Der peruanische Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo auf einen Balkon bei der Verkündung seines Wahlsiegs. | REUTERS

Präsidentschaftswahl in Peru Castillo ruft sich zum Sieger aus

Stand: 09.06.2021 16:51 Uhr

Pedro Castillo hat sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl in Peru erklärt. Das offizielle Endergebnis steht indes noch aus. Castillo galt als Außenseiter, war Ersatzkandidat - und als einer der wenigen in keinen Korruptionsskandal verwickelt.

Der Linkspolitiker Pedro Castillo hat sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl in Peru ausgerufen. Nach Auszählung von 99,4 Prozent der Wahlzettel kam Castillo auf 50,2 Prozent der Stimmen, die konservative Gegenkandidatin Keiko Fujimori auf 49,7, wie die Wahlbehörde ONPE mitteilte. Bis zur Verkündung des offiziellen Wahlergebnisses können aber noch mehrere Tage vergehen.

Laut Menschenrechtlern trennen die beiden Kontrahenten nur einige Zehntausend Stimmen. Angesichts des noch fehlenden Gesamtergebnisses rief Castillo dazu auf, den Willen des Volkes nicht zu beflecken und versprach: "Wir werden eine Regierung sein, die die Demokratie und die aktuelle Verfassung respektiert."

Vor seinen Unterstützerinnen und Unterstützern sagte der 51 Jahre alte Castillo: "Wir werden eine Regierung mit finanzieller und wirtschaftlicher Stabilität sein."

"Vielzahl von Unregelmäßigkeiten"

Die Anhängerinnen und Anhänger von Fujimori versammelten sich indes vor der Nationalen Wahlbehörde und protestierten gegen mutmaßlichen Wahlbetrug. Fujimori reklamierte eine "Vielzahl von Unregelmäßigkeiten" in den Wahllokalen, in denen Castillo vorn liegt.

"Sie wollen die Ergebnisse, die den Willen des Volkes spiegeln, verfälschen oder verzögern", sagte Fujimori. Beweise legte sie nicht vor. Ihr Rückhalt werde wachsen, sobald Stimmen von im Ausland lebenden Peruanerinnen und Peruanern gezählt würden, prognostizierte sie zudem.

Castillo genießt Rückhalt der Landbevölkerung

Bei der Auszählung lag Fujimori zunächst knapp vorn. Aber Castillo profitierte von den Stimmzetteln aus ländlichen Regionen, die im Laufe des Wahlabends eintrafen. Besonders in der ländlichen ärmeren Bevölkerung genießt Castillo großen Rückhalt. Beide Bewerber hatten bei ihrer Stimmabgabe versprochen, das Wahlergebnis auch im Falle einer Niederlage zu akzeptieren.

Fujimori erklärte, sie werde den Willen der Wähler respektieren, "egal wie das Ergebnis lautet". Nach der Wahl 2016 hatte sie sich zunächst geweigert, den Sieg ihres damaligen Rivalen Pedro Pablo Kuczynski anzuerkennen. Später bezeichnete sie ihr Verhalten als Fehler.

Eigentlich nur Ersatzkandidat

Castillo von der Linkspartei Perú Libre (Freies Peru) verspricht ein Ende des neoliberalen Wirtschaftsmodells. Er will sämtliche transnationalen Verträge im Bergbau neu verhandeln und den Staat mit 80 Prozent an den Einnahmen beteiligen. Mit dem Geld will er das marode Gesundheitssystem sanieren und die Bildung verbessern.

Castillo war als Außenseiter und Ersatzkandidat in die Wahl gegangen. Völlig überraschend konnte er im April in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen auf sich vereinen. Mit 19 Prozent der Stimmen wurde der der Grundschullehrer zur Hauptfigur und zog in die Stichwahl. Auch im neuen Kongress stellt seine Partei die größte Fraktion.

Protestwahl gegen Korruption

Das Abstimmungsergebnis galt auch als eine Protestwahl: Außer gegen Castillo liefen gegen fast alle insgesamt 18 Präsidentschaftskandidaten und -kandidatinnen Korruptionsverfahren. So war Castillo nur zum Spitzenkandidaten gekürt worden, weil Parteichef Vladimir Cerrón aufgrund einer Verurteilung wegen Korruption nicht antreten durfte.

Auch die Gegenkandidatin Fujimori ist in einen Korruptionsskandal um einen brasilianischen Baukonzern verwickelt und verbrachte insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft. Sie gilt als Vertreterin der Elite und trat bereits dreimal bei der Stichwahl um das Präsidentenamt an.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 09. Juni 2021 um 12:35 Uhr.