Winnie Mandela (Archivbild) | Bildquelle: AP

Winnie Mandela ist tot Freiheitskämpferin mit dunklen Schatten

Stand: 02.04.2018 19:14 Uhr

Winnie Mandela galt lange als schillernde Symbolfigur des Anti-Apartheid-Kampfes in Südafrika. Sie war eine couragierte Frau, polarisierte aber auch als Mensch voller Widersprüche. Als "Mutter der Nation" wurde sie verehrt, gleichzeitig war sie bis zu ihrem Tod hoch umstritten.

Ein Nachruf von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg

Chuzpe, Intelligenz, Hartnäckigkeit, Schönheit - das sind Attribute, die oft genannt wurden, wenn es um Winnie Mandela ging. Jeder in Südafrika erinnert sich an ihren kompromisslosen Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime.

"Ich habe auch physisch gegen den Feind gekämpft, zum Beispiel Steine geschmissen. Ich bin stolz auf das, was ich getan habe. Auch im Untergrund. Ich bin eine von denen, die das Regime in die Knie gezwungen haben."

Ihr Einsatz hat Winnie Madikizela Mandela den Ehrentitel "Mutter der Nation" eingebracht. Doch dieser ist in den vergangenen 30 Jahren deutlich verblasst.

Nachruf auf Winnie Madikizela-Mandela: Südafrikas umstrittene Politikerin
tagesthemen 23:10 Uhr, 02.04.2018, Thomas Denzel, ARD Johannisburg

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Erste Begegnung an der Bushaltestelle

Nomzamo Winnifred Madikizela wurde 1936 in der Transkei, dem heutigen Ostkap, geboren. Nach ihrem Studium zur Sozialarbeiterin arbeitete sie in einem Krankenhaus in Soweto. Dort lernte sie 1957 an einer Bushaltestelle Nelson Mandela kennen. Nur ein Jahr später heirateten die beiden und bekamen zwei Töchter. Winnie wurde engagierte Aktivistin des Afrikanischen Nationalkongresses, ANC.

1962 wurde ihr Mann wegen Landesverrats verhaftet und zwei Jahre später zu lebenslanger Haft verurteilt. Für Winnie Mandela begann eine lange Zeit unvorstellbaren Leids. Nur selten durfte sie Nelson Mandela im Gefängnis besuchen. Sie wurde überwacht, unter Hausarrest gestellt, in die Einsamkeit verbannt, gefoltert und immer wieder verhaftet und in Einzelhaft gesteckt.

"Mein Leben war von diesem Moment an geprägt von einem ständigen rein ins Gefängnis, raus aus dem Gefängnis. Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, wie oft ich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt wurde. Es war zu häufig."

Nelson und Winnie Mandela | Bildquelle: AFP
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Winnie und Nelson Mandela heirateten 1958. Das Foto zeigt das Paar am 5. Juli 1991 in Durban, nachdem Nelson Mandela einstimmig zum ANC-Chef gewählt worden war.

Aufruf zu Gewalt

Aber Winnie Mandela hat sich nicht kleinkriegen lassen. Je härter die Apartheid-Vasallen ihr gegenüber auftraten, desto härter wurde auch sie. Sie bot dem Regime die Stirn, forderte es permanent heraus. 1986 rief sie unverblümt öffentlich zur Gewalt auf.

"Es ist Zeit, dass wir unser Land zurückholen. Wir nutzen dieselbe Sprache, die die Buren uns gegenüber nutzen. Sie kennen nur eine Sprache: die der Gewalt. Wir haben zwar keine Waffen, aber wir haben Steine und Streichhölzer. Und mit unseren Halskrausen werden wir das Land befreien."

Als Halskrausenmethode - Necklacing - wurde damals eine fürchterliche Art des Lynchmordes bezeichnet. Dabei wurde dem Opfer ein mit Benzin getränkter Autoreifen um den Hals gehängt und dieser angezündet.

