Proteste in Oakland (Kalifornien) gegen den Freispruch von Kyle Rittenhouse | AP

Nach Jury-Urteil in den USA Rittenhouse-Freispruch löst Proteste aus

Stand: 20.11.2021 15:59 Uhr

Der Freispruch von Kyle Rittenhouse sorgt in den USA für Widerspruch: Vor allem die schwarze Community protestiert gegen die Entscheidung. Der damals 17-Jährige hatte 2020 bei Black-Lives-Matter-Demos zwei Menschen erschossen.

Nach dem Freispruch für Kyle Rittenhouse ist es in den USA zu Protesten gekommen. Der 18-Jährige hatte im vergangenen Jahr bei Anti-Rassismus-Protesten in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin zwei Demonstranten erschossen und einen dritten schwer verletzt.

Die Geschworenen sprachen den zum Tatzeitpunkt 17-Jährigen am Freitag von den Vorwürfen des Mordes, des Totschlags, des versuchten Mordes und der Gefährdung anderer frei. 

Kyle Rittenhouse nach seinen Freisprüchen | AP

In allen Anklagepunkten freigesprochen: Kyle Rittenhouse. Bild: AP

"Schuldig, schuldig"

Vor dem Gericht in Kenosha protestierten Menschen gegen diese Entscheidung. Sie schlugen auf Trommeln und riefen "Schuldig, schuldig, das ganze System ist schuldig wie die Hölle". Auch in Chicago und New York gab es Proteste, in Portland kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

US-Präsident Joe Biden warnte nach dem Urteilsspruch vor Gewalt und rief zur Ruhe auf. "Das Urteil in Kenosha wird viele Amerikaner wütend und besorgt machen, mich eingeschlossen, aber wir müssen anerkennen, dass die Geschworenen entschieden haben", erklärte Biden. Er rief alle Demonstranten auf, ihre Meinung friedlich kundzutun.

Prozess politisch aufgeladen

Der Prozess war politisch höchst aufgeladen, da er im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten vom vergangenen Jahr stand. Rittenhouse gilt in rechten Kreisen als eine Art Galionsfigur. Dort wurde verbreitet, Rittenhouse sei zu den Protesten gefahren, um dort als Sanitäter zu helfen oder Geschäfte vor Plünderungen zu schützen.

Zahlreiche Republikaner, darunter auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump begrüßten das Urteil. "Glückwunsch an Kyle Rittenhouse, dass er in allen Anklagepunkten für unschuldig befunden wurde", erklärte Trump über seine Sprecherin Liz Harrington. "Und nebenbei bemerkt, wenn das nicht Selbstverteidigung ist, was dann!", fügte er hinzu.

Vorwurf: Ein Justizsystem, das Schwarze benachteiligt

Viele Schwarze werteten das Urteil hingegen als bezeichnend für ein Justizsystem, das Minderheiten benachteilige. "Wir haben gerade erlebt, wie ein System, das auf weißer Vorherrschaft aufgebaut ist, die terroristischen Handlungen eines weißen Vorherrschers anerkannt hat", schrieb der Footballspieler Colin Kaepernick bei Twitter.

"Ha, wäre der Junge schwarz gewesen, hätte er lebenslänglich bekommen", erklärte der Rennfahrer Bubba Wallace. Auch zahlreiche Waffengegner protestierten gegen die Entscheidung des Gerichts.

Anwälte argumentieren mit Notwehr

Die Anwälte des 18-Jährigen hatten vor Gericht argumentiert, der Jugendliche habe in Notwehr gehandelt, weil er von Demonstranten angegriffen worden sei. Auf Videoaufnahmen war unter anderen zu sehen, wie ein Mann Rittenhouse mit einem Skateboard schlug.

Ein von Rittenhouse verletzter Mann räumte vor Gericht ein, selbst eine Waffe auf den Teenager gerichtet zu haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, Rittenhouse habe die Gewalt als selbsternannter "Hilfspolizist" selbst provoziert. Er hätte nie mit einer solchen Waffe nach Kenosha reisen dürfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. November 2021 um 16:50 Uhr.