Kind mit Cholera-Verdacht im Jemen wird untersucht | Bildquelle: AFP

Cholera-Epidemie im Jemen "Der vermutlich schlimmste Ort für Kinder"

Stand: 09.06.2017 09:59 Uhr

Mehr als 100.000 Menschen haben sich laut den Vereinten Nationen seit Ende April im Jemen mit Cholera angesteckt. Fast 800 Infizierte starben an der hoch ansteckenden Magen-Darm-Krankheit, die durch verschmutztes Wasser oder Essen übertragen wird.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Die Vereinten Nationen haben die Welt erneut eindringlich gewarnt: Die Cholera-Epidemie im Jemen nehme laut der UN-Helfer immer verheerende Züge an. Mehr als 100.000 Menschen seien mittlerweile infiziert, 40 Prozent davon Kinder.

Kinder leiden am meisten

Es gebe immer mehr Verdachtsfälle. Tag für Tag kämen 3000 bis 5000 neue Verdachtsfälle hinzu, so der UNICEF-Koordinator in einer Pressekonferenz in New York. Sollte die Weltgemeinschaft jetzt nicht sofort gemeinsam handeln, könnten demnächst bereits 300.000 Menschen an der Cholera erkrankt sein.

Es gebe auf der Welt für Kinder derzeit vermutlich keinen schlimmeren Ort als den Jemen, um aufzuwachsen, sagte Geert Cappelaere, beim Kinderhilfswerk UNICEF zuständig für das Land.

Gesundheitssystem durch Bürgerkrieg zusammengebrochen

Im Jemen sind nahezu sämtliche staatlichen Strukturen zusammengebrochen, seitdem im ohnehin ärmsten Land der arabischen Halbinsel ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Der amtierende Präsident des Jemen wird in seinem Kampf gegen die Huthi-Rebellen von einer durch Saudi-Arabien angeführten Koalition unterstützt. Die Rebellen wiederum erhalten Hilfe durch den Iran.

Der UN-Nothilfekoordinator hatte gerade erst im Sicherheitsrat erklärt, die Welt schaue zu, wie ein Land untergehe. Die Hälfte des Gesundheitssystems ist zusammengebrochen, nach Angaben von UNICEF gäbe es schon heute ohne die Unterstützung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen keine funktionierende Gesundheitsversorgung mehr in dem Land.

UN warnen vor immer mehr Cholera-Opfern im Jemen
G. Schwarte, ARD New York
09.06.2017 09:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2017 um 17:24 Uhr.

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