Angus Deaton | Bildquelle: AFP

Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften Wer ist Angus Deaton?

Stand: 12.10.2015 17:37 Uhr

Was macht Menschen glücklich? Dieser Frage hat sich Angus Deaton nicht philosophisch, sondern aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht genähert. Er bekommt für seine Forschungen den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Wer ist der Mann?

Von Gabi Biesinger, ARD-Hörfunkstudio London

Schlohweißes Haar, ein rundes Gesicht mit Brille, freundliche Augen: ein Professor aus dem Bilderbuch, wie Kinder ihn malen würden. Angus Deaton trägt gerne Fliege und wird in wenigen Tagen 70 Jahre alt. Der Nobelpreis ist sicher die renommierteste, aber bei weitem nicht die erste Auszeichnung, die der gebürtige Schotte erhält.

Angus Deaton forscht und lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton. Sein Themengebiet: die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück. In einem Vortrag vor zwei Jahren erklärte Deaton: "Keine zwei Leute können sich wohl darüber einigen, was glücklich sein bedeutet, obwohl jeder denkt, er weiß es. Im wissenschaftlichen Bereich gibt es da inzwischen großes Forschungsinteresse, das zur Ökonomie des Glücks geführt hat. Bis vor nicht allzu langer Zeit war Glück kein seriöses Wissenschaftsthema, die Leute waren glücklich oder nicht, aber keiner ging diesem Zustand systematisch nach. Das hat sich geändert."

"Geld macht glücklich - aber nur bis zum gewissen Grad

Geld mache glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand Deaton im Jahr 2010 zusammen mit Kollegen heraus. Das Interesse an der Beschäftigung mit dem Thema Glück habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton einmal in einem Interview. Seine Schwester und er waren demnach die ersten in der Familie, die auf die Universität durften.

Deaton studierte Wirtschaftswissenschaften an der Cambridge University und erhielt dort 1974 den Doktortitel. Dann lehrte er zunächst in Cambridge und Bristol. Nach Princeton war er bereits 1979/80 als Gastdozent gekommen. Inzwischen hat Deaton sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Ökonom Deaton mit Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2015, Ina Ruck, ARD Washington

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Kritik an westlicher Entwicklungshilfe

Einer seiner aktuellen Forschungsschwerpunkte ist das Schwellenland Indien. Er geht der Frage nach, wie sich Armut wissenschaftlich fassen und messen lässt. Dabei geht er auch kritisch mit der Entwicklungshilfe durch westliche Länder ins Gericht. Vor zwei Wochen sagte Deaton dem Schweizer Fernsehen SRF in einem Interview: "Ich sage nicht, dass jede Entwicklungshilfe Schaden anrichtet. Aber in den Ländern, die zu einem überwiegenden Teil durch Entwicklungshilfe von außen am Leben gehalten werden - und in Afrika sind das einige - ist das kontraproduktiv für das Verhältnis zwischen Regierung und Bevölkerung. Die Regierung bekommt ihr Geld geliefert und muss sich überhaupt nicht darum kümmern, was die Bevölkerung will."

Vor zwei Jahren machte Deaton mit einem Buch Furore: Der Titel: "The Great Escape: Health, Wealth, and the Origins of Inequality" - "Die große Flucht: Gesundheit, Wohlstand und die Ursachen sozialer Ungleichheit." Im Rückblick auf die vergangenen 250 Jahre beschrieb der Ökonom darin, wie bessere medizinische Versorgung, bessere Versorgung mit Nahrung und sauberes Wasser auf der einen Seite aber auch Missernten und Aids-Infektionen auf der anderen Seite, die Entwicklung der USA geprägt haben. Die größte Wirtschaftsmacht der Welt muss mit geringerem Wachstum und zunehmender Ungleichheit klarkommen. "Die Fortschritte, die wir gemacht haben, haben gleichzeitig zu größerer sozialer Ungerechtigkeit geführt. Leute werden abgehängt. Und die, die es geschafft haben, ziehen die Leitern hoch, damit niemand nachrücken kann. Das ist das, was heute in den USA passiert."

Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2015 geht an Angus Deaton
Norbert Hansen, ARD Stockholm
12.10.2015 17:17 Uhr

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