UN-Generalsekretär Guterres vor der Vollversammlung  | AFP

Guterres-Rede "Unser Planet brennt"

Stand: 20.09.2022 18:39 Uhr

Mit einem flammenden Appell zum solidarischen Handeln hat Generalsekretär Guterres die UN-Generaldebatte eröffnet. Er warnte vor einem "Winter des weltweiten Unmuts" und forderte eine "Koalition der Welt" für den Frieden.

UN-Generalsekretär António Guterres hat zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor einer Verschärfung internationaler Krisen und einem "Winter des weltweiten Unmuts" gewarnt. "Unsere Welt steckt in großen Schwierigkeiten", sagte Guterres bei der UN-Vollversammlung in New York. Er verwies auf Kriege und Konflikte, die Klimakrise und explodierende Preise.

"Die Gräben werden tiefer. Die Ungleichheit wird größer. Die Herausforderungen wachsen", so Guterres. Und die Verletzlichsten litten am meisten. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe Tausende Menschenleben gefordert, weitreichende Zerstörungen mit massiven Verstößen gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht ausgelöst. Millionen von Menschen seien auf der Flucht.

UN-Vollversammlung  | AFP

Die Generaldebatte der 77. UN-Vollversammlung dauert eine Woche und wird erstmals seit 2019 wieder vollständig als Präsenzveranstaltung abgehalten. Bild: AFP

Ein Bild der Hoffnung

Doch ein Bild mache ihm Hoffnung, sagte Guterres weiter: Ein Getreidefrachter, der unter UN-Flagge mit ukrainischem Weizen in Richtung Horn von Afrika fahre. Mit der Öffnung ukrainischer Häfen für Getreideexporte hätten die Vereinten Nationen Handlungsfähigkeit bewiesen.

Guterres rief die Industrieländer dazu auf, unerwartete Zusatzgewinne etwa von Öl-Unternehmen zu besteuern. Die Erlöse sollten für den Kampf gegen die Klimakrise eingesetzt werden sowie Menschen zugute kommen, die unter steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen litten.

Bolsonaro verteidigt Regenwaldnutzung

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro verteidigte vor der UN-Vollversammlung erneut die wirtschaftliche Nutzung des Amazonasgebiets. "Im Amazonasgebiet leben mehr als 20 Millionen Menschen, darunter indigene Völker, deren Lebensunterhalt in irgendeiner Form von der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes abhängt", sagte er bei der Generaldebatte. "Es ist essenziell, das wir uns um die Umwelt kümmern, aber wir dürfen die Menschen nicht übersehen."

Bolsonaro forderte in seiner Rede einen Waffenstillstand in der Ukraine. Gleichzeitig kritisierte er auch die gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen. "Die Auswirkungen des Konflikts sind bereits an den Weltmarktpreisen für Lebensmittel, Brennstoffe und andere Rohstoffe zu spüren. All diese Auswirkungen entfernen uns von den Zielen für nachhaltige Entwicklung."

Die UN-Vollversammlung und die Generaldebatte

Die Vollversammlung ist das zentrale Beratungsorgan der Vereinten Nationen - eine Art UN-Parlament. Darin vertreten sind alle 193 Mitgliedsstaaten. Das Gremium wählt unter anderem die nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates und ernennt auf dessen Empfehlung den UN-Generalsekretär.

Alle Mitgliedsstaaten haben je eine Stimme. Die Vollversammlung kann auch aktiv werden, wenn der Sicherheitsrat durch das Veto eines ständigen Mitglieds blockiert ist, kann im Gegensatz zum Rat aber keine Sanktionen verhängen. Außer in Haushaltsfragen sind Resolutionen der Vollversammlung völkerrechtlich nicht bindend.

Die Sitzungsperiode der Vollversammlung beginnt jedes Jahr im September - und kurz danach steht der Höhepunkt an: die Generaldebatte. Eine Woche lang legen alle Staaten - oft vertreten durch ihre Staats- oder Regierungschefs - ihre Vorstellungen von der Lösung der wichtigsten Probleme der Welt dar.

Im weiteren Verlauf der Generaldebatte werden heute unter anderem noch die Reden von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet. Zu den Rednern am Mittwoch gehören US-Präsident Joe Biden, der iranische Staatschef Ebrahim Raisi und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj, der eine Videoansprache halten wird.

Mit Informationen von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. September 2022 um 18:24 Uhr.