Journalisten und Besucher sitzen bei einem Pressetermin in Boxen aus Plexiglas in der Lanxess-Arena | Bildquelle: picture alliance/dpa

Konzerte und Events Katerstimmung statt Partylaune

Stand: 07.07.2020 15:31 Uhr

Zwar dürfen etwas größere Konzerte allmählich wieder stattfinden, doch die strikten Hygienevorgaben machen Veranstaltern zu schaffen. Zudem verunsichern unterschiedliche Regeln die Besucher.

Von Iris Marx, tagesschau.de

Dieses Jahr hätte ein besonderes sein sollen: 35 Jahre Rock am Ring. Mit namhaften Bands wie Wanda, Bilderbuch oder Green Day hätte das eigentlich Anfang Juni am Nürburgring in Rheinland-Pfalz gefeiert werden sollen. Doch die Corona-Pandemie hat nicht nur Rock am Ring, sondern auch dem Southside-Festival im schwäbischen Neuhausen oder dem Hurricane Festival bei Hamburg vorerst den Stecker gezogen.

Für alle drei Veranstaltungen konnten Besucher ihre Tickets über die CTS Eventim kaufen. Ihr CEO Klaus-Peter Schulenberg hat entsprechend kein einfaches Jahr. Immerhin laufen kleinere Veranstaltungen jetzt wieder an, aber unter schwierigen Bedingungen.

Events, Tickets und Corona

In ganz Deutschland sind Großveranstaltungen mindestens bis zum 31. August 2020 verboten, teilweise bis Ende Oktober. Jedoch gibt es in den einzelnen Bundesländern kleinere Lockerungen mit strikten Hygienevorgaben.

Was passiert mit den Tickets?
Eintrittskarten für Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstigen Freizeitveranstaltung, die vor dem 8. März gekauft wurden und wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, dürfen als Gutschein erstattet werden - sofern das für den Kunden zumutbar ist. Aktuelle Tickets müssten bei erneuten Absagen erstattet werden.

Erste Veranstaltungen unter strikten Auflagen

Erste Konzerte gab es etwa in der Kölner Lanxess Arena. Allerdings nur mit einigen hundert Besuchern wegen der strikten Auflagen und Hygieneregeln. Die Mehrzweckhalle fasst sonst 18.000 Besucher. "Dennoch ist dies ein hoffnungsvolles Zeichen, dass es weitergehen wird", so Schulenberg zu tagesschau.de. "Kultur ist systemrelevant und nicht 'nice to have', und das habe ich gleich zu Beginn der Covid-19-Krise immer wieder ausdrücklich betont und hervorgehoben", sagt der Manager.

Der Großveranstalter gehört zur Spitze unter den Veranstaltern. 2019 machte Eventim noch 1,44 Milliarden Euro Umsatz. Doch dass die Corona-Durststrecke für einen Riesen wie Eventim besser zu stemmen sei, das hält der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) nicht für ausgemacht. "Große Veranstalter haben große Kosten, kleine haben kleine", sagt BDKV-Präsident Jens Michow zu tagesschau.de.

Veranstaltungen kaum wirtschaftlich

"Der Wirtschaftszweig liegt insgesamt völlig am Boden und sieht kein Licht am Ende des Tunnels", beklagt der Branchenexperte. Wann Veranstaltungen bundesweit wieder geplant werden können, sei derzeit nicht absehbar. Dies werde noch erschwert durch die in den 16 Bundesländern unterschiedlichen Veranstaltungsvorgaben, die keine einheitliche Tourneeplanung zuließen.

"Es macht mich ärgerlich, wenn ich in einer Hamburger Tageszeitung die Überschrift lese: 'Hamburg erlaubt Veranstaltungen mit bis zu 1000 Menschen.' Wenn man dann weiter liest, kommen die zahlreichen Einschränkungen: 'im Freien', 'mit festen Sitzplätzen', ansonsten sind auch im Freien nur bis zu 200 und in geschlossenen Räumen sogar nur 100 Personen erlaubt. Das erweckt den trügerischen Eindruck, dass auch die Veranstaltungsbranche auf dem Weg in die Rückkehr zur Normalität sei. Mit Normalität haben solche Veranstaltungen aber absolut gar nichts zu tun", sagt Michow.

Eine Milliarde Euro für den Neustart Kultur

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) räumt gegenüber tagesschau.de ein: "Ja, die Situation der Kreativen und der Kultur ist dramatisch. Die seelischen und wirtschaftlichen Probleme können wir nicht komplett lösen." Doch werde versucht, mit Geld die schlimmsten Folgen zu mildern, verspricht Grütters. Gemeint ist das Programm "Neustart Kultur", das eine Milliarde Euro für die Branche vorsieht.

Auch die Veranstaltungsindustrie profitiert aus dem Topf mit ungefähr 150 Millionen Euro. Zudem müssten aber auch die Länder nachsteuern, so Grütters: "Um die Folgen der Corona-Pandemie für die Kunst- und Kulturszene noch weiter abzumildern, sind ergänzende Maßnahmen der Länder - die ja laut Grundgesetz in erster Linie für die Kulturförderung verantwortlich sind - natürlich immer hilfreich."

Doch noch können die Veranstalter damit nicht rechnen. Ob das Geld für die massiven Ausfälle ausreicht? Laut Eventim-Chef Schulenberg sei das ungewiss.

Gesetzliche Gutschein-Lösung schwierig für Verbraucher

Zumindest die Regelung, dass Ticketkäufer für abgesagte Veranstaltungen grundsätzlich einen Gutschein akzeptieren müssen, wertet Groß-Veranstalter Schulenberg als wichtigen politischen Schritt. Die Regel gilt für Karten, die bis zum 8. März gekauft wurden. Allerdings muss es dem Verbraucher zumutbar sein. Er kann sonst auf die Erstattung bestehen. Und genau das hat in der Vergangenheit aber nicht optimal funktioniert.

"Selbst bei dieser vermeintlich klaren Rechtslage ist es für einige Verbraucher schwierig, ihr Geld zurückzubekommen, wenn der Gutschein tatsächlich nicht zumutbar ist", sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu tagesschau.de. Auch bei Verlegungen von Konzerten werden die Verbraucher häufig auf den Ersatztermin verwiesen und erhalten weder Geld noch Gutschein. Gerade Eventim bereite da Schwierigkeiten. "Wir haben die sogar schon abgemahnt", so Bradler. Das Problem bestehe bei den Gutscheinen vor allem darin, dass sie in einer Insolvenz - anders als zukünftig bei den Pauschalreisen - nicht besonders abgesichert sind.

Bei künftigen Absagen muss Veranstalter erstatten

Anders ist die Situation für den Verbraucher, wenn er jetzt Tickets für eine bevorstehende Veranstaltung erwirbt. Denn hier gilt die Gutschein-Regel nicht mehr. Dann muss erstattet werden, wenn die großen Festivals doch noch in eine Corona-Verlängerung über den 31. August hinaus geschickt werden.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

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