Haiti | Bildquelle: REUTERS

Klima-Risiko-Index 2017 vorgestellt Extremwetter trifft vor allem arme Länder

Stand: 08.11.2016 15:52 Uhr

Überschwemmungen, Erdrutsche, Hitzewellen und andere Wetterextreme verwüsten vor allem Entwicklungsländer. Die Schäden sind enorm. Das zeigt auch der aktuelle Globale Klima-Risiko-Index. Doch: Auch Industrieländer bleiben nicht verschont.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika, zzt. in Marrakesch

"Wir sehen, dass in der Kurzfrist-Komponente vor allem afrikanische Länder betroffen waren. Mosambik, Malawi, Madagaskar: All diese Länder sind von Überflutung betroffen, und das ist ein Extrem-Wetterereignis, das durch den Klimawandel verstärkt wird." Klimareferent Sönke Kreft von Germanwatch erläutert der Weltpresse den jüngsten Klima-Risiko-Index. Er ist auch für Laien leicht zu verstehen und besteht aus zwei Tabellen: Eine für das vergangene Jahr und eine, die einen Überblick über die vergangenen 20 Jahre liefert.

Honduras, Myanmar und Haiti besonders betroffen

In der langfristigen Übersicht liegen weiter südasiatische und mittelamerikanische Länder an der Spitze: Honduras, Myanmar und Haiti sind auf 20 Jahre gesehen am schlimmsten von Wetterextremen heimgesucht worden, sagt Kreft. Aber unabhängig von der geografischen Lage sei nahezu allen betroffenen Ländern eines gemeinsam: "Neun von zehn Ländern sind besonders arme Länder und das zeigt, dass gerade Entwicklungsländer von Klimawandel-Risiken besonders betroffen sind", sagt Kreft.

Der Klima-Risiko-Index von Germanwatch stützt sich auf Daten der Versicherungswirtschaft, der Munich Re sowie des Weltwährungsfonds. Erfasst werden Todesopfer im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße sowie die Wirtschaftsschäden, die die Unwetter angerichtet haben.

So kommt es, dass ein Land wie Indien mit mehr als 4000 Unwettertoten in der Tabelle hinter Mosambik auftaucht. Dort starben 350 Menschen. 111 Menschen starben in den Fluten in Malawi, die Schäden von 2015 seien noch längst nicht beseitigt, berichtet die Delegierte Tawonga Mbale vom malawischen Umweltministerium : "Eine Million Leute wurden obdachlos, wir hatten große Verluste an Infrastruktur, ganze Schulen wurden davongespült, es gab auch Tote. Wir waren wirklich geschlagen, der Gesamtschaden wird auf 335 Millionen Dollar geschätzt", sagte sie. Hinter den erschreckenden Zahlen verbergen sich menschliche Schicksale, macht Tawonga Mbale deutlich.

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Auch Industriestaaten nicht verschont

Die Wetter-Schläge treffen jedoch nicht nur die armen Staaten. In Frankreich kamen mehr als 3000 Menschen wegen der Hitzewelle um, Platz 16 im Risiko-Index. Deutschland lag 2015 auf Platz 64 des Risiko-Indexes mit 18 Toten.

Sönke Kreft sagt, auch die reichen Länder müssten erkennen, dass sie Vorsorge treffen müssten: "Es ist einfach wichtig zu sehen, dass Klimawandelauswirkungen nicht nur Entwicklungsländer betreffen, sondern auch Industrieländer. Wenn zum Beispiel auch inDeutschland über Klimaschutz diskutiert wird, auch die eigene Verwundbarkeit entsprechend reflektiert wird."

Kreft räumt ein, dass einzelne Wetterereignisse nicht direkt in Beziehung zum Klimawandel gesehen werden können. Wohl aber die Häufung der Katastrophen - etwa auf den kleinen Inselstaaten wie Tuvalu oder Vanatu. "Eine zweite Kategorie sind die kleinen Inselstaaten, und die spielen eine wichtige Rolle hier bei den Klima-Verhandlungen", sagt er.


Versicherung gegen Klimaschäden?

Bei den Verhandlungen soll auch über Schadenersatz gesprochen werden sowie eine Versicherung gegen Klimaschäden. In Afrika gibt es bereits Ansätze für eine Dürreversicherung. Aber ausgerechnet Dürren schlagen sich erst nach langer Verzögerung nieder im Risiko-Index: "Afrika ist besonders von Dürre betroffen, aber die wird von uns nicht erfasst, weil Dürren sich erst mit Verzögerung auswirken. Letztes Jahr gab es dann Überflutung, damit gehörten sie zu den meist betroffenen Ländern", so Kreft.

Klimarisikoindex: Afrika rückt nach oben
S. Ehler, ARD Rabat
08.11.2016 14:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2016 um 16:00, 18:00 und 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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