Anzeige für Yücel

Prominente für Freilassung Eine ganze Seite nur für Yücel

Stand: 28.02.2017 16:15 Uhr

Wer heute einen Blick in manch überregionale Zeitungen wirft, kann sie nicht übersehen: Die ganzseitige Anzeige für die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel. Mehr als 300 Prominente haben darauf unterzeichnet - darunter auch einige namhafte Chefredakteure.

Auf ganzseitigen Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen haben mehrere hundert Prominente die Freilassung des in der Türkei inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gefordert. "Für die Freiheit von Information, Meinung, Wort und Kunst", heißt es in dem veröffentlichten Aufruf in deutscher und türkischer Sprache. "Gemeinsam für und mit Deniz Yücel und allen zur Zeit in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen."

Zu den mehr als 300 Unterzeichnern zählen neben Künstlern, Schauspielern, Rechtsanwälten und anderen Prominenten eine Reihe von Chefredakteuren wie Klaus Brinkbäumer vom "Spiegel" oder Giovanni di Lorenzo von der "Zeit". Auch leitende Vertreter von "Focus", "Stern", "Bild" oder "Süddeutscher Zeitung" unterzeichneten den Aufruf.

Eine Anzeige für die Freilassung des Korrespondenten Deniz Yücel ist in mehreren Tageszeitungen zu lesen. | Bildquelle: dpa
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Anzeige für Yücel: Mehr als 300 Menschen haben unterschrieben.

Vorwurf der Terrorpropaganda

Darin wird auch der Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN zitiert: "Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Auch die ARD-Fernsehchefredakteure und -Kulturchefs veröffentlichten eine Stellungnahme über die Inhaftierung Yücels. Darin heißt es unter anderem: "Wir protestieren auf das Schärfste gegen diesen Umgang mit der freien Presse."

Ein türkischer Haftrichter hatte am Montagabend Untersuchungshaft gegen den deutsch-türkischen Korrespondenten der Zeitung "Die Welt" verhängt. Wie das Blatt auf seiner Website mitteilte, wurde Yücel wegen Aufwiegelung der Bevölkerung und Terrorpropaganda in Haft genommen. Yücel hatte sich am 14. Februar freiwillig der Polizei in Istanbul zur Befragung gestellt und war daraufhin in Polizeigewahrsam genommen worden.

Stellungnahme der ARD-Fernsehchefredakteure und -Kulturchefs zur Inhaftierung von Deniz Yücel

"Wenn Journalisten wie Staatsfeinde behandelt werden, können wir nicht schweigen. Der 'Welt'-Korrespondent Deniz Yücel wurde nach 13 Tagen im Polizeigewahrsam nun in Untersuchungshaft genommen. Sein Fall steht auch für das Schicksal vieler türkischer Kolleginnen und Kollegen. Eine freie Berichterstattung über die Türkei wird so unmöglich gemacht. Wir protestieren auf das Schärfste gegen diesen Umgang mit der freien Presse."

Merkel: "Bitter und enttäuschend"

Die Bundesregierung regierte mit scharfer Kritik auf die Verhängung der Untersuchungshaft. Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Gerichtsbeschluss als "bitter und enttäuschend". "Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart", so die Kanzlerin weiter.

Auswärtiges Amt @AuswaertigesAmt
.@sigmargabriel: viel zu harte+ unangemessene Entscheidung. Werden uns mit Nachdruck einsetzen, dass #Yücel schnell Freiheit zurück bekommt.

Auch in der türkischen Regierungspartei AKP stieß die Untersuchungshaft Yücels auf Kritik. Er sehe "die Gerichtsentscheidung kritisch", sagte der deutsch-türkische Abgeordnete und Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Parlament, Mustafa Yeneroglu, der Deutschen Presse-Agentur. "Ohne Einzelheiten zu kennen und soweit ich den Berichten entnehmen kann, denke ich, dass der Propagandabegriff zu weit ausgelegt worden ist."

Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" rief die Bundesregierung darüber hinaus zum Eingreifen auf. Die Regierung dürfe nichts unversucht lassen, um Yücel freizubekommen, sagte Geschäftsführer Christian Mihr. "Die Vorstellung ist unerträglich, dass ein Journalist monate- oder gar jahrelang in Untersuchungshaft einem ungewissen Schicksal entgegensehen muss, nur weil er seine Arbeit ernstgenommen hat", erklärte er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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