Lehrerin am Konfuzius-Institut Yaoundé in Afrika

Mehr Afrikaner lernen Chinesisch Konfuzius schlägt Goethe

Stand: 21.10.2010 04:50 Uhr

China drängt nach Afrika: Sieben Konfuzius-Institute entstanden zuletzt allein in Kamerun. In dem Land lernen chinesischen Angaben zufolge 3000 Schüler die chinesische Sprache und Kultur. Die deutschen Goethe-Institute reagieren alarmiert.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

John Eyong ist Assistent in einer Anwaltskanzlei in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns. An diesem Morgen studiert er aber keine Paragraphen, sondern übt Chinesisch. Gleich wird er ins Konfuzius-Zentrum aufbrechen. Seit drei Monaten lernt er dort mit anderen Schülern Chinesisch. "Einige unserer Kunden sind Chinesen", sagt Eyong. "Wenn sie nach Kamerun kommen, um hier zu investieren, sprechen sie weder Englisch noch Französisch. Ihre Dolmetscher kennen außerdem oft die juristischen Fachbegriffe nicht. Deswegen bin ich hier - um den Investoren zu helfen."

Lehrerin am Konfuzius-Institut Yaoundé in Afrika

Allein in Kamerun hat China in den letzten Jahren mit viel Geld sieben Institute eingeweiht.

Schülerin vom Konfuzius-Institut Jaunde in Afrika

Chinesischen Angaben zufolge lernen inzwischen 3000 Schüler in Kamerun Chinesisch.

Kulturzentren - komplett finanziert vom chinesischen Staat

Im Klassenraum des Konfuzius-Instituts steht ein Overhead-Projektor, es gibt CD-Spieler mit Kopfhörern und eine Bibliothek. Das Zentrum in Jaunde ist hervorragend ausgestattet, komplett finanziert vom chinesischen Staat. Als es vor drei Jahren eröffnet wurde, war es das erste Konfuzius-Institut im frankophonen Afrika. Mittlerweile gibt es allein in Kamerun sieben davon.

"18 Lehrer aus China und drei Lokalkräfte unterrichten in Kamerun mehr als 3000 Schüler in chinesischer Kultur und Sprache", erklärt der Direktor des Instituts in Jaunde, Zhao Youhua. "Es gibt außerdem immer mehr Studenten, die gern nach China gehen möchten, um dort ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Die chinesische Regierung bietet ihnen kostenlose Stipendien an. So vertiefen wir die Freundschaft zwischen China und Kamerun, zwischen China und Afrika."

Konfuzius-Institut Yaoundé in Afrika

Viele Schüler versprechen sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch das Erlernen der chinesischen Sprache.

Chinesische Kultur-Offensive in Afrika

Kamerun erlebt eine regelrechte chinesische Kultur-Offensive - wie so viele andere Länder südlich der Sahara. China ist heute nach den USA der wichtigste Handelspartner Afrikas, das Handelsvolumen hat sich in den vergangenen acht Jahren verzehnfacht. Das ist auch der Politikstudentin Daniella Leine nicht entgangen. Sie hat sich bewusst für Chinesisch entschieden. "Chinesisch ist nicht einfach zu lernen, trotzdem habe ich damit angefangen", sagt sie. "China ist ja immerhin die zweite Weltmacht und eine wachsende Macht."

Und dann plappert Daniella auf Chinesisch weiter. Das sind Laute, die man in Afrika noch vor wenigen Jahren nur sehr selten gehört hat. China wird in Afrika immer präsenter, sagt Christoph Mücher, Sprecher des Goethe-Instituts. "Unsere Kollegen vor Ort nehmen das deutlich wahr. Glücklicherweise hat es bisher keine Auswirkungen auf unsere Klientel, die Zahl der Deutsch-Schüler ist sehr stabil. Trotzdem merkt man, dass China mit großer Geste und viel Geld ausgerüstet auftritt."

Noch sind die Kurse der Goethe-Institute voll

Vor diesem Hintergrund wäre es fatal, so Mücher, wenn die Bundesregierung den Goethe-Instituten die Mittel kürzen würde. Anders als die Konfuzius-Institute sind die Goethe-Institute in vielen Ländern seit 50 Jahren aktiv. Und: Noch sind deren Kurse voll. Hauptgrund: Die ehemalige Kolonialmacht Deutschland ist nach wie vor ein beliebter Studienort und und auch für den Kameruner Stéphane Bouche ein Wunschziel: "Dort werden die Studenten gut ausgebildet. Außerdem ist das Studium in Deutschland günstiger als in Frankreich, Kanada oder den USA. Mit einem deutschen Diplom haben wir vielfältige Arbeitsmöglichkeiten – in der Welt wie in Kamerun."

Sein Altersgenosse Herman Dotsop setzt dagegen lieber auf China. Der Informatikstudent hat sich für ein Stipendium im Reich der Mitte beworben. Denn China ist auch für ihn die Macht von morgen - Konfuzius zieht er Goethe vor: "Chinas Wissenschaftssektor boomt. Und da ich Informatiker bin, glaube ich, dass ich dort sehr, sehr gute Perspektiven habe."