Eric Adams schüttelt einem New Yorker Polizisten die Hand. | AFP
Porträt

Demokrat Eric Adams Der Ex-Cop, der New York retten will

Stand: 08.07.2021 10:22 Uhr

Eric Adams hat die Vorwahl der Demokraten gewonnen - und wird damit höchstwahrscheinlich New Yorks neuer Bürgermeister. Der Ex-Polizist will die Waffenschwemme und die Armut in den Griff bekommen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ein bisschen bezieht Eric Adams den Jubel der Menge auch gern auf sich selbst, als er strahlend und winkend auf dem Broadway in der Konfettiparade mitläuft, die eigentlich New Yorks Ersthelfern gilt. "Als frühere Einsatzkraft. Als einer, der die Füße am Boden hat, sind diese Menschen hier meine Helden", sagt er.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Adams will gern der strahlende Held von New York sein. Gerade ist bekannt geworden, dass er die demokratischen Vorwahlen fürs Bürgermeisteramt gewinnt. Noch ist es zwar nicht offiziell. Trotzdem genießt er den Fernsehauftritt, als wäre es schon so. Auch der Moderator des Senders CBS begrüßt ihn als "Fast-schon-Bürgermeister".

In der liberalen Hochburg New York gilt ein Sieger der Demokraten bei der Vorwahl auch als höchstwahrscheinlicher Gewinner der eigentlichen Wahl im November. Der 60-Jährige hat nie einen Zweifel daran gelassen lassen, dass er tough genug ist für den Job, der als der härteste gleich nach dem Präsidentenamt gilt: "Ich bin ein Mann der Arbeiter. Einer, der die Wirtschaft hochbringt und die Kriminalität runter. Und New York zurück", versprach er im Wahlkampf.

Eric Adams, demokratischer Kandidat für die New Yorker Bürgermeisterwahl. | AFP

Eric Adams genießt schon jetzt das Bad in der Menge - hier bei einer Parade für die Corona-Helden von New York. Bild: AFP

"Wir haben eine Waffen-Schwemme hier"

Der Stadtteil-Bürgermeister von Brooklyn trägt zwei blaue Kragen: Den "Blue Collar" der Arbeiterschicht, in den er im Stadtteil Queens hineinwuchs, und den der Polizei-Uniform. Beide machten ihn zum Kämpfer. "Es gibt eine Gruppe Menschen hier, die dauerhaft in systemischer Armut lebt. Wir gehen in Restaurants, wir essen gut, wir nehmen ein Taxi - aber das ist die Realität in Amerika und in New York", sagt er. "Wenn wir die Stadt umkrempeln wollen, müssen wir diese Ungerechtigkeiten beenden. Und es gibt viele Wege, das zu tun."

Als er 15 war, verprügelte ihn ein weißer Polizist. Da beschloss der Afroamerikaner, selbst Cop zu werden. Bei seinen Wahlkampfauftritten zitiert er gern, wie er auf Schicht einmal todesmutig eine Messerattacke in der U-Bahn verhindert hat - ohne zu schießen.

"Wir haben eine Waffen-Schwemme hier und wir müssen das stoppen", fordert er. "Wir brauchen eine Polizei-Einheit, die sich nur auf illegale Waffen in der Stadt spezialisiert."

Adams träumt schon vom Schaumbad

22 Jahre war Adams als Polizist im Dienst. Er hat klar gemacht: Er denkt nicht daran, der Polizei Gelder zu entziehen, wie es viele New Yorker infolge der Black Lives Matter-Proteste gefordert haben.

Doch genauso wenig duldet der moderate Politiker Polizeigewalt und strukturellen Rassismus. Denn in den USA laufe etwas falsch, so nennt Adams das: "Wir funktionieren als Stadt nicht und nicht als Land."

Die Stadt, die er voraussichtlich übernimmt, muss nach der Pandemie erst einmal wieder zu sich selbst finden. Zu ihren größten Sorgen zählt die steigende Gewaltkriminalität.

Der moderate Adams würde den linken Bürgermeister Bill de Blasio ablösen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann. Bei der Wahl im November muss er sich gegen den republikanischen Gründer einer Bürgerwehr, Curtis Sliwa, durchsetzen. Adams sieht es relaxt: Am Tag nach der Wahl, kündigt er an, werde er ein langes Schaumbad nehmen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juli 2021 um 17:50 Uhr.