Ermittler in Schutzanzügen untersuchen die Gegend rund um das völlig ausgebrannte Autowrack, in dem Caruana Galizia ums Leben kam. | Bildquelle: REUTERS

Ermittlungen in Malta Anklage wegen Mordes an Journalistin

Stand: 06.12.2017 09:38 Uhr

Erst am Montag waren die Festnahmen, nun sind drei Verdächtige des Mordes an der Journalistin Galizia auf Malta angeklagt worden. Sie sollen den Anschlag Mitte Oktober auf die 53-Jährige ausgeführt haben. Sie starb durch eine ferngezündete Autobombe.

Nach dem Mord an einer regierungskritischen Journalistin auf Malta sind drei Verdächtige angeklagt worden. Ihnen wird unter anderem Mord und der Besitz von Sprengstoff vorgeworfen. Nach Ansicht des Gerichts sollen die drei Männer, unter ihnen zwei Brüder, den Anschlag mit einer Autobombe im Oktober ausgeführt haben. Ob sie einen Auftrag für die Tat von jemand anderem erhalten haben könnten, ist unklar. Die Männer plädierten vor Gericht auf nicht schuldig.

Die Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia wurde am 16. Oktober ermordet. Am Montag wurden zehn Verdächtige festgenommen. Laut Polizei sollen die restlichen sieben gegen Kaution freigelassen werden. Die drei Angeklagten müssen in Untersuchungshaft.

Kerzen und Blumen erinnern an die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia. | Bildquelle: REUTERS
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Die Journalistin Galizia hatte unter anderem über Korruption berichtet.

Bereits durch andere Taten polizeibekannt

Die angeklagten Männer sollen polizeibekannt und schon in frühere Straftaten verwickelt gewesen sein. Dazu gehören auch ein gescheiterter Banküberfall und ein versuchter Mord an einem Polizisten, wie die Zeitungen "The Malta Independent" und die "Times of Malta" berichteten. Den Verdächtigen werde nun unter anderem vorgeworfen, Material für den Bombenbau und Waffen besessen zu haben.

An den Ermittlungen auf Malta sind neben maltesischen Behörden auch Europol, das FBI und finnische Geheimdienstmitarbeiter beteiligt. Der Anschlag auf die Investigativjournalistin hatte weltweit für Empörung gesorgt und zu Anti-Korruptions-Demonstrationen auf der europäischen Mittelmeerinsel geführt. Zahlreiche europäischen Staaten forderten unabhängige Ermittlungen ein.

Die 53-jährige investigative Journalistin und Bloggerin hatte unter anderem von Korruption und krimineller Unterwanderung des Landes berichtet. Auch hatte sie die Regierung Maltas ins Visier genommen und über Offshore-Firmen von Regierungsmitarbeitern berichtet, unter ihnen auch Vertraute von Ministerpräsident Joseph Muscat. Mit ihren Enthüllungen hatte die 53-jährige Journalistin unter anderem für vorgezogene Neuwahlen auf Malta gesorgt. Nach ihrer Ermordung setzte Muscats Regierung eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise auf die Mörder der Journalistin aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Dezember 2017 um 04:00 Uhr.

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