Ein Beluga-Wal schwimmt in der Hudson Bay vor Churchill im Norden Kanadas. | AFP

Gescheitertes Hochseeabkommen "Empörend und traurig"

Stand: 27.08.2022 11:44 Uhr

Nach den gescheiterten UN-Verhandlungen über ein Hochseeabkommen üben Umweltorganisationen scharfe Kritik. Der Zustand der Meere werde sich weiter verschlechtern, befürchten sie. Doch das Abkommen ist noch nicht vom Tisch.

Umweltschutzorganisationen haben das Scheitern der Verhandlungen der UN-Mitgliedsstaaten über ein Hochseeabkommen zum Schutz der Weltmeere kritisiert. "Es ist empörend und auch traurig, dass die UN immer noch kein Abkommen zum Schutz der Hohen See beschlossen hat", erklärte Greenpeace. Das Ziel vieler Staaten, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Hohen See unter Schutz zu stellen, sei nun schwieriger zu erreichen.

Dem Umweltverband WWF zufolge sorgt die Verzögerung dafür, "dass sich die Gesundheit der Meere weiter verschlechtert". Es seien zwar in vielen Bereichen Fortschritte erzielt worden. Um ein Abkommen zu erreichen, müssten sich die Staats- und Regierungschefs der beteiligten Länder aber stärker einsetzen.

Ohne Einigung

Zuvor waren in New York zweiwöchige Verhandlungen ohne Einigung zu Ende gegangen. Das Abkommen ist damit nicht vom Tisch, die Verhandlungen sollen möglichst bald weitergeführt werden, erklärte die deutsche Delegationsleiterin Miriam Wolter dem ARD-Studio in New York.

Es sei sehr ambitioniert gewesen, die Einigung in den vergangenen beiden Wochen zu erreichen, auch angesichts der unterschiedlichen Interessen der beteiligten Länder, sagte sie. "Wir wollten kein Abkommen um jeden Preis", sagte die Seerechtsexpertin aus dem Auswärtigen Amt.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Nutzung der Meere, die Einrichtung von Schutzgebieten und Unterstützung für arme Länder bei der Erforschung der Ozeane. Die UN-Mitgliedstaaten ringen seit 15 Jahren um ein Abkommen zum Schutz der Biodiversität in der Hochsee.

Ungeklärte Streitfragen

Als Hochsee oder Hohe See werden rund 60 Prozent der Weltmeere bezeichnet, die nicht unter die ausschließliche Wirtschaftszone eines Staates fallen, da sie weiter als 370 Kilometer von der nächsten Küste entfernt sind. Derzeit wird nur etwa ein Prozent der Hochsee durch internationale Abkommen geschützt.

Die UN-Mitgliedstaaten hatten Mitte August nach vier erfolglosen Anläufen ihre Verhandlungen über einen Hochseeabkommen zum Schutz der Weltmeere wieder aufgenommen. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen waren die Gespräche zwar zwischenzeitlich gut vorangekommen, etwa in den Bereichen der Meeresschutzgebiete oder bei der Prüfung von allen Aktivitäten auf hoher See mit Blick auf ihre Umweltverträglichkeit. Einige Streitfragen blieben aber ungeklärt.

Mit Informationen von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2022 um 10:00 Uhr.