Venezuela steckt trotz riesiger Ölvorkommen weiter in einer tiefen Wirtschaftskrise. | Bildquelle: REUTERS

#kurzerklärt Warum geht es Venezuela so schlecht?

Stand: 21.08.2017 03:39 Uhr

Venezuela könnte eines der reichsten Länder überhaupt sein, denn es besitzt die größten bekannten Ölreserven der Welt. Trotzdem hungern viele Menschen im Land und es gibt fast keine Medikamente mehr. Warum ist das so?

Von Alexander Westermann, NDR

302,25 Milliarden Barrel Öl schlummern unter der Erde von Venezuela. Damit besitzt das OPEC-Land mit Abstand die größten Ölreserven der Welt. Zum Vergleich: Saudi-Arabien, das Land mit den zweitgrößten bekannten Ölreserven der Welt, besitzt 266,25 Milliarden Barrel Rohöl.

Venezuela könnte also reich sein. Zwischen 1999 und 2014 verdiente das OPEC-Land mit dem Export seines Erdöls schätzungsweise fast tausend Milliarden US-Dollar. Doch anstatt, dass Venezuelas Bewohner in Wohlstand leben, sind die Regale der Supermärkte leer, viele Menschen leiden Hunger und das Land ist hoch verschuldet.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich stand im ersten Satz des Artikel "OECD-Land". Richtig ist OPEC-Land.

#kurzerklärt: Warum geht es Venezuela so schlecht?
22.08.2017, Alexander Westermann, NDR

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Chávez setzte auf Sozialprogramme

Viele sagen, Hugo Chávez und seine linke Politik sind an der aktuellen Misere des Landes schuld. 1998 wird Chávez mit einem linken Programm zum Präsidenten von Venezuela gewählt, nachdem sich die sozial- und die christdemokratische Partei Venezuelas über 40 Jahre gegenseitig an der Macht abgewechselt haben und sich vor allem die arme Bevölkerung von den Regierenden im Stich gelassen fühlte.

"Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ist Chávez' Motto: Außenpolitisch bildet er Allianzen mit sozialistischen Ländern wie beispielsweise Kuba, innenpolitisch setzt er vor allem auf Sozialprogramme, sogenannte Missionen, um vor allem die Armut im Land zu bekämpfen. Tatsächlich sinkt der Anteil der Bevölkerung, die unter der nationalen Armutsgrenze lebt, laut den UN seit Chávez Amtsantritt 1999 auch fast um die Hälfte, von fast 50 auf 25,4 Prozent.

Ölpreis fällt unter Maduro dramatisch

Seine Maßnahmen finanziert Chávez allerdings nicht durch eine nachhaltige Wirtschaftspolitik, sondern fast ausschließlich durch den Verkauf von Erdöl. Viele Unternehmen werden enteignet oder gehen pleite; nach einem Putschversuch 2002 besetzt Chávez nahezu den gesamten staatlichen Ölkonzern PDVSA mit ihm treuen Anhängern, der Staatsapparat ist korrupt und auch die Pressefreiheit wird unter Chávez massiv eingeschränkt. Dennoch wird er bis zu seinem Tod 2013 insgesamt drei Mal wiedergewählt.

Nach Chávez Tod wird sein Zögling und Vizepräsident Nicolás Maduro zum Präsidenten von Venezuela gewählt. Während aber der Erdölpreis unter Chávez fast konstant gestiegen ist - die Regierung also immer mehr Geld ausgeben konnte - beginnt der Ölpreis in Maduros Amtszeit dramatisch zu sinken. Andere Industrie hat Venezuela aber kaum noch.

Katastrophale medizinische Versorgung und Hunger

Rund 70 Prozent aller Konsumgüter werden nicht im Land hergestellt, sondern müssen importiert werden, mit Geld, das das Land durch den Verkauf von Erdöl verdient. Die Folge: Leere Supermarktregale. Welche absurden Züge die Krise mittlerweile annimmt, sieht man beispielsweise an dem Mangel von Kondomen in Venezuela. Schon jetzt hat das Land eine der höchsten Raten an HIV-Neuinfektionen in Südamerika, diese könnten jetzt noch dramatisch steigen. Außerdem ist die medizinische Versorgung im Land katastrophal und die Menschen leiden Hunger.

Die Folgen: Proteste der Bevölkerung und die Abwahl der sozialistischen Regierungskoalition bei den Parlamentswahlen 2015. Maduro versucht seine Politik trotzdem fortzusetzen, hat das Parlament entmachtet und eine "Verfassunggebende Versammlung" ins Leben gerufen. Und all das, während große Teile seines Landes Hunger leiden.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich stand im ersten Absatz des Artikel "OECD-Land". Richtig ist OPEC-Land.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 04. August 2017 um 00:55 Uhr.

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