Wasser tropft aus einem Wasserhahn nahe dem Folsom-See in Kalifornien, der deutlich weniger Wasser führt als normalerweise.   | AP

US-Klimaforscher warnen Mega-Dürre in weiten Teilen der USA

Stand: 08.06.2021 07:51 Uhr

2021 könnte im Westen der USA das trockenste Jahr des vergangenen Jahrhunderts werden. Mit einer Dürre kämpfen die Farmer schon seit Langem. Vielen bleibt nur, sich dem trockenen Klima anzupassen oder wegzugehen.

Von Claudia Sarre,  ARD-Studio Washington

Der Boden ist verkrustet und hat Risse. Der Wasserstand des Rio Grande in New Mexico ist auf einem Rekordtief. Die Behörden von Albuquerque verbieten Einwohnern, mehr als zweimal pro Woche ihre Gärten zu gießen. Es herrscht Wassernotstand. Wie im gesamten Westen der USA von Arizona, Utah, Colorado über Kalifornien bis hoch nach Montana. Erde, Büsche und Bäume - alles ist knochentrocken. Und die Buschfeuersaison hat bereits begonnen.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Klimawissenschaftler Jason Smerdon von der Columbia Universität spricht im Skype-Interview von einer "Mega-Dürre" und erklärt: "Wir definieren Mega-Dürren als Trockenperioden, die länger als zwei Jahrzehnte dauern. Im Vergleich zu vorangegangen Dürren ist dies die zweitschlimmste Trockenperiode in den letzten 1000 Jahren."

Wasserknappheit seit über 20 Jahren

Im Jahr 2000 hat die Wasserkrise begonnen. Knapp 50 Prozent der Ursachen könnten auf die globale Erderwärmung zurückgeführt werden, sagt der Klimaforscher. Konkret heißt das unter anderem: Verantwortlich sind die geringe Schneeschmelze und vor allem die steigenden Temperaturen.

Bauern wie Ulrike West von der Wildwest Berryfarm in Las Cruces setzt das enorm zu. "Als es losging mit der Dürre", erzählt sie dem Sender NPR, "ist unser Brunnen trockengefallen. In 150 Metern Tiefe gibt es kein Wasser." Nun muss sie ihre Erdbeeren in Kästen statt auf dem Feld ziehen, das spart Wasser.

Die Feuchtigkeit verdunstet schneller

Die Dürre habe schon jetzt verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem und den Menschen, bestätigt Smerdon die ernste Lage. Der Wasserstand von Trinkwasser-Reservoirs sinke rapide. Zudem gebe es soziale Konflikte zwischen Bauern und indigenen Stämmen um Wasser- und Fischereirechte. Hausboote müssten Lake Oroville in Kalifornien verlassen, weil der See nicht mehr genug Wasser habe. Und natürlich habe die Dürre Auswirkungen auf die Landwirtschaft in diesen Sommer.

Viele Bauern müssen sich umorientieren. Im Westen betrifft das besonders die Viehzüchter, da Rinderzucht sehr wasserintensiv ist. Vielen beschert das Existenzsorgen. Ein schwierige Situation, erzählt Viehzüchter Dustin Cox aus Utah im Fernsehsender PBS. "Farmer, die Heu anbauen, haben Glück, weil die Preise hoch sind. Aber wir Viehhalter stehen vor der Entscheidung: Kaufen wir teures Heu oder verkaufen wir unsere Kühe? Im Moment bekommt man nichts für Kühe, denn das Angebot an Rindern ist groß."

"Anpassen oder wegziehen"

Für den Bundestaat Utah hat der Gouverneur bereits jetzt den Katastrophenzustand ausgerufen. Und die Situation wird noch dramatischer werden, sagt Jason Smerdon. Dem Menschen bleibt nur, sich der Austrocknung anzupassen oder wegzuziehen. Die Veränderungen führen zu einem immer trockenerem Klima im Westen, so Smerdon. Den Anstieg der Treibhausgase halte man hoffentlich auf. Aber je weiter der Klimawandel voranschreite, desto mehr müsse man mit dem Wasservorräten in diesen Regionen haushalten.

Der Erdbeerfarmerin Ulrike West aus New Mexico bleibt nichts anderes übrig, als zu beten, dass Gott gnädig ist und ihnen genug Wasser gibt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Juni 2021 um 06:17 Uhr.

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KOMMENTARE

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Shuusui 08.06.2021 • 13:48 Uhr

@ ich1961

"10:11 von sam4fly Haben Sie schon mal Pflanzen mit Salzwasser gegossen ? Das kann bei Tomaten sehr gut funktionieren ( wenn die Konzentration nicht zu hoch ist ) - aber die meisten Pflanzen verabschieden sich danach." Sie haben es versäumt zu berücksichtigen, dass es angeblich wärmer wird durch den Klimawandel, das bedeutet das von dem Salzwasser auch mehr verdunsten müsste, was zu mehr Wolken und damit zu mehr Regen führen müsste.