Unterstützung der autoritären Herrschaft und der unverhohlenen Missachtung von Bürger- und Menschenrechten durch die Kommunistische Partei Chinas angesehen", hieß es in einem offenen Brief des Bündnisses.

Bundesregierung verweist auf "fortlaufende Gespräche"

Die EU hatte Ende März erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder Sanktionen gegen China wegen Verletzungen der Menschenrechte verhängt. Die Außenminister der 27 Mitgliedstaaten beschlossen in Brüssel Strafmaßnahmen gegen Verantwortliche für die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang.

Menschenrechtsgruppen schätzen, dass bis zu eine Million Uiguren, Kasachen, Hui oder Mitglieder anderer Minderheiten in Xinjiang in Umerziehungslager gesteckt worden sind. Deutschland kritisiert den Umgang Chinas mit den Uiguren bereits seit langem. China weist die Vorwürfe hingegen zurück und spricht von Fortbildungszentren.

Bei der Olympia-Debatte hält sich die Bundesregierung zurück. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte: "Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Autonomie des Sports gilt, also der Sportbund entscheiden kann, an welchen Wettbewerben er teilnimmt oder nicht." Auf die Frage, ob die US-Regierung Deutschland auf einen möglichen Boykott bereits angesprochen habe, antwortete sie: "Im Übrigen finden selbstverständlich fortlaufend Gespräche mit all unseren Partnern statt - also auch mit den Amerikanern."

IOC will Spiele unbedingt durchsetzen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach hat alle Boykott-Forderungen zuletzt zurückgewiesen. Im März sagte Bach, dass ein Boykott die "falsche Antwort auf solche Fragen" sei. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, hatte einen Boykott im Februar kategorisch ausgeschlossen.

Im Jahr 1980 hatten die USA schon einmal einen internationalen Olympia-Boykott angeführt: Mit ihrem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau protestierten die US-Regierung und ihre Verbündeten damals gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Vier Jahre später boykottierte die Sowjetunion die Sommerspiele in Los Angeles.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.