König Salman von Saudi Arabia | Bildquelle: AP

Nach Protesten gegen Hinrichtung Saudi-Arabien bricht Beziehung zum Iran ab

Stand: 03.01.2016 21:46 Uhr

Nach Protesten gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr durch Saudi-Arabien hat die Regierung in Riad die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Alle iranischen Diplomaten müssten binnen 48 Stunden das Land verlassen.

Saudi-Arabien bricht nach dem eskalierten Streit um die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen seine diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Das kündigte Außenminister Adel al-Dschubair nach Angaben arabischer Medien in Riad an. Das Botschaftspersonal sei aus Teheran abgezogen. Die diplomatische Mission des Iran wurde aufgefordert, das Königreich innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet."

Spannungen durch Massenhinrichtung verschärft

Saudi-Arabien hatte bei einer Massenhinrichtung von 47 Menschen wegen Terrorismusvorwürfen am Samstag auch den bekannten schiitischen Kleriker Nimr al Nimr exekutiert. Dies verschärfte die Spannungen zwischen beiden Staaten massiv.

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, reagierte empört. Die saudischen Führer würden "die Rache Gottes spüren", drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei.

In der Nacht zum Sonntag stürmten iranische Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran, setzten Teile des Gebäudes in Brand und verwüsteten Büros. Dieser Angriff sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte al-Dschubair. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Saudi-Arabien wird seinen Weg, Terrorismus zu vernichten, weitergehen", kündigte al-Dschubair an.

Wütende Demonstranten stürmten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran. | Bildquelle: dpa
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Wütende Demonstranten stürmten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran.

Al Nimr 2014 zum Tode verurteilt

Der 55-jährige Al Nimr war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Im Oktober 2014 wurde al Nimr in Saudi-Arabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt.

Iran und Saudi-Arabien haben Schlüsselrolle

Der Iran und Saudi-Arabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten.

Hintergrund: Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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Nach der Hinrichtung Al Nimrs, der lange Zeit im Iran lebte und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit anprangerte, flammten Proteste unter Schiiten in anderen Ländern auf. Im Irak gingen in der Provinz Al-Wasit Hunderte auf die Straße und forderten die Schließung der saudischen Botschaft in Bagdad. Auch in Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs demonstrierten insgesamt Tausende gegen die Hinrichtung des 55-jährigen Geistlichen.

EU reagierte besorgt

Die EU, UN und die USA hatten sich am Wochenende besorgt über die jüngste Entwicklung gezeigt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon zeigte sich "zutiefst bestürzt" und äußerte "ernsthafte Zweifel an der Art der Strafen und der Fairness der Verfahren" in Saudi-Arabien.

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