Protestierende Dorfbewohner in Wukan  | Bildquelle: REUTERS

Wukan in China Haftstrafen für rebellische Dörfler

Stand: 27.12.2016 11:20 Uhr

Die Bewohner des kleinen Fischerdorfs Wukan geben der chinesischen Staatsmacht seit Jahren kontra. Das Örtchen gilt inzwischen als Inbegriff des Aufstands. Nun hat die Justiz durchgegriffen: Neun Bewohner wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai               

Ein Gericht im Süden Chinas hat mehrere Teilnehmer von Anti-Regierungs-Demonstrationen zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Insgesamt neun Menschen aus dem südchinesischen Ort Wukan wurden schuldig gesprochen - und zwar wegen der Teilnahme an illegalen Demonstrationen, wegen Verbreitens von Gerüchten und Behinderung des Straßenverkehrs. Die Strafmaße liegen zwischen zwei und zehn Jahren Gefängnis.

Wukan in der Provinz Guangdong ist bekannt für seine außergewöhnlich aufmüpfigen Bewohner. Seit Jahren protestieren die Menschen gegen die Staatsmacht, ausgelöst wurden die ersten Proteste 2011 durch unrechtmäßige Enteignungen. Ein Jahr später lenkte die chinesische Führung ein: Sie erlaubte den Bewohnern Wukans, einen Bürgermeister zu wählen. International war die Rede von der ersten wirklich freien Kommunalwahl Chinas.

Bewohner von Wukan sind auch schon nach Hong Kong gereist, um gegen die Festnahme von Lin Zulian zu protestieren. | Bildquelle: AP
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Bewohner von Wukan: Das kleine Fischerdorf gilt seit 2011 als Inbegriff des Aufstands in China. Hier protestieren sie im Juni 2016 in Hongkong.

Straßenschlachten mit der Polizei

Dieses Jahr wurde der Bürgermeister dann nach Korruptionsvorwürfen festgenommen. Danach kam es im September zu neuen, teilweise gewaltsamen Protesten. Bewohner des Ortes lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, diese ging mit großer Härte gegen Demonstranten vor.

Die gestern Abend bekannt gewordenen Urteile gegen Beteiligte der Proteste zeigen erneut, dass sich die Lage in China für politische Aktivisten weiter verschlechtert. Offene Opposition ist - auch wegen der allgegenwärtigen Zensur - so gut wie unmöglich.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Dezember 2016 um 11:12 Uhr.

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