Screenshot EMC (Edlib Media Center): Es soll die Versorgung von Verletzten nach einem Chlorgasangriff auf die syrische Stadt Sarakeb zeigen.

Berichte aus Bürgerkriegsland Neuer Giftgasangriff in Syrien?

Stand: 05.02.2018 14:32 Uhr

In Syrien hat es in der Provinz Idlib möglicherweise einen erneuten Giftgas-Angriff gegeben. Übereinstimmende Berichte deuten auf einen Angriff mit Chlorgas auf die Rebellenhochburg Sarakeb hin.

Verlässliche Zahlen und Beweise gibt es bislang keine, doch die Berichte stimmen überein: Eine syrische Zivilschutz-Gruppe meldete einen Angriff mit Chlorgas in der Rebellenhochburg Sarakeb. Drei Helfer der sogenannten Weißhelme und sechs weitere Menschen hätten Verletzungen durch das Gas erlitten, teilte die Zivilschutz-Gruppe mit.

Die syrisch-amerikanische Ärzteorganisation SAMS sprach ebenfalls von Chlorgas, lediglich die Zahl der Verletzten variiert. SAMS erklärte, es seien elf Patienten mit Chlorgasvergiftungen in Krankenhäusern in der Provinz Idlib behandelt worden.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die die Lage aus dem Ausland durch Kontakte vor Ort verfolgt, sprach davon, dass mehrere Zivilisten nach einem Luftangriff der syrischen Regierung unter Atemnot gelitten hätten. Fünf Zivilisten seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem Hubschrauber der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad mehrere Viertel der Stadt Sarakeb angegriffen hätten. Ein "ekelerregender Geruch" habe sich nach dem Angriff ausgebreitet. Demnach berichteten Anwohner und Ärzte von einem "giftigen Gas".

Sarakeb liegt rund zehn Kilometer von der Frontlinie, an der sich Rebellen und Truppen der syrischen Regierung bekämpfen. Der Ort war am Wochenende Ziel heftiger Luftangriffe geworden. Syrische Regierungstruppen und deren Verbündete rücken in der Provinz vor, die überwiegend von Rebellen gehalten wird. Sie nähern sich einer wichtigen Fernstraße, die die Großstädte Damaskus und Aleppo verbindet. Laut UN sind in Idlib seit dem 15. Dezember durch die Regierungsangriffe mehr als 270.000 Menschen vertrieben worden. Chemiewaffen in Syrien - mehrfach nachgewiesen.

Chemiewaffen in Syrien - mehrfach nachgewiesen

Die Frage, ob und in welchem Umfang in Syrien Chemiewaffen eingesetzt wurden und werden, steht für heute auch auf der Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates. Ein US-Regierungsvertreter hatte am Donnerstag Assad sowie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beschuldigt, im Kampf gegen Rebellen "weiterhin Chemiewaffen" einzusetzen. Am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Jim Mattis gesagt, bei Angriffen in Syrien sei viele Male Chlorgas zum Einsatz gekommen. Am stärksten beunruhigt zeigte er sich aber über den mutmaßlichen Einsatz des geächteten Giftgases Sarin.

In den vergangenen Jahren gab es Berichte über Dutzende Chemiewaffen-Einsätze in Syrien. Einige von ihnen wurden inzwischen von UN-gestützten Inspekteuren verifiziert und der syrischen Regierung zugeschrieben. Diese bestreitet den Einsatz von Chemiewaffen allerdings.

Chlorgas als chemisches Kampfmittel

Chlor ist bei Raumtemperatur ein gelbgrünes Gas - und ein Lungenkampfstoff: Über die Haut, Schleimhäute und Augen aufgenommen, führt Chlorgas zu massiven Reizungen. Der Wirkstoff führt je nach Konzentration zu Hustenreiz, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz. Es besteht eine erhöhte Infarktgefahr. In höheren Konzentrationen kann das Gas beim Einatmen auch tödlich sein.

Betroffene Personen sollten sofort mit frischer Luft versorgt werden. Entsprechende Medikamente können mit Sauerstoff eingeatmet werden, um Schädigungen der Lunge, beispielsweise einem Lungenödem, vorzubeugen. Verunreinigte Kleidung ist abzulegen und kontaminierte Haut sollte sofort gründlich gereinigt werden - zur Not mir Wasser und Seife.

Möglicher Giftgasangriff in Syrien
Anna Osius, ARD Kairo
05.02.2018 12:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 05. Februar 2018 Deutschlandfunk um 03:00 und 04:00 Uhr in den Nachrichten sowie die tagesschau ab 05:30 Uhr.

Darstellung: