Sonnenschirme liegen am Strand von Lara auf leeren Strandliegen | Bildquelle: dpa

Länderübersicht Urlaub Corona als ständiger Reisebegleiter

Stand: 09.07.2020 15:29 Uhr

Das Reisen ist zwar wieder erlaubt, doch was passiert, wenn plötzlich die Covid-19-Infektionen - wie in Kroatien - wieder dramatisch ansteigen? Was sollten Urlauber jetzt wo beachten? Eine Übersicht.

Von Iris Marx, tagesschau.de

Reisen in Coronazeiten bergen je nach Urlaubsziel ganz eigene Abenteuer. Oft ist nicht klar, ob die Reise noch vertretbar ist, was vor Ort für Regeln gelten und vor allem: Was passiert, wenn vor Ort die Infektionen wieder hochgehen?

Grundsätzlich müsse das kein Grund sein, eine Reise abzusagen, sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott vom Deutschen Anwaltverein zu tagesschau.de. Es lohne sich immer, genau zu gucken, wo der Infektionsherd ist und wie die Lage insgesamt am Urlaubsort etwa vom Reiseveranstalter eingeschätzt wird. Wichtige Seiten, die man im Blick haben sollte, sind die des Auswärtigen Amts und vielleicht auch die Liste der sogenannten Risikogebiete nach der Einschätzung des Robert Koch-Instituts.

Aufpassen sollte man bei Reisen, die auf dieser Liste stehen deshalb, weil die meisten Bundesländer nach der Rückreise eine 14-tägige Quarantäne anordnen "oder man belegt durch einen Test, dass man negativ ist", so Degott. Den müsse man aber selbst zahlen. Zudem weist der Experte noch auf mögliche Probleme mit der Krankenversicherung hin. Falls man vor Ort in einem Risikoland erkrankt, kann es sein, dass die Krankenversicherung nicht zahlt. "Einige haben den Pandemiefall ausdrücklich ausgenommen", sagt der Anwalt. Auch hier lohne sich eine Abklärung, bevor man die Koffer packt. Es gibt jedoch weitere Dinge zu beachten.

Dänemark - Grenze offen für Übernachtungsgäste

Bislang ist Dänemark recht glimpflich durch die Krise gekommen. Nach den Informationen des Auswärtigen Amts gab es bisher nur einen regionalen Infektionsschwerpunkt in der Hauptstadt Kopenhagen.

Entsprechend hat das Auswärtige Amt nichts dagegen, wenn die Deutschen sich an Nord- oder Ostsee etwas frische Luft holen. Und die Dänen haben für die Deutschen ihre Grenzen wieder geöffnet. Deutschland wird als epidemiologisch sicher eingestuft, so lange hierzulande die Covid19-Infektionen nicht dramatisch ansteigen. Das dänische Statens Serum Institut aktualisiert seine Einschätzung wöchentlich. Urlauber müssen allerdings einiges beachten. So muss bei der Einreise die Buchung von mindestens sechs Übernachtungen etwa in einem Hotel oder Ferienhaus nachgewiesen werden. Das gilt auch für Übernachtungen bei Privatpersonen.

Außerdem: Alle, die bei der Einreise zu viel husten, fiebrig sind oder andere Anzeichen einer Covid19-Infektion zeigen, müssen aufpassen. Grenzbeamte dürfen im Einzelfall Urlauber abweisen.

Autos stehen vor dem Grenzübergang Krusau in Richtung Dänemark | Bildquelle: dpa
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An der dänischen Grenze kann es mitunter zu Wartezeiten kommen. Zwar sind Deutsche willkommen, aber stichprobenartige Gesundheitschecks sind zulässig. Mit Fieber einreisen könnte daher schwierig werden.

Griechenland - stichprobenartige Tests bei der Einreise

Auch Griechenland sei von Covid-19 relativ wenig betroffen. Ausnahmen gab es auch hier rund um die Hauptstadt Athen. Einreisen sind seit dem 01. Juli wieder möglich. Jeder muss sich aber 48 Stunden vorher online registrieren. Danach bekommt man einen QR-Code, der bei der Einreise vorzuzeigen ist. Je nachdem, woher der Urlauber kommt, werden stichprobenartig Tests durchgeführt. Bis das Ergebnis da ist, muss der Betreffende in Selbstisolation.

Es gelten grundsätzlich überall Hygiene- und Abstandsregeln - auch am Strand. Es gibt eine Maskenpflicht und auch Kapazitätsbegrenzung in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Italien - Anzeichen von Normalität im anhaltenden Notstand

Die Lage im einstigen Corona-Hotspot hat sich wieder etwas normalisiert. Selbst in den Hochburgen rund um die Lombardei, Piemont und Venetien. Dennoch gilt bis zum 31. Juli hier der Notstand.

Aber die Einreise aus Deutschland ist wieder möglich. Auch in Italien ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowie Einweghandschuhen vorgeschrieben. In der Lombardei sogar im gesamten öffentlichen Raum. Vor dem Eintritt in bestimmte Einrichtungen wie Museen oder Geschäfte wird auch gern mit einem Stirn-Scanner die Temperatur gemessen. Abstandsregeln gelten auch in Italien.

