Michail Chodorkowski | Bildquelle: REUTERS

Kremlkritiker erneut im Visier der Justiz Russland wirft Chodorkowski Mord vor

Stand: 11.12.2015 16:11 Uhr

Kreml-Kritiker Chodorkowski bekommt neuen Ärger mit der russischen Justiz: Die Moskauer Ermittlungsbehörde wirft ihm vor, 1998 den Mord an einem Bürgermeister "organisiert" zu haben. Chodorkowski, der im Exil lebt, weist die Vorwürfe zurück.

Die russische Justiz will den Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski wegen eines Mordfalls aus dem Jahr 1998 anklagen. Der ehemalige Oligarch werde beschuldigt, den Mord am Bürgermeister der sibirischen Stadt Neftejugansk "organisiert" zu haben, teilte das einflussreiche Ermittlungskomitee in Moskau mit. Die geplante Anklage stütze sich auf neue Erkenntnisse der Ermittler.

Der Fall um den erschossenen Bürgermeister Wladimir Petuchow galt eigentlich als abgeschlossen. Der Funktionär soll damals mit Chodorkowskis Yukos-Konzern im Streit um Steuerzahlungen gelegen haben. Neftejugansk galt als wichtiger Standort des inzwischen zerschlagenen Yukos-Konzerns.

Zudem werde Chodorkowski vorgeworfen, auch 1999 einen Anschlag auf einen Manager von einem Öl-Unternehmen in Auftrag gegeben zu haben. Dabei war ein Sicherheitsmann getötet worden. Chodorkowski werde zur Fahndung ausgeschrieben, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde.

Weitere Vorwürfe gegen den Kreml-Kritiker

Gestern war bekannt geworden, dass die russische Justiz auch Ermittlungen wegen angeblich extremistischer Äußerungen führt. Chodorkowski habe öffentlich zu einer Revolution in Russland aufgerufen, sagte eine Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft. Bei einer Pressekonferenz am Vortag habe er Parlament und Präsident als illegitim bezeichnet.

Chodorkowski spricht von "Farce"

Eine Sprecherin von Chodorkowski erklärte, er habe "keine Angst, dass er ausgeliefert werden könnte", wie die Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete. Sie hob gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auch hervor, dass Chodorkowski nicht auf die Fragen des Ermittlungskomitees antworten werde. Er werde sich nicht "an dieser Farce" beteiligen. Die neuen Schritte der russischen Justiz nannte sie "illegal".

Chodorkowski war im Jahr 2003 in Russland festgenommen und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt worden. Ende 2013, wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi, wurde Chodorkowski überraschend von Russlands Präsident Wladimir Putin begnadigt. Seitdem lebt der 52-Jährige in der Schweiz.

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