Sitzung des Gremiums zum russischen Angriff auf die Ukraine | EPA

Empörung im UN-Sicherheitsrat "Sie fahren direkt zur Hölle, Botschafter"

Stand: 24.02.2022 08:11 Uhr

Während Russland die Ukraine angriff, tagte der UN-Sicherheitsrat. Die Sitzung prägte tiefe Erschütterung und auch große Erregung. Zwischen den Vertretern der Ukraine und Russlands kam es zum Eklat.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Dem Nachruf zum Ausklang der Sitzung war die Erschütterung deutlich anzuhören. US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield klang so, als könnte sie es selbst nicht glauben: "Zur exakt derselben Zeit, in der wir hier im Rat zusammensitzen, um Frieden zu suchen, gibt Putin eine Kriegserklärung ab - in völliger Verachtung für die Verantwortung dieses Rats."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Dies sei ein großer Notfall. Der Rat müsse handeln.

Der Appell von Guterres 

Während Russlands Präsident Wladimir Putin Tausende Kilometer weit weg im Fernsehen seine Militäroperation in der Ukraine ankündigte, hielt UN-Chef Antonio Guterres einen flammenden Appell:

Präsident Putin, halten Sie Ihre Truppen davon ab, die Ukraine anzugreifen, geben Sie dem Frieden eine Chance. Zu viele Menschen sind bereits gestorben.

Dies sage er aus tiefstem Herzen. Da hatte Thomas-Greenfield noch an Putin appelliert: Er möge den Abgrund vermeiden, bevor es zu spät sei. Doch das war es bereits.

Russland ist der Aggressor. Russlands Attacke auf die Ukraine kommt einem Angriff auf die UN und jeden Mitgliedsstaat gleich.

Russlands Botschafter verharmlost

Doch Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja wiegelte ab. Putin mache keinen Krieg, sondern eine spezielle Militäroperation im Donbass. Die Ukraine sei vom Westen zur Gewalt angestachelt worden.

Als Nebensjas ukrainischer Kollege Sergij Kyslystya sprach, kam es zu einem ungewohnt heftigen Wortgefecht zwischen ihnen. Kystlystya griff Nebensja scharf an: "Wir verurteilen die Aggression, die Sie gegen mein Volk verüben. Es gibt kein Fegefeuer für Kriegsverbrecher. Sie fahren direkt zur Hölle, Botschafter", sagte Kyslystya.

Hinweis auf Konsequenzen

Deutschland war wegen seiner bisherigen Vermittlerrolle im Konflikt bei der Sitzung durch UN-Botschafterin Antje Leendertse vertreten - obwohl es derzeit nicht im Sicherheitsrat ist. Sie kündigte Russland schwere Konsequenzen an: "Die russische Aggression wird politisch, wirtschaftlich und moralisch einen beispiellosen Preis haben."

Ihr französischer Kollege Nicolas de Rivière kündigte an: Der Entwurf einer Resolution sei in Arbeit, um das, was passiere, zu verurteilen. Die Erklärung soll dem Sicherheitsrat bereits in ein paar Stunden vorgelegt werden, bekräftigten auch andere Mitglieder.

Die meisten verließen sichtlich bewegt den Saal. Allen voran Guterres: "Dies ist der traurigste Moment in meinem Dienst als Generalsekretär der Vereinten Nationen."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Februar 2022 um 07:33 Uhr.