Eine Frau aus Texas läuft einen Gang entlang in einer Abtreibungsklinik im US-Bundesstaat Louisiana. | AP

Abtreibungen in den USA Lange Reisen, banges Warten

Stand: 11.06.2022 05:15 Uhr

Viele US-Staaten haben ihre Regeln zur Abtreibung verschärft oder Schwangerschaftsabbrüche gar unmöglich gemacht. Frauen müssen weit fahren, um Kliniken zu finden. Wer sie unterstützt, könnte kriminalisiert werden.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Washington

Die Anreise aus Texas mit dem Flugzeug dauert mehrere Stunden. Die Anfahrt mit dem Auto mindestens zwei Tage. 30 Prozent der Patientinnen in ihrer Klinik in Minnesota kommen aus Texas, sagt Amy Hagstrom von der Organisation Whole Woman's Health.

Reinhard Baumgarten

Strenges Abtreibungsverbot in Texas

Vor neun Monaten hat Texas ein strenges Abtreibungsverbot erlassen. Auch in anderen Bundesstaaten sind Abtreibungen gar nicht mehr, oder nur noch unter erschwerten Bedingungen erlaubt. Dortige Frauen, die ihre Schwangerschaft beenden wollen, müssen in Bundesstaaten reisen, in denen Abtreibungen noch möglich sind.

Es werde sie Zeit und Geld kosten, sagt Jennifer Pepper von der Choices-Clinic in Memphis, Tennessee. Vor allem für weniger begüterte Frauen stelle das ein großes Problem dar. "Eine Menge Leute werden nicht in der Lage sein, nach Carbondale oder zu anderen Kliniken zu reisen. Sie werden gezwungen, ihre Schwangerschaft fortzusetzen", sagt Pepper.

Diese Gruppe habe keinen Zugang zu sicherer Mutterschaftsvorsorge. "Frauen werden sterben, Babys werden sterben. Und soweit ich weiß, versucht momentan niemand, für einen besseren Mutterschutz zu sorgen."

Hilfe mit Geld und Logistik

Landesweit gibt es inzwischen zahlreiche Stiftungen und spendenbasierte Organisationen, die mit Geld und Logistik helfen. Dabei geht es um die Finanzierung der Kosten für Reise und Unterkunft sowie um mögliche Verdienstausfälle für die betroffenen Frauen.

Viele Frauen entscheiden sich aus finanziellen Gründen gegen eine Schwangerschaft - so wie die zweifache Mutter Malia Baker. "Es war eine schwere Entscheidung für mich und den Vater meiner Kinder. Wir haben entschieden, dass es das Beste für uns wäre, weil wir finanziell, mental und physisch noch nicht bereit sind, ein weiteres Kind zu haben", sagt Baker. Sie müsse sich auf ihre beiden Kinder fokussieren, die noch klein sind. 

Schwangerschaftsabbrüche in anderen Bundesstaaten

In einigen Bundesstaaten mit Abtreibungsverbot denken konservative Politiker darüber nach, wie verhindert werden kann, dass Frauen ihre Schwangerschaft in anderen Bundesstaaten beenden können. Doch kein Bundesstaat könne jemanden daran hindern, von einem zum anderen Bundesstaat zu reisen, sagt Lawrence Gostin vom Georgetown Law Center.

Greer Donley von der University of Pittsburg gibt aber zu bedenken: "Sie können sie nicht physisch stoppen, aber sie können die in Haftung nehmen, die anderen dabei helfen."

Die Unsicherheit wächst

Wer Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch verhilft, könnte kriminalisiert werden. Die Unsicherheit wächst, wie ein Team der "New York Times" bei der Begegnung mit einer Mutter erfuhr, die mit ihrer Tochter aus Texas in eine Klinik in Kansas gekommen war.

Sie habe zu viel Angst davor, jemanden zu fragen, ob sie Ärger kriege, sagt die Frau. "Ich sitze hier und ich habe das Gefühl, mich zu übergeben. Ist das gegen das Gesetz? Ich weiß es nicht. Es ist einfach nur beängstigend." Letztlich sei sie eine Mutter und das sei ihre Tochter. "Und ich schütze sie."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juni 2022 um 08:31 Uhr.