Dosen mit Erfrischungsgetränken in einem britischen Supermarkt. | Bildquelle: AFP

Steuer in Großbritannien Zu viel Zucker kostet extra

Stand: 06.04.2018 11:38 Uhr

Die Briten lieben Softdrinks. Die Folgen: Übergewicht und Zahnschäden. Eine Zuckersteuer auf Limonaden soll das ändern. Doch Ernährungsexperten reicht das nicht.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Es ist ein Geräusch, das die Briten so richtig lieben: Wenn die Dose sich öffnet und das zuckrigsüße Getränk sprudelnd der Dosenkante entgegenrinnt, dann geht nicht nur der Mund, sondern auch das Herz auf im Vereinigten Königreich.

Rhiannon zum Beispiel ist 21 Jahre jung und liebt Holunderlimonade. Drei bis vier davon trinkt sie am Tag, und sie will sich da auch keine Vorschriften machen lassen. Das sei doch die persönliche Freiheit der Leute, ob sie gesund leben und Wasser trinken oder was mit Zucker.

Aber die Briten ernähren sich zu süß. Fast ein Drittel der Kinder zwischen zwei und 15 Jahren ist übergewichtig, hat die Regierung festgestellt, sogar mehr als die Hälfte ist es bei den Erwachsenen. Deshalb rückt die Regierung dem Hang zum Zucker jetzt mit einer Zuckersteuer für Softdrinks zu Leibe. Fünf Gramm Zucker in 100 Millilitern Getränk kosten künftig 18 Pence Steuer, bei mehr als acht Gramm sind es sogar 24 Pence.

Zahnimplantate mit 14

Wird auch höchste Zeit, sagen zum Beispiel die Zahnärzte. Sie habe 14-jährige Patienten gehabt, denen sie bleibende Zähne ziehen musste, berichtet die Zahnärztin Claire Stevens, meistens wegen der vielen Limonaden. Diese Kinder bräuchten schon richtige Zahnimplantate.

Manchmal, sagt Stevens, sei es aber auch einfach schon zu spät. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich bei einem Zweijährigen alle 20 Zähne ziehen muss", sagt sie. "Bei den Zähnen wurde der Zeitpunkt für eine Bearbeitung schon verpasst, das sind schwarze Stümpfe bis auf das Zahnfleisch, da können auch verschiedene Infektionen im Mund des Kindes entstanden sein." Das zu sehen, sei "herzzerreißend".

Großbritannien führt Zuckersteuer für Getränke ein
tagesschau 12:00 Uhr, 06.04.2018, Hanni Hüsch, ARD London

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Ernährungsexpertin fordert Werbeverbot

Die Zuckersteuer allein reicht aber längst nicht, sagt Caroline Cerny von der Obesity Health Alliance, einem Verband, der gegen das Übergewicht in der Gesellschaft kämpft. Sie fordert ein Werbeverbot für süßen Kram vor allem in Fernsehsendungen, die Kinder und Jugendliche sehen: "Wenn Sie sich anschauen, welche Fernsehprogramme Kinder gern sehen, dann sind das Sendungen wie 'The Voice' und die 'Simpsons'. Wir haben festgestellt, dass da 60 Prozent Werbung für Junk Food gezeigt wird", erklärt Cerny. "Deshalb hätten wir gern ein Verbot von Junk-Food-Werbung bis neun Uhr abends."

Immerhin: Die ersten Limo-Hersteller haben bereits ihre Rezepte geändert und ihren Zuckergehalt so weit gesenkt, dass er unterhalb der Zuckersteuergrenze liegt. Ziel erreicht, Regierung glücklich, könnte man meinen, allerdings bringt das nun auch weniger Geld in die Staatskasse.

Ursprünglich hoffte die Regierung auf umgerechnet rund 600 Millionen Euro, die in Schulsport und gesundes Schulfrühstück gehen sollten. Diese Erwartungen wurden inzwischen auf etwa die Hälfte heruntergeschraubt.

Großbritannien führt die Zuckersteuer ein
Thomas Spickhofen, ARD London
06.04.2018 10:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2018 um 11:00 Uhr.

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