Geert Wilders und Marine Le Pen machen ein Selfie auf dem Koblenzer Gipfel der Rechtspopulisten, rechts daneben: Frauke Petry | Bildquelle: AP

Rechtspopulisten im Superwahljahr Hauptsache raus aus der EU

Stand: 14.03.2017 04:10 Uhr

In Europas Superwahljahr 2017 sehen Rechtspopulisten ihre große Chance. Ob Wilders, Le Pen oder Petry - sie alle eint der Minimalkonsens: Raus aus der EU. Deren politisches Scheitern ist für sie nur noch eine Frage kurzer Zeit.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Europas Rechtspopulisten beschwören das Momentum. Und sehen für sich eine Erfolgsgeschichte in drei Schritten: erst Großbritanniens Überraschungscoup. Nach dem Brexit kam dann der Super-Brexit: die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Und jetzt ist Europas Superwahljahr 2017 ihre große Chance. "Vor allem in Frankreich", triumphierte Marine Le Pen beim Koblenzer Gipfel der Rechtspopulisten im Januar. Und richtig, da gibt es dann ja auch noch die Wahlen in den Niederlanden.

Und da wünscht sie dem Gesinnungs-Freund Geert Wilders Erfolg. Den größtmöglichen Erfolg betont Marine Le Pen. Wissend dass Wilders Chance niederländischer Premier zu werden wegen mangelnder Koalitionspartner gering ist.

Da gibt sich Wilders mit Blick auf Le Pens präsidiale Erfolgsaussichten zumindest auf offener Bühne deutlich optimistischer. Le Pen werde die nächste Präsidentin Frankreichs prophezeit Wilders im Januar beim sogenannten Europäischen Wahlkampfauftakt der Rechtspopulisten in Koblenz. Erst der Brexit, dann der niederländische Nexit kurz vor dem französischen Frexit - so die Siegesfantasien der EU-Gegner.

"Die EU stirbt vor unseren Augen"

Ob Wilders oder Le Pen vom französischen Front National. Ob Matteo Salvini als Ministerpräsidentenkandidat der italienischen Lega Nord, Frauke Petry von der AfD oder der britische Brexit-Propagandist und noch EU-Parlamentarier Nigel Farage - sie alle eint als Minimalkonsens die Formel "Raus aus der EU". Deren politisches Scheitern ist für sie nur noch eine Frage kurzer Zeit. "Die EU stirbt vor unseren Augen. Die Frage ist nur wann der Tod eintritt", verkündet Brexit-Promoter Farage und stellt zufrieden fest, dass der EU-und Euro-Gegner Wilders in diesem Punkt auf seiner Seite ist. Ähnlich wie beim Römischen Reich seien die Tage der EU gezählt. Alles nur eine Frage der Zeit, lautet die Wilders Parole.

Dennoch ist der Trump-Vertraute und bekannteste Rechtspopulist Großbritanniens Farage kein Anhänger von Wilders. Der Brexit-Architekt betrachtet die Anti-Islam-Propaganda des Niederländers wörtlich als "schrecklichen Fehler". Farage sieht keinen Sinn darin einen Krieg gegen eine ganze Religion zu führen.

In einem Punkt sind sich alle einig

Wilders wiederum möchte mit den Björn-Höcke-Sympathisanten in der AfD nichts zu tun haben, deren Holocaust-Relativierung er strikt ablehnt. Wilders Bekenntnis zu Israel und sein Plädoyer für Toleranz gegenüber Homosexuellen werden auch in der französischen Rechtspopulisten-Szene mit Skepsis betrachtet. Es gebe viele Meinungsunterschiede unter den Europa-Gegnern. Zum Beispiel zwischen ihm und dem Front National betont Wilders. Der wolle Teile der französischen Industrie verstaatlichen, während er selber in diesem Punkt eher ein Neoliberaler sei, so Wilders.

Aber entscheidend für ihn ist nicht die Wirtschaftspolitik, die Nahostpolitik oder die Haltung gegenüber Homosexuellen, sondern ausschließlich der Minimalkonsens: Raus aus der EU, raus aus dem Euro. Und in diesem Punkt sind sie sich alle einig, die Rechtspopulisten in Europa. Und fiebern mit Geert Wilders, dem fremden Freund aus den Niederlanden.

Wilders: Europas Rechte fiebert mit
R. Sina, WDR Brüssel
13.03.2017 23:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2017 um 11:08 Uhr.

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