Alec Baldwin beantwortet im TV-Sender CBS Fragen zum tödlichen Zwischenfall am Filmset des Western "Rust" | AP

Baldwin-Interview Verantwortlich? "Ich bin es nicht!"

Stand: 03.12.2021 10:10 Uhr

Der tödliche Zwischenfall am Filmset des Westerns "Rust" hat Hollywood aufgewühlt. Nun hat sich der Schauspieler Baldwin in einem längeren Interview geäußert - und eine Verantwortung abgestritten.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Alec Baldwin vergräbt sein Gesicht während des Interviews mit dem TV-Sender ABC mehrfach in seinen Händen, weint. Er wirkt angeschlagen, gleichzeitig auch selbstbewusst, wenn es um die Frage nach der Schuld geht. Jemand sei verantwortlich, für das, was passiert ist. Er wisse nicht wer, aber: "Ich weiß, ich bin es nicht."

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Der 63-jährige Schauspieler beschreibt den Vorfall bei den Dreharbeiten zu dem Westernfilm “Rust” in New Mexico aus seiner Sicht: "Ich bekam eine Waffe und jemand sagte: 'Das ist eine cold gun.' Das bedeutet für mich, dass da keine scharfe Munition drin ist." Dann habe er die Szene geprobt. Dabei sei nicht vorgesehen gewesen, dass ein Schuss abgefeuert wird.

Aber er habe der Kamerafrau Halyna Hutchins gesagt, dass er die Waffe spannen will, sie habe dies mit der Kamera einfangen wollen. "Dann ließ ich den Hammer los und die Waffe ging los." Baldwin betonte, dass er den Abzug nicht gedrückt habe, die Waffe nie auf eine Person gerichtet gewesen sei.

Der Schuss, der sich aus der Pistole gelöst hat, traf die Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich und verwundete den Regisseur des Films, Joel Souza an der Schulter. Im ersten Moment habe er gar nicht begriffen, dass Hutchins von einer Kugel getroffen wurde, so Baldwin. Er dachte, sie habe einen Herzinfarkt erlitten.

Woher kam die Munition?

Der zuständige Sheriff hatte in einem ersten Statement bekannt gegeben, dass es sich um echte Munition gehandelt habe. Es sei noch mehr scharfe Munition am Set gefunden worden, woher diese stammt, ist noch nicht klar.

Auch wenn Baldwin die Schuld niemandem direkt zuweisen will, betont er, dass die Verantwortung für die Waffe und die Munition bei einer Person gelegen hätte. Am Filmset waren unter anderem die Waffenmeisterin Hanna Gutierrez-Reed, sowie der Regieassistent Dave Halls offenbar diejenigen, die Zugang zu den Waffen hatten. Halls habe dem Schauspieler die Pistole gereicht. Er selbst habe die Munition nicht überprüft, so Baldwin. 

Erste Klagen eingereicht

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen und könnten noch einige Wochen andauern. In der Zwischenzeit haben zwei Mitglieder der Filmcrew Klage eingereicht, unter anderem Mamie Mitchell, die als Drehbuchkoordinatorin am Set gearbeitet hat. Sie hat nun Bürgerrechtlerin und Promi-Anwältin Gloria Allred an ihrer Seite, in ihrer Klageschrift werden schwere Vorwürfe erhoben. Sie warf Baldwin vor, er habe "Russisches Roulette gespielt, als er eine Waffe abfeuerte, ohne sie selbst oder den Waffenmeister in seinem Beisein überprüfen zu lassen". Das Verhalten von Baldwin und den Produzenten sei "rücksichtslos" gewesen, sagte Anwältin Allred bei einer Pressekonferenz. 

Auch ein anderes Mitglied des Filmteams hat Baldwin, die Waffenmeisterin und den Regieassistenten Halls sowie weitere Mitglieder der Produktion verklagt - unter anderem wegen seelischen und körperlichen Schäden. Die Filmmitarbeiter berichteten über schlechte Bedingungen am Set, knappe Produktionsmittel und schlechte Sicherheitsprotokolle.

Ob es auch seitens der Staatsanwaltschaft zu einer Anklage kommen wird, ist noch unklar, man halte sich aber alle Optionen offen, heißt es bisher. 

 

 

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 03. Dezember 2021 um 10:24 Uhr.