Adnan Syed | EPA

Fall Adnan Syed US-Gericht hebt Mord-Urteil auf

Stand: 20.09.2022 09:14 Uhr

Eine US-Richterin im US-Bundesstaat Maryland hat das Mord-Urteil gegen einen Häftling aufgehoben, der mehr als 20 Jahre im Gefängnis saß. Der Fall war durch den Podcast "Serial" weltweit bekannt geworden.

Fast 23 Jahre saß Adnan Syed wegen des Vorwurfs, er habe seine Ex-Freundin ermordet, im Gefängnis. Nun hat eine Richterin in Baltimore einem Antrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben und seine sofortige Freilassung angeordnet - im Interesse der Justiz und der Fairness, wie sie sagte.

Syed wurde unter Hausarrest gestellt. Der heute 41-Jährige war im Jahr 2000 wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Hae Min Lee zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Leiche der 18-Jährigen wurde im Februar 1999 in einem Park in Baltimore entdeckt. Syed wurde im Jahr darauf für schuldig befunden, sie erwürgt zu haben.

Syed hat immer seine Unschuld beteuert

Syed hatte aber immer seine Unschuld beteuert. Zahlreiche Revisionsanträge wurden abgelehnt. In der vergangenen Woche hatte die zuständige Staatsanwältin Marilyn Mosby aber überraschend erklärt, sie habe beantragt, das Urteil aufzuheben.

Das bedeute nicht, er sei unschuldig, so Mosby. Aber in einer fast einjährigen Untersuchung in Kooperation mit Syeds Anwälten seien unter anderem neue Informationen zu zwei weiteren möglichen Verdächtigen aufgetaucht.

Adnan Syed | REUTERS

Adnan Syed vor dem Gericht, nachdem das Urteil gegen ihn aufgehoben wurde. Bild: REUTERS

Richterin: Staat hat gegen juristische Pflicht verstoßen

Die beiden Verdächtigen seien zum Zeitpunkt der ursprünglichen Ermittlungen zwar bekannt gewesen. Ihre mögliche Schuld sei aber nie ordnungsgemäß ausgeschlossen worden.

Richterin Melissa Phinn erklärte, der Staat habe gegen seine juristische Pflicht verstoßen, Beweise zu teilen, die Syeds Verteidigung hätten stärken können. Die Staatsanwaltschaft hat nun 30 Tage Zeit zu entscheiden, ob sie ein neues Verfahren einleiten oder die Anklage fallen lassen will.

Fall war durch den Podcast "Serial" bekannt

Syeds Fall war durch den millionenfach heruntergeladenen Podcast "Serial" auch über die USA hinaus bekannt geworden. In dem Podcast wurde der Fall im Jahr 2014 beleuchtet und Syeds Schuld in Zweifel gezogen.

Mit Informationen von Nina Barth, ARD-Studio Washington