Gail Halvorsen | dpa

"Rosinenbomber"-Pilot Gail Halvorsen mit 101 gestorben

Stand: 17.02.2022 18:44 Uhr

Nach dem Krieg flog er als junger Pilot Lebensmittel und Kohle ins blockierte West-Berlin. Er war der Erste, der für die Kinder auch Süßigkeiten über der Stadt abwarf. Nun ist Gail Halvorsen im Alter von 101 Jahren gestorben.

Der "Rosinenbomber"-Pilot Gail Halvorsen ist tot. Er starb in einem Krankenhaus in Utah im Kreis seiner Angehörigen, wie der Direktor seiner Stiftung und eine Sprecherin des Alliiertenmuseums in Berlin bestätigten. Halvorsen wurde 101 Jahre alt.

Der frühere US-Pilot flog während der Berlin-Blockade 1948 und 1949 einen der sogenannten "Rosinenbomber". Die Flugzeuge versorgten Menschen in West-Berlin mit Lebensmitteln und Kohle. Als erster Pilot warf er für die Kinder auch Süßigkeiten über der Stadt ab. Als "Candy Bomber" wurde Halvorsen zu einem Symbol für die Berliner Luftbrücke.

Die Bevölkerung wurde auf dem Luftweg versorgt

Die Luftbrücke wurde im Juni 1948 von den Westalliierten eingerichtet, nachdem die Sowjetunion eine Blockade über West-Berlin verhängt hatte. Die Bevölkerung wurde deshalb auf dem Luftweg versorgt.

Auf dem West-Berliner Flughafen Tempelhof landeten die sogenannten Rosinenbomber etwa 277.000 Mal. Am 12. Mai 1949 hob die Sowjetarmee die Berlin-Blockade schließlich auf.

Liebe für "seine Berlin-Kinder"

"Das Leben von Gail Halvorsen zeigt wirklich, wie eine Person, die etwas so Einfaches tut wie einen Kaugummi zu teilen, den Lauf der Geschichte der Menschheit verändern kann", sagte James Stewart, Direktor von Halvorsens Stiftung in Utah.

Halvorsen sei bis zuletzt mit Menschen in den USA in Kontakt gewesen, die als Kinder in Deutschland die Berlin-Blockade miterlebt hatten, so Stewart. "Er sprach über die Liebe für seine Berlin-Kinder, wie er sie nannte."

Baseballfeld in Berlin nach ihm benannt

In den 1970er Jahren war Halvorsen schließlich US-Kommandeur des Flughafens Tempelhof. Er nahm regelmäßig an Jubiläen zum Ende der Berlin-Blockade teil. Bei den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum im Mai 2019 wurde ein Baseballfeld in Berlin-Tempelhof nach ihm benannt.

"Die Helden der Luftbrücke waren nicht die Piloten", sagte Halvorsen bei der Feierlichkeit. "Eltern und ihre Kinder - sie waren die Zukunft der freien Welt. Sie hatten die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Sie waren die Helden. Nicht die Typen, die das Essen gebracht haben."

Giffey: Zutiefst menschliche Handlung nie vergessen

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey betonte, Halvorsens zutiefst menschliche Handlung sei nie vergessen worden. "Er hatte viele Freunde in unserer Stadt und ist ein Leben lang immer wieder hierhergekommen." Berlin sei seine zweite Heimat gewesen. "Wir werden seinen mitreißenden Schwung auch im höchsten Alter sehr vermissen."

Jürgen Lillteicher, Leiter des Alliiertenmuseums in Berlin, würdigte den "Rosinenbomber"-Piloten als "ungemein charismatischen und liebenswerten Menschen". Halvorsen sei immer engagiert gewesen, sagte der Historiker. Und er sei ein Beispiel dafür gewesen, wie aus Feinden Freunde werden konnten.

Halvorsen wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Februar 2022 um 16:05 Uhr.