Toyotas Pläne für den Bau eines Prototyps der Stadt der Zukunft am Fuße des Mount Fuji in Japan | picture alliance / Toyota/Cover

Toyotas Projekt in Japan Eine Labor-Stadt am Fuße des Fuji

Stand: 23.02.2021 14:31 Uhr

Autonomes Fahren, Smarthomes und Künstliche Intelligenz: Toyota will in Japan ein neues Kapitel für die Stadt der Zukunft aufschlagen. Heute soll der Grundstein für die "verwobene Stadt" gelegt werden.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Die Animation der Toyota "Woven City" sieht schon mal schön aus. Da sprießen Bäume in die Höhe, Straßen entstehen, aber natürlich nicht irgendwelche, sondern drei verschiedene, wie der dänische Chefarchitekt Bjarke Ingels vergangenes Jahr auf einer Präsentation erzählt:

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

"Die erste Straße ist für schnelle, autonome Fahrzeuge gedacht, der zweite Straßentyp ist für Fußgänger und alle anderen Fortbewegungsmittel, und der dritte Gehweg ist schließlich nur für Fußgänger und Haustiere. Wenn man von einer auf die andere Straße will, muss man immer nur durch einen Park gehen."

Der Stararchitekt ist begeistert. Er zeichnet sich unter anderem für das Design des Two World Trade Center, die Google-Zentrale und das Legohaus verantwortlich.

Simulation des Toyota-Projekts "Woven City" | picture alliance / Toyota/Cover

"Woven City" soll Ingenieuren und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, alle Technologien zu testen. Bild: picture alliance / Toyota/Cover

Komplett kontrolliertes Gelände

Beauftragt hat ihn der Toyota Chef Akio Toyoda persönlich. Der Enkel des Gründers des japanischen Autobauers hat auf dem 75 Hektar großen Gelände bis Ende vergangenen Jahres noch produziert.

"Hier leben, arbeiten, spielen und haben Menschen teil. Es ist ein lebendes Labor. Stellen Sie sich ein komplett kontrolliertes Gelände vor, das Ingenieuren und Wissenschaftlern die Möglichkeit eröffnet, frei alle Technologien zu testen."

Testobjekte für neue Technologien

Dazu gehören autonomes Fahren, Roboter, Künstliche Intelligenz und ein smart vernetztes Haus. Sämtliche Energie soll aus Solar- und geothermischer Energie kommen sowie aus Wasserstoffbrennstoffzellen. Unter der Stadt ist ein riesiger Wasserstoffspeicher- und Filter geplant.

Und nicht nur das, wie Architekt Ingels erklärt: "Vom Untergrund aus wird auch die Verteilung der ganzen Waren gesteuert, und es gibt eine direkte Verbindung zu den Häusern darüber. Diese Häuser dienen als Testobjekte für neue Technologien, zum Beispiel hilft Robotik beim täglichen Leben. Diese Smarthomes nutzen Künstliche Intelligenz und tun einige Dinge automatisch: wie den Kühlschrank aufzufüllen, den Müll zu entsorgen und sich sogar darum zu kümmern, wie gesund man ist."

Erstmal Rentner, Ingenieure und Wissenschaftler

Kümmern oder kontrollieren? Anfangs werden, so die Pläne, knapp 360 Menschen - vor allem Rentner, Ingenieure und Wissenschaftler - in der "Woven City" leben, jeder Schritt wird analysiert. In den Smarthäusern wird gleichermaßen gearbeitet und gewohnt. Langfristig sollen 3000 Menschen in der Stadt leben.

Haupttransportmittel sind natürlich Toyota-Fahrzeuge - die sich autonom fortbewegen und aussehen wie kleine Busse und deshalb vielfältig einsetzbar sind.

Simulation des Toyota-Projekts "Woven City" | picture alliance / Toyota/Cover

In den Smarthäusern der Stadt soll gearbeitet und gewohnt werden, langfristig sollen hier 3000 Menschen leben. Bild: picture alliance / Toyota/Cover

Beitrag zur "besseren Welt"

Wann die Stadt fertig sein soll, ist noch nicht klar. Aber - da ist Toyota-Chef Toyoda sicher - sie wird einen wichtigen Beitrag zur Stadt der Zukunft leisten:

"Ich glaube, dass es in unser aller Verantwortung liegt, vor allem auch in der von großen Unternehmen wie Toyota, unseren Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Das ist eine Verantwortung und ein Versprechen, beides nehmen wir nicht auf die leichte Schulter."

Und eines steht schon mal fest. Der Blick aus dem Fenster der "Woven City"wird grandios sein. Direkt auf den Fuji.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Februar 2021 um 11:35 Uhr.