Ein Soldat geht durch Trümmer einer Wohnsiedlung nach dem Erdbeben in Haiti. | AP

Haiti Zahl der Erdbebentoten steigt auf fast 2000

Stand: 18.08.2021 03:23 Uhr

In Haiti ist die Opferzahl nach dem verheerenden Erdbeben auf fast 2000 gestiegen. Einsatzkräfte graben sich auf der Suche nach möglichen Überlebenden durch Trümmer, doch es besteht kaum noch Hoffnung. Über all dem wütet nun auch noch ein Tropensturm.

Nach dem tödlichen Erdbeben auf Haiti haben heftige Regenfälle durch Tropensturm "Grace" die Rettungseinsätze vorübergehend gestoppt. Die Unwetter suchten ausgerechnet jene Region im Südwesten des Karibikstaats heim, die am schwersten von dem Beben vom Wochenende betroffen war. Unter Tausenden Menschen, die nun obdachlos sind, machte sich noch mehr Frust und Wut breit.

Die Erdstöße am Samstag hatten eine Stärke von 7,2 und lösten auch Erdrutsche aus. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 125 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Zahl der Toten stieg bis Dienstag auf mindestens 1941, rund 9900 Menschen wurden verletzt.

Mehr als 7000 Wohnhäuser wurden bei dem Beben nach offiziellen Angaben zerstört und fast 5000 beschädigt, darunter Krankenhäuser, Schulen, Büros und Kirchen. Rund 30 000 Familien wurden obdachlos.

Verzweiflung auf den Straßen

Einige Kinder, die nach dem vom Beben verursachten Tod ihrer Eltern nun Waisen seien, litten Hunger, berichtete Carl-Henry Petit-Frère von Save the Children. Die Hilfsorganisation verteile nun verfügbare Güter an auf der Straße lebende Menschen, die dem Wind und Regen schutzlos ausgeliefert seien. "Ich sehe, wie Kinder auf der Straße weinen; Leute fragen uns nach Nahrung, aber bei uns ist das Essen auch knapp", ergänzte Petit-Frère. Die Organisationen täten das Menschenmögliche, bräuchten aber Hilfsgüter. "Nahrung, sauberes Wasser und Unterkünfte werden am meisten gebraucht, und wir brauchen sie schnell." 

Der Zivilschutz bemühe sich, die vorhandenen Ressourcen an die am schwersten betroffenen Orte wie Les Cayes, Jeremie und Nippes zu schaffen, sagte Behördenleiter Jerry Chandler. In der schwer zerstörten Stadt Les Cayes gruben sich Einsatzkräfte, aber auch Altmetallsucher durch die Trümmer eines eingestürzten Hotels. Immer mehr Tote wurden aus dem Schutt gezogen, über einem in sich zusammengefallenen Wohnhaus lag Leichengeruch. Nur ein Betttuch bedeckte die Leiche eines dreijährigen Mädchens, das Feuerwehrleute eine Stunde zuvor entdeckt hatten.

Gewaltige Regenmengen durch Tropensturm "Grace"

Stündlich schwanden die Chancen, noch Überlebende zu finden. Tropensturm «Grace» ließ über dem Chaos gewaltige Regenmengen niedergehen. Obdachlose und Suchtrupps wurden völlig durchnässt. Es wurden weitere Erdrutsche befürchtet. Der Tropensturm zog im Laufe des Tages langsam über die vom Erdbeben verwüstete Halbinsel Tiburon hinweg und nahm dann Kurs auf Kuba und Jamaika.

Tage nach dem Beben strömten noch immer Verletzte in das völlig überlastete Krankenhaus von Les Cayes. Patienten warteten auf Treppenstufen, in Fluren und auf der offenen Veranda auf eine Behandlung. Der Arzt Paurus Michelete sagte, Schmerzmittel und Metallklammern zur Behandlung von Brüchen gingen zur Neige. "Wir sind nicht mehr aufnahmefähig, und es kommen immer weiter Leute." Die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore, sagte, viele Betroffene müssten dringend medizinisch versorgt werden und bräuchten sauberes Wasser sowie ein Dach über dem Kopf.

Katastrophen zur Unzeit

Haiti hatte bereits 2010 ein ähnlich schweres Erdbeben erlebt, bei dem im dicht besiedelten Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince und anderswo bis zu 300.000 Menschen ums Leben kamen. Es folgten Wirbelstürme wie Hurrikan "Matthew" 2016.

Die jüngsten Naturkatastrophen treffen in Haiti zur Unzeit. Neben der Corona-Pandemie, grassierender Bandengewalt macht den Menschen die wachsende Armut zu schaffen. Hinzu kam Anfang Juli das Attentat auf Präsident Jovenel Moïse, das die politische Ungewissheit vertieft hat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2021 um 05:30 Uhr.

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Moderation 18.08.2021 • 14:35 Uhr

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