Die Botschaft der USA in Havanna, Kuba | dpa

US-Diplomatenkrankheit Per "Havanna-Gesetz" gegen das Syndrom

Stand: 20.10.2021 12:07 Uhr

Mehr als 200 US-Botschaftsmitarbeiter leiden am "Havanna-Syndrom", hinter dem Geheimdienste schädliche Funkwellen vermuten. Ein neues Gesetz soll Betroffenen Unterstützung garantieren - und Zug in die Ursachenforschung bringen.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Es klingt fast wie in einem Agentenfilm: Mitarbeiter in US-Botschaften klagen über mysteriöse Symptome wie Schwindel, Hör-und Sehstörungen, Migräne und Gedächtnisverlust. Die ersten Fälle traten vor rund fünf Jahren an der US-Botschaft in Havanna auf - daher der Name "Havanna-Syndrom". Ursache dieser Symptome sind offenbar Verletzungen des Gehirns, mutmaßlich verursacht durch schädliche Funkwellen unbekannten Ursprungs. 

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

"Anhaltend, sehr laut und unerträglich" seien die akustischen Reize gewesen, bevor sie erkrankte, erzählte die US-Botschaftsangestellte Kate Husband vor ein paar Tagen im Fernsehsender NBC. Sie gehörte zu den ersten Opfern in Havanna. Ihre Kollegin Tina Onufer war ebenfalls 2016 an der Botschaft in Havanna angestellt. Sie leidet bis heute unter Symptomen: "Seit viereinhalb Jahren habe ich entsetzliche Kopfschmerzen, Gleichgewichts- und Sehstörungen. Die Leute verstehen nicht, was diese Art von Gehirnschädigung auslösen kann."

Finanzielle Unterstützung für Betroffene

Bis heute sind rund 200 CIA-Mitarbeiter, Spione und Diplomaten betroffen. Die US-Geheimdienste bemühen sich seit Jahren um Aufklärung - bislang ohne Erfolg. Die US-Regierung verabschiedete vor kurzem das "Havanna-Gesetz", das die Opfer, die zum Teil nicht mehr arbeitsfähig sind, finanziell unterstützt.

"Wir müssen dem auf dem Grund gehen und wir müssen uns darüber klarwerden, wie wir dem begegnen", sagt Jeanne Shaheen auf NBC. Die Senatorin aus New Hampshire hat das Gesetz mit auf den Weg gebracht - unter anderem zusammen mit Senatorin Susan Collins, die sagt: "Ein Teil dieses Havanna-Gesetzes verlangt die Beteiligung der gesamten Regierung, damit wir die Waffe und den Feind identifizieren können."

Schall-Angriffe durch feindliche Staaten?

Niemand spricht es aus, aber die Geheimdienste halten es für möglich, dass Russland oder ein anderer feindlicher Staat hinter den geheimnisvollen Attacken stecken könnte.

Bislang gebe es nur Hinweise auf die Technologie, sagt Susan Collins auf NBC, die Mitglied im Geheimdienstausschuss ist: "Es ist ziemlich klar, dass es sich um eine Waffe oder ein Gerät handelt, das gepulste Funkfrequenzen oder zielgerichtete Mikrowellenenergie aussendet."

Ihre Aussage deckt sich mit den wissenschaftlichen Ergebnissen, die die Nationalakademie der Wissenschaften im Auftrag des US-Außenministeriums herausgefunden hat. Der Mikrobiologe David Relmann von der Stanford Universität leitete die Forschung und sprach auf NPR über die Ergebnisse: "Wir haben Belege dafür gefunden, dass diese gepulste Mikrowellenstrahlung eine gewisse Druckwelle im Kopf erzeugt, die Zellen und Gehirnbahnen beschädigt", erklärt er.

Wissenschaftler und Geheimdienste sind optimistisch, dass sie die Quelle für die mysteriösen Gehirnverletzungen finden werden. Die Frage ist nur, wie lange das dauert - Wochen, Monate oder womöglich doch noch viele Jahre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2021 um 05:43 Uhr.