Ein Polizeibeamter steht in Hongkong neben einem Plakat, auf dem der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zu sehen ist. | Bildquelle: AP

Chinesischer Nobelpreisträger Liu Xiaobo geht es immer schlechter

Stand: 08.07.2017 11:11 Uhr

Der Gesundheitszustand des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat sich rapide verschlechtert. Inzwischen ist ein deutscher Krebsspezialist in China eingetroffen. Ob er Liu bereits untersuchen durfte, ist allerdings unklar.

Dem todkranken Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo geht es immer schlechter. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin der Nachrichtenagentur AP mit, nachdem bekannt wurde, dass der Schriftsteller von einem deutschen Facharzt behandelt werden darf.

Der Krebsspezialist ist mittlerweile in China gelandet. Unklar ist, ob er Liu bereits untersuchen durfte. Der Bürgerrechtler leidet unter Leberkrebs im Endstadium, wie erst kürzlich bekannt wurde. Dem 61-Jährigen wurde "Bewährung aus medizinischen Gründen" gewährt, sodass er aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt werden konnte. Er steht aber weiter unter strenger Überwachung, weil er unverändert seine Freiheitsstrafe absitzt. Auch die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland lehnt die chinesische Regierung ab.

Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus | Bildquelle: AP
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Liu Xiaobo und seine Frau Liu Xia im Krankenhaus

Behandlung mit Krebsmittel ausgesetzt

Am Samstag erlaubten die Behörden zwei Brüdern Lius ihn im Krankenhaus zu besuchen. Einen Tag zuvor hatten Lius Ärzte eine Behandlung mit einem Krebsmittel ausgesetzt. Die Leber des Inhaftierten sei zu geschwächt für eine weitere Therapie mit dem Medikament, teilte das Krankenhaus mit. Auch eine traditionelle chinesische Arznei zur Tumorbehandlung sei abgesetzt worden.

Unterstützer des 61-Jährigen und ausländische Regierungen hatten Peking aufgefordert, Liu freizulassen und ihn frei entscheiden zu lassen, wo er behandelt werden möchte.

Chinas bekanntester politischer Gefangene

Liu ist der bekannteste politische Gefangene Chinas. Seit Jahrzehnten setzt er sich für Demokratie und Menschenrechte in China ein. So saß der Literaturwissenschaftler schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking mehrmals in Haft.

Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo | Bildquelle: AFP
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Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo: Der Stuhl von Liu Xiabo blieb leer

Später wurde er zum Ehrenvorsitzenden des chinesischen Pen-Clubs unabhängiger Schriftsteller und ist Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der demokratische Reformen gefordert werden. Im Jahr 2009 wurde er wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt.

Ein Jahr später erhielt er den Friedensnobelpreis. Bei der Übergabezeremonie in Oslo blieb sein Stuhl leer. Seine Frau Liu Xia lebt seit damals praktisch unter Hausarrest in ihrer Wohnung in Peking.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2017 um 08:22 Uhr.

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