Pressebriefing im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS

Pressebriefing Weißes Haus sperrt Medien aus

Stand: 25.02.2017 05:19 Uhr

US-Präsident Trump bezeichnet die Medien gern als "Feind des amerikanischen Volkes". Nun geht er noch einen Schritt weiter: Das Weiße Haus hat mehreren namhaften Medien den Zugang zu einem Pressebriefing verwehrt. Darunter sind CNN und die "New York Times".

Das