Zeichnung eines Yeti | Bildquelle: picture alliance / Alessandro Lo

Fabelwesen im Himalaya Forscher entzaubern den Yeti

Stand: 29.11.2017 10:53 Uhr

Auf den Schneehöhen des Himalaya soll der Yeti leben, ein mysteriöses, gigantisches Wesen, um das sich jahrhundertealte Legenden ranken. Nun haben sich Forscher daran gemacht, sein Erbgut zu entschlüsseln - und das Rätsel wohl endgültig gelöst.

Zweibeinig, behaart, bis zu drei Meter groß und über 200 Kilogramm schwer: So wurde über Jahrhunderte der Yeti beschrieben, dieses geheimnisvolle Schneewesen, das im Himalaya leben soll. Immer wieder berichteten Menschen davon, den Yeti in den Schneehöhen Tibets und Nepals gesichtet zu haben. Als Beweise für seine Existenz dienten unter anderem Fußabdrücke auf 5000 Meter Höhe.

Viele vermeintliche Überreste des Schneemenschen wurden gefunden - diese haben nun US-Forscher genauer unter die Lupe genommen und die mysteriöse Legende auf den Boden der nüchternen biologischen Tatsachen geholt: Die DNA-Proben stammen demnach fast ausschließlich von Bären.

Ein unidentifizierter Fußabdruck im Schnee des Himalaya (Archivbild von 1951) - er wird dem Yeti zugeschrieben.
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Das Archivbild von 1951 zeigt eine Spitzhacke, die auf einen großen unidentifizierten Fußabdruck im Schnee des Himalaya deutet. Eine Expedition stieß 1951 auf den Abdruck und schrieb ihn dem Yeti zu.

Die bislang gründlichste Studie

Acht der neun untersuchten Proben aus Knochen, Zähnen, Haaren oder Exkrementen stammen von Asiatischen Schwarzbären, Himalaya-Braunbären oder Tibetischen Braunbären. Die neunte Probe konnte einem Hund zugeordnet werden.

"Unsere Ergebnisse legen stark nahe, dass die biologische Untermauerung für die Yeti-Legende in lokalen Bärenarten gefunden werden kann", konstatierte die Biologin Charlotte Lindqvist von der University of Buffalo. "Und unsere Studie zeigt, dass die Genetik in der Lage sein sollte, auch andere, ähnliche Rätsel zu lösen."

Die Studie, veröffentlicht in den "Proceedings B" der britischen Royal Society, ist wohl die bisher gründlichste DNA-Analyse angeblicher Yeti-Relikte.

Skizze eines "Yeti"
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Diese Skizze eines angeblichen Yetis stammt vom sowjetischen Wissenschaftler A.G. Pronin. Er behauptet, dem Wesen im Jahr 1967 zwei Mal begegnet zu sein - allerdings in Sibirien.

Haut, Haare und Oberschenkelknochen

Die untersuchten Überbleibsel stammen ursprünglich aus Museen oder Privatbesitz. Ein Stück behaarter Haut von einer Hand oder Pranke, die in einem Kloster aufbewahrt worden war, gehört dazu, ebenso ein Stück Oberschenkelknochen, das in einer Höhle auf dem Tibetanischen Hochplateau auf 4500 Meter Höhe gefunden wurde.

An die Relikte gelangten die Forscher über eine britische Filmproduktionsfirma, die 2016 in einem Film die Herkunft der geheimnisvollen Yetis lüften wollte.

Lindqvist und ihr Team untersuchten zudem die DNA weiterer asiatischer Bären - insgesamt von 23 Tieren - und verglichen sie dann mit derjenigen von Bären in anderen Teilen der Welt. Es zeigte sich, dass Tibetische Braunbären mit denen in Nordamerika und Europa relativ eng verwandt sind.

Die Eiszeit isolierte die Tiere

Himalaya-Braunbären hingegen, deren DNA nun erstmals komplett entschlüsselt wurde, haben sich evolutionär schon wesentlich früher, vor etwa 650.000 Jahren, abgespalten.

In der damaligen Eiszeit hätten die Himalaya-Braunbären vermutlich über längere Zeit hinweg durch Gletscher abgetrennt und isoliert von den anderen gelebt, vermuten die Forscher. Ihrer Einschätzung nach sind die Ergebnisse nicht nur wichtig, um die Herkunft der Tiere nachzuvollziehen, sondern auch für deren Gegenwart. "Die Himalaya-Braunbären sind vom Aussterben bedroht. Ihre Bevölkerungsstruktur und genetische Vielfalt zu klären, kann auch helfen, ihre Bestände zu schätzen und Management-Strategien zu entwerfen", hofft Lindqvist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. November 2017 um 17:00 Uhr in Wissen.

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