Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa

Zuckerberg zu Datenskandal "Das war ein großer Vertrauensbruch"

Stand: 22.03.2018 06:45 Uhr

Nach langem Schweigen hat Facebook-Chef Zuckerberg sein erstes Interview zum Datenskandal gegeben. Das Vertrauen der Nutzer sei verletzt worden, sagte er - und gab einen großen Fehler zu.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Dass Mark Zuckerberg TV-Interviews gibt, ist eine Seltenheit. Doch dieses Mal musste er sich den Fragen stellen. Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat sein Netzwerk in die schwerste Krise seit Gründung im Jahr 2004 gestürzt. Der 33-Jährige gab sich demütig. Und: Der Stress der vergangenen Tage war ihm an den Augenringen deutlich anzusehen.

"Das war ein großer Vertrauensbruch", sagte er. "Ich bedaure das sehr. Unsere Aufgabe ist es, die Daten unserer Nutzer zu schützen. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir es nicht verdient, den Menschen zu dienen."

"Diesen Fehler dürfen wir nicht nochmal machen"

Künftig werde Facebook die Daten seiner Nutzer besser schützen, versprach er. Eine der zentralen Fragen der vergangenen Tage war: Weshalb hat Facebook die Datenschieberei nicht öffentlich gemacht, als das Unternehmen im Dezember 2015 davon erfahren hatte? Antwort Zuckerberg: Im Nachhinein sei es ein Fehler gewesen. Er habe Cambridge Analytica geglaubt. "Ich bin es gewohnt, rechtlich bindenden Erklärungen zu vertrauen", sagte er. "Diesen Fehler dürfen wir nicht nochmal machen. Deshalb werden wir jetzt jede App genau untersuchen, die Zugang zu großen Datenmengen hatte."

Alle Nutzer, deren Daten auf die Server von Cambridge Analytica gelangt seien, sollen informiert werden, kündigte der Facebook-Chef an. Außerdem wolle er die Apps von Drittanbietern stärker beschränken. Sie sollen künftig nur noch auf Name, Email-Adresse und Profil-Foto zugreifen dürfen.

Kritik von Datenschützern

Doch für die Electronic Frontier Foundation (EFF) in San Francisco, einer der wichtigsten Datenschutzorganisationen in den USA, gehen die von Zuckerberg angekündigten Maßnahmen nicht weit genug. Sie kritisiert vor allem, dass Zuckerberg und sein Unternehmen die Nutzer nicht schon vor drei Jahren informiert habe.

"Die neuen Dinge, die am vergangenen Wochenende bekannt wurden, stammen von einem Whistleblower", sagt Datenschützerin Gennie Gebhardt von der EFF. "Wir sollten nicht von einem Whistleblower erfahren, dass unsere Privatsphäre von der Plattform verletzt wurde, der wir zunächst vertraut haben."

Schwer, sich von diesem Skandal zu erholen

Vertrauen ist das wohl wichtigste Wort in der ganzen Affäre. Gennie Gebhardt sagt, Zuckerberg bitte in seiner Erklärung die Nutzer darum, ihm und seinem Unternehmen weiterhin zu vertrauen, indem man alle Fehler wieder gut mache. "Eine der wichtigsten Lehren aus dem Skandal um Cambridge Analytica ist doch, dass es den Nutzern vor Augen geführt hat, dass man Facebook eben nicht vertrauen kann. Wir brauchen Transparenz, Verantwortung und unabhängige Überprüfungen."

Viele Facebook-Nutzer fühlten sich betrogen und hilflos. "Man muss sich nur einmal das ganze Menü mit den Privatsphäre-Einstellungen ansehen. Da fragt man sich, was sie alles bedeuten." Ansehen und Reputation seien für Facebook jetzt enorm wichtig - deshalb werde es das Unternehmen schwer haben, sich von diesem Skandal zu erholen.

Facebook-Chef Zuckerberg machte im CNN-Interview dazu einen ersten Schritt. Am Ende des Gesprächs wurde er emotional, seine Stimme zitterte. Früher habe er mit Facebook die Welt verbessern wollen. Doch seit er Vater von zwei Töchtern sei, lasse er sich abends, wenn er nach Hause komme, von der Frage leiten, ob seine beiden Mädchen stolz darauf sein könnten, was er tagsüber im Büro zustande gebracht habe.

Datenaffäre bei Facebook: Zuckerberg räumt Fehler ein
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
22.03.2018 07:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete das morgenmagazin am 22. März 2018 um 05:38 Uhr.

Darstellung: