Blick durch Stacheldraht auf türkische Seite Zyperns. | Bildquelle: AP

Geteiltes Zypern "Letzte Chance auf Wiedervereinigung"

Stand: 12.01.2017 19:43 Uhr

Die Erwartungen an die Zypern-Gespräche in Genf sind hoch: "Das ist die letzte Chance zur Wiedervereinigung", sagt EU-Kommissionschef Juncker. Doch UN-Generalsekretär Guterres mahnt, es gebe keine rasche Lösung für die seit 43 Jahren geteilte Insel.

Nach 43 Jahren soll Zypern wieder ein Staat werden. Dafür verhandeln derzeit in Genf die Führer des türkischen und des griechischen Teils der Mittelmeerinsel über eine Wiedervereinigung. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Einigung der beiden Volksgruppen. Nach dreitägigen Vorgesprächen zwischen dem griechisch-zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades und dem türkisch-zyprischen Volksgruppenführer Mustafa Akinci sind die Verhandlungen möglicherweise in die entscheidende Runde gegangen.

Einzig geteiltes Land in Europa

Die Erwartungen sind hoch: "Dies ist die letzte Chance, für die Zyprioten und damit auch für Europa, zur Wiedervereinigung zu kommen. Deshalb muss man sich intensiv auf das konzentrieren, was hier zu leisten ist", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Interview mit der ARD. Die Union beteiligt sich als Vermittler an den Gesprächen - auch für sie wäre eine Wiedervereinigung bedeutend. "Zypern ist das einzig geteilte Land, das wir als Mitgliedsland in der Europäischen Union haben. Das ist ein Land zu viel. Es wird Zeit nach so langer Trennung wieder zusammenzufinden", sagt Juncker.

Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident, zur Zypern-Konferenz
12.01.2017

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Guterres: "Keine schnelle Lösung in Sicht"

UN-Generalsekretär António Guterres warnte aber vor zu hohen Erwartungen. "Man kann keine sofortigen Lösungen erwarten. Wir suchen eine stabile und nachhaltige Lösung für die Republik Zypern", sagte der Portugiese. Die Gespräche seien erst am Ausgangspunkt. Er hoffe auf einen Durchbruch im weiteren Verlauf. Beide Seiten hätten bereits erhebliche Fortschritte erzielt, was das künftige Territorium der beiden Staatsteile und die Besitzansprüche von Vertriebenen auf beiden Seiten der geteilten Insel angehe. Er glaube daran, dass Zypern eine Hoffnungssymbol in der Welt zu Beginn von 2017 sein könne.

Ziel ist eine Föderation aus einem türkischen und einem griechischen Teilstaat. Anastasiades und Akinci sitzen seit Montag in Genf zusammen, um die offenen Streitpunkte auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung der Insel beizulegen. Seit der türkischen Invasion in Nordzypern 1974 ist die Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil geteilt. Während der international anerkannte griechische Teil EU-Mitglied ist, wird die Türkische Republik Nordzypern nur von der Türkei als Staat anerkannt.

António Guterres, UN-Generalsekretär, zu einer Wiedervereinigung Zyperns (engl.)
12.01.2017

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Hauptstreitpunkte: Sicherheit und Grenzen

Für eine Wiedervereinigung müssen die Garantiemächte eine Einigung darüber erzielen, wie die Sicherheit in Zypern organisiert und von wem sie überwacht werden kann. Streitpunkt ist die Zukunft der mehr als 35.000 türkischen Soldaten auf der Insel. Die griechischen Zyprer betrachten sie als Bedrohung und fordern ihren Abzug.

Neben dem Thema Sicherheit ist einer der Hauptstreitpunkte die Grenzziehung der künftigen Föderation. Anastasiades und Akinci tauschten am Mittwoch Landkarten aus, in denen ihre Vorschläge für die griechischen und türkischen Landesteile festgehalten sind.

Für den Fall, dass tatsächlich ein fertiges Abkommen zustande kommt, müssten darüber noch die türkischen und griechischen Zyprer in einem Referendum abstimmen.

Mit Informationen von Wolfgang Wanner, ARD-Studio Genf

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

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