Trümmer und beschädigte Boote im Hafen | AFP

Hurrikan "Ian" in Florida "Totale Verwüstung" an Küstenorten

Stand: 29.09.2022 17:41 Uhr

Meterhohe Sturmfluten behindern die Rettungsmaßnahmen an der Küste Floridas nach dem Hurrikan "Ian". Tausende Menschen haben ihre Häuser verloren. Es wird ein weiterer Anstieg der Flusspegel befürchtet.

Von Florian Mayer, ARD-Studio Washington

Geländewagen, deren Dächer gerade noch so zu sehen sind. Häuser, die teilweise bis zum dritten Stockwerk im Wasser stehen, unzählige umgerissene Bäume und Müll schwimmen durch die meterhohen Fluten in Floridas südwestlichen Küstenorten. Das ganze Ausmaß der Schäden, die Hurrikan "Ian" dort angerichtet hat, ist noch nicht abzuschätzen.

Florian Mayer ARD-Studio Washington

Rettungskräfte in den betroffenen Gebieten versuchen sich durch die Wasser und Schuttmassen zu kämpfen, um vom Wasser eingeschlossene Personen zu retten.

Es gehe bisher nur langsam voran, erklärte der Rettungskoordinator in Charlotte County, Patrick Fuller, im Interview mit CNN. Die Hilfskräfte am Boden müssten erst die Straßen freiräumen, sichere Wege finden, um die Menschen, die Hilfe brauchen, überhaupt erst erreichen zu können.

Bereits in der Nacht war die US-Küstenwache mit Helikoptern immer wieder im Einsatz, um Menschen zu retten, die zu Hause geblieben waren und von den Sturmfluten eingeschlossen wurden.

13 Personen seien aus den Küstenorten Fort Myers und St. Petersburg gerettet worden. Ein Helikopter der National Garde Floridas sei zudem weiterhin in Fort Myers im Einsatz, um Menschen von ihren Hausdächern zu holen, sagte Küstenwachen-Admiral Brendan McPherson bei CNN.

Eine überschwemmten Straße in Fort Myers | AFP

Mehrere Stadtteile in Fort Myers gleichen Seengebieten. Bild: AFP

Fort Myers mit am stärksten betroffen

Fort Myers, wo "Ian" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h wütete, ist mit am stärksten im Bundesstaat betroffen, erklärte McPherson. Für Zahlen zu möglichen Todesopfern sei es aber noch zu früh. Sheriff Chad Chronister beschrieb die Situation in Fort Myers knapp mit den Worten: "Katastrophale Verluste und totale Verwüstung."

Im knapp eine Stunde entfernten Naples wurde die Feuerwache von Feuerwehrchef Pete DiMaria und seinem Team innerhalb weniger Stunden überspült. Die Rettungsfahrzeuge stünden fast bis zum Dach im Wasser. Ganz Naples sei überflutet, erzählte er CNN.

Chad Eggleston hatte den Hurrikan und die folgende Sturmflut in seinem Haus in Naples miterlebt. Irgendwann sei man machtlos und wisse nicht mehr, wie schwerwiegend und groß die Sache werden könne, berichtete Eggleston am Morgen nach dem Sturm auf CNN.

Pegelanstieg bis zu acht Metern befürchtet

Schätzungen von US-Behörden gehen davon aus, dass rund zwei Millionen Menschen in Florida durch die Schäden des Sturms und der Fluten ohne Strom sind. Die Infrastruktur wieder aufzubauen werde vermutlich Wochen dauern, erklärten die Stromanbieter. Die Zahl, derer, die ihre Häuser verloren haben, wird vermutlich in die Tausende gehen.

Und noch sei das Schlimmste nicht durchgestanden, erklärte Chronister. Wenn der Sturm nachlasse und das von der Küste ins Inland verdrängte Wasser zurückkomme und dort auf die Regenmassen treffe, würden die Pegel weiter steigen - teilweise laut Vorhersagen auf bis zu acht Meter.

Aktuell befindet sich "Ian" nahe Cape Canaveral an der östlichen Seite Floridas. Zwar wurde er vom Hurrikan zum Tropensturm heruntergestuft. Aber auch für die Ostküste rechnet das Nationale Hurrikan-Center mit lebensgefährlichen Sturmfluten.