Menschen stehen vor der Notaufnahme eines Krankenhauses am Stadtrand von Buenos Aires (Argentinien). | dpa

Argentinien 20 Tote durch gestrecktes Kokain

Stand: 03.02.2022 10:55 Uhr

Durch den Konsum von gestrecktem Kokain sind in Argentinien mindestens 20 Menschen gestorben. Mehr als 70 werden in Krankenhäusern behandelt. Behörden versuchen mit Hochdruck, die tödliche Charge aus dem Verkehr zu ziehen.

In Argentinien sind nach dem Konsum von gestrecktem Kokain mindestens 20 Menschen gestorben. Ein Sprecher der Provinzregierung von Buenos Aires sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend, dass zudem 74 Menschen aus einem Vorort von Buenos Aires mit Vergiftungen in Krankenhäusern liegen.

In den Medien riefen die Behörden die Bevölkerung auf, kürzlich gekauftes Kokain nicht zu konsumieren. "Wer in den letzten 24 Stunden Drogen gekauft hat, muss sie wegwerfen", sagte der Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires, Sergio Berni, im argentinischen Fernsehsender Telefe. Die Behörden versuchten derzeit, die giftige Substanz zu lokalisieren, um sie aus dem Verkehr zu ziehen, so der Minister.

Festnahmen mehrerer Verdächtiger

In dem von Armut betroffenen Vorort Tres de Febrero im Nordwesten der argentinischen Hauptstadt wurden Berni zufolge zwölf Verdächtige festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte demnach Kokainpäckchen, die denen ähnelten, die von Angehörigen der Opfer identifiziert worden waren. Sie sollten schnell analysiert werden.

Medienberichten zufolge hatten die Behörden am Mittwochmorgen Alarm ausgelöst, nachdem in mehreren Krankenhäusern massenhaft Vergiftungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Kokainkonsum gemeldet wurden. Die Opfer, darunter vor allem Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren, sollen demnach unter heftigen Krämpfen und plötzlichem Herzstillstand gelitten haben.

Zahl der Todesfälle könnte noch steigen

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass eine "hochgiftige Substanz" als Kokain vermarktet "im Umlauf" sei. Die Priorität sei derzeit, Besitzern zu kommunizieren, dass sie es nicht einnehmen sollten, sagte der zuständige Staatsanwalt, Marcelo Lapargo, im Radio. Die Ermittler befürchteten, dass die Zahl der Todesfälle noch steigen könnte.

Berni zufolge ist nicht das Kokain an sich für die Todesfälle ursächlich, sondern die Mittel, die zum strecken verwendet wurden. "Es gibt einen wichtigen Bestandteil, der das zentrale Nervensystem angreift", erklärte Berni. "Jeder Dealer, der das Kokain kauft, streckt es", sagte der Minister. "Manche tun dies mit ungiftigen Substanzen wie Stärke. Andere tun Halluzinogene hinein und wenn es keine Kontrolle gibt, passiert so etwas."

Zusammenstöße bei Protesten

Bei den Razzien in dem Vorort von Buenos Aires kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen Polizisten und Bewohnern, die gegen die Festnahme von Jugendlichen protestierten. Sie warfen Steine auf die Beamten, woraufhin die Polizei Behördenangaben zufolge mit 1500 Einsatzkräften anrückte. Die Bewohner warfen den Beamten vor, bei den Durchsuchungen Häuser geplündert oder zerstört zu haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2022 um 09:00 Uhr.