Image bekam Kratzer

Etwa um die gleiche Zeit bekam das Image der ehrenhaften Widerstandskämpferin tiefe Kratzer. Der "Mandela United Football Club", eine marodierende Gang von Jugendlichen, die Winnie als Leibwächter dienten, entführte mehrere Jugendliche. Einer von ihnen, der 14-jährige Stompie Seipei, wurde in ihrem Haus missbraucht und ermordet, weil er angeblich ein Polizeispitzel war. Bis heute wird über ihre genaue Rolle bei diesem Mord spekuliert. Ein Gericht verurteilte sie wegen Entführung zu einer Bewährungs- und Geldstrafe.

Die Freilassung Nelson Mandelas 1990 wurde auch für Winnie zum Triumph. Nach 27 Jahren konnte sie Hand in Hand mit ihm durch das Gefängnistor laufen. Doch schon 1992 gab Nelson Mandela, am Boden zerstört, die Trennung bekannt. Winnie hatte auch nach seiner Freilassung zahlreiche Liebesaffären mit jüngeren Männern gehabt.

Nelson und Winnie Mandela | Bildquelle: AP
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Frei nach 27 Jahren: Nelson und Winni Mandela im Februar 1990.

"Meine Liebe zu ihr bleibt unverändert bestehen", sagte Nelson Mandela. "Doch angesichts der Spannungen, die in den letzten Monaten zwischen uns entstanden sind, sind wir beide zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung für jeden von uns am besten ist." Er hoffe, man könne seinen erlittenen Schmerz nachvollziehen.

Vier Jahre später wurde die Ehe geschieden.

Korruption, Amtsmissbrauch, Betrug und Diebstahl

Von da an geriet Madikizela-Mandela von einer Bredouille in die nächste. Wegen Korruption und Amtsmissbrauchs wurde sie als Vize-Ministerin entlassen. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission machte sie mitverantwortlich für Menschenrechtsverletzungen bis hin zum Mord. 2003 wurde sie wegen Betrugs und Diebstahls zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die später auf Bewährung ausgesetzt wurde.

Nach dem Tod von Nelson Mandela lieferte sie sich einen hässlichen Erbstreit mit der Familie, weil sie nicht in seinem Testament berücksichtigt worden war.

Politische Überlebenskünstlerin

Politisch entpuppte sie sich aber weiterhin als äußerst zähe Überlebenskünstlerin: Sie war jahrelang Präsidentin der einflussreichen ANC-Frauenliga und bis zuletzt Mitglied im ANC-Parteivorstand sowie Parlamentsabgeordnete. Rastlos machte sie als solche auf das Versagen ihrer Partei im Kampf gegen Armut aufmerksam.

Die Südafrikaner sind bis heute fasziniert von der Widersprüchlichkeit der Winnie Madikizela-Mandela. Auf der einen Seite heilige Widerstandskämpferin, die schier endlose Schikanen erlitten und sich dabei immer ihre Würde erhalten hat. Auf der anderen Seite Sünderin voller krimineller Energie, die schamlos gelogen und brutale Verbrechen begünstigt hat.

In den vergangenen Jahren ist der Blick auf sie zunehmend weich gezeichnet worden. An ihrem 80. Geburtstag ließen wichtige Vertreter aus Partei und Politik sie hochleben. Und viele Südafrikaner verziehen ihr mittlerweile ihre Sünden und sehen in ihr weiterhin die "Mutter der südafrikanischen Nation" - eine Rolle, mit der sie zeitlebens kokettiert hat. 

"Ich hatte nie das Gefühl, dass es da nur um mich ging. Ich habe diesen Titel nie für mich alleine in Anspruch genommen. Für mich sind alle Frauen, die wie ich ihr Leben geopfert haben, Mütter der Nation."

Nachruf auf Winnie Mandela
Jan-Phillippe Schlüter, ARD Johannesburg
02.04.2018 17:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. April 2018 um 17:00 Uhr.

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