Anti-Balaka-Kämpfer in der Zentralafrikanischen Republik | Bildquelle: AFP

Zentralafrikanische Republik Reich an Diamanten, aber trotzdem arm

Stand: 22.08.2017 12:03 Uhr

Die Zentralafrikanische Republik ist trotz reicher Rohstoffvorkommen eines der ärmsten Länder der Welt. Seit Jahren tobt dort ein Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen. Der Kampf um Diamanten heizt den Konflikt immer wieder an.

Von Bettina Rühl, ARD-Studio Nairobi

Ein paar junge Männer und Kinder stehen in einer mannshohen Grube, wühlen das Erdreich mit ihren Schaufeln um. Sie arbeiten barfuß und mit halb zerrissener Kleidung: Serge Benisounga trägt ein ausgeleiertes rosa T-Shirt mit großen Löchern an den Schultern. Benisounga ist Schürfer, sucht nach Diamanten. Er erzählt:

"Ich grabe hier jeden Tag, von morgens bis zum Nachmittag. Früher haben uns die Muslime Geld dafür gegeben, dass wir für sie in den Minen nach Diamanten suchen. Aber sie haben uns nicht gut bezahlt und nicht gut behandelt. Sie haben uns ausgenutzt. Je größer die Diamanten waren, die wir fanden, desto mehr haben sie uns ausgenommen."

Serge Benisoungas T-Shirt ist vom Schweiß ganz nass, die anderen Schürfer arbeiten zum Teil mit nacktem Oberkörper. Dass sie Millionenwerte aus der Erde holen, sieht man ihnen nicht an.

Christliche Milizen kontrollieren Minen im Südwesten

Bis 2013 war der Verkauf von Diamanten eine der wichtigsten Einnahmequellen der Zentralafrikanischen Republik. Dann begann der Bürgerkrieg. Der Konflikt wird durch die Diamanten geschürt. Auch in Boda, einer Stadt im Westen des Landes. "Sobald ein Muslim eine unserer Minen betritt, werden wir ihn töten", sagt Komali Pribise. Er gehört zur christlichen Anti-Balaka-Miliz. Deren Kämpfer haben im Südwesten des Landes schon im Jahr 2014 alle Diamantenminen übernommen.

Vertriebene Muslime in der Stadt Bangassou im Südosten des Landes | Bildquelle: AFP
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Vertriebene Muslime in der Stadt Bangassou

Schmuggel nach Kamerun

Lewis Mudge arbeitet für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Ein kleiner Teil der Diamanten wird mittlerweile legal gehandelt, aber der Großteil wird nach Kamerun geschmuggelt. Aber zumindest im Südwesten des Landes schüren die Diamanten keine Gewalt mehr - ganz einfach, weil fast alle Muslime aus der Gegend geflohen sind", sagt er.

Bis dahin hatten Muslime den Diamantenbergbau und den Handel mit den Edelsteinen zu 90 Prozent in der Hand - jedenfalls in dieser Region. Jetzt wird der Diamantenhandel im Westen der Zentralafrikanischen Republik von christlichen Milizen kontrolliert und im Osten von muslimischen. Und die versuchen weiterhin, jede Schwäche des Gegners zu nutzen, ihren Einfluss auszudehnen. Über eine halbe Million Menschen wurde bereits vertrieben. Sie werden so gut es geht von den Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen versorgt.

Regierung ist angesichts der Gewalt machtlos

Von ihrer Regierung unter Präsident Faustin Touadéra bekommen die Vertriebenen nichts, denn die Regierung hat nur wenige Landesteile unter Kontrolle und außerdem kein Geld. Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Human Rights Watch-Aktivist Mudge findet das schockierend: "Für ein Land mit nicht mal fünf Millionen Einwohnern ist sie unglaublich reich an Bodenschätzen. Es gibt nicht nur Diamanten und Gold, sondern auch Tropenholz, viel Wasser und unglaublich fruchtbares Land. Darauf werden Kaffee, Baumwolle und andere Exportprodukte angebaut. Dafür gibt es immer noch einen Markt."

Der Krieg, der im Jahr 2013 ausbrach, hat die Not der Bevölkerung dramatisch verschlimmert. Aber der Grund für deren Armut liegt viel tiefer. "Das Land hat seit seiner Unabhängigkeit 1960 noch nie eine demokratische Regierung gehabt", sagt Mugde. "Alle Regierungen waren geprägt von Vetternwirtschaft und Korruption. Das galt auch noch für Präsident Bozizé, der 2013 gestürzt wurde. Und dessen Regierung hat alle diese Übel geradezu verkörpert."

UN-Patrouille in der Stadt Bria | Bildquelle: AFP
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UN-Patrouille in der Stadt Bria, die mitten in der Zentralafrikanischen Republik liegt

Geld aus Diamantenverkauf erreicht die Menschen nicht

Präsident Touadéra wurde 2016 immerhin in halbwegs freien und demokratischen Wahlen gewählt. Einen Neuanfang verkörpert er trotzdem nicht, schließlich war er Ministerpräsident unter Bozizé und ist daran gewöhnt, dass Korruption immer mitregiert. Das bisschen Geld, das durch den wenigen legalen Handel mit Diamanten in die Staatskasse kommt, bleibt in der Hauptstadt Bangui hängen - während die Vertriebenen und Verwundeten des Krieges auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sind.

Über dieses Thema berichtete BR2 radioWelt am 22. August 2017 um 06:05 Uhr.

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