Junge Männer spielen Beach-Volleyball am Strand von Rimini | Bildquelle: dpa
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Guter Sport für die in Italien geltenden Abstandsregeln: Beach-Volleyball am Strand von Rimini

Kroatien - Urlaub trotz steigender Infektionszahlen

War Kroatien anfangs nicht besonders stark betroffen, nimmt das Infektionsgeschehen vor allem in den Ballungsräumen wie Zagreb oder Slawonien zu. Dennoch heißt das nicht, dass ein Urlaub hier per se nicht mehr möglich ist, sagt der Reiserechtsexperte Degott. "Wenn jemand kurz vor Reiseantritt bemerkt, dass in einem Land die Infektionszahlen wieder stark ansteigen, muss das nicht zwingend ein außerordentlicher Kündigungsgrund sein. Wenn in Zagreb die Zahlen hoch gehen, aber an der kilometerweit entfernten Küste nicht, sei das kein Grund, den Urlaub nicht anzutreten. Es reicht nämlich nicht ein dumpfes Angstgefühl in der Magengrube. "Reisende sollten sich daher mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen, um genau für seine Region eine Einschätzung zu bekommen. Diese Informationspflicht haben die", so Degott.

Auch in Kroatien ist der Mundschutz im öffentlichen Personennahverkehr vorgeschrieben und es gilt die 1,5-Meter-Abstandsregel.

Österreich - fast alle deutsche Urlauber dürfen rein

Auch hier steigen in bestimmten Regionen die Infektionszahlen wieder an. So etwa in Teilen Oberösterreichs. Aber die Einreise aus Deutschland ist wieder uneingeschränkt möglich. Es sei denn, man kommt aus Gütersloh. Bewohner des Kreises müssen einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen.

Hotels, Restaurants und andere touristische Einrichtungen sind zwar wieder offen, es gelten aber auch hier weiterhin Abstandsregeln und auch einen Mund-Nasen-Schutz sollten Urlauber immer griffbereit haben.

Portugal - keine Partys in Lissabon

Urlauber sollten bei Reisen nach Lissabon hellhörig sein. Hier steigen die Neuinfektionen nach Angaben des Auswärtigen Amtes wieder an.

Einreisebeschränkungen für Deutsche aus Deutschland gibt es nicht. Nur müssen alle Besucher ihre persönlichen Daten zum Zielort, Reisegrund und ihrer Erreichbarkeit angeben.

Bars und Diskos bleiben bis auf weiteres geschlossen. In Hotels und auf Campingplätzen kann es noch vereinzelt Beschränkungen geben. Die Strände sind offen.

Spanien - Sangria aus dem Eimer nur mit Mindestabstand

Das Auswärtige Amt stuft Spanien als eines der mit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern ein. Die Schwerpunkte liegen etwa in Madrid und Katalonien. Inzwischen sei die Situation aber im Griff. Der Alarmzustand ist seit dem 21. Juni aufgehoben. Dennoch sind einige Gebiete noch abgeriegelt. Das betrifft Orte in Katalonien, Galizien und Aragon.

Bis auf diese Gebiete können Deutsche einreisen. Ballermann-Fans dürfen aufatmen: Auch Mallorca ist wieder offen. Vor der Einreise muss ein Formular im Spain Travel Health-Portal ausgefüllt werden. Der damit erzeugte QR-Code ist bei der Einreise vorzulegen.

Im Land gilt die Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes an allen öffentlichen Orten, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Türkei - kein grünes Licht vom Auswärtigen Amt

Für die Türkei besteht nach wie vor eine ausdrückliche Reisewarnung. Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem an der türkischen Riviera Urlaub machen darf. "Man muss allerdings damit rechnen, dass es dann bei der Rückreise nach Deutschland Probleme geben kann", sagt der Reiseexperte Degott. Manche Bundesländer sehen in ihren Eindämmungsverordnungen vor, dass Rückkehrer aus sogenannten Risikogebieten sich zwei Wochen in eine freiwillige Quarantäne begeben müssen. So regelt es etwa Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Wen das nicht abschreckt: Die türkischen Grenzen stehen Deutschen jedenfalls offen. Bei der Einreise wird aber die Temperatur gemessen. Bei Auffälligkeiten kann auch getestet werden.

Im Land gilt für Menschen über 65 Jahre eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis morgens 10 Uhr. Auf öffentlichen Plätzen und auch in Bussen und Bahnen ist der Mundschutz Pflicht. Es gelten zudem drei Schritte Abstand.

Fernreisen - die meisten sollten noch Fernziele bleiben

Wen es ganz weit raus zieht, der sollte sich über die Seite des Robert Koch-Instituts genau die Liste der sogenannten Risikoländern ansehen. Viele Ziele wie Sri Lanka, Südafrika, Mexiko oder Brasilien stehen darauf, auch die USA. Für diese Länder gilt - ähnlich wie für die Türkei und aber auch Schweden - eine allgemeine Reisewarnung mit der Folge, dass die Einreise problematisch werden kann.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. Juli 2020 zwischen 22:47 Uhr und 22:51 Uhr und am 09. Juli 2020 um 16:56 Uhr.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

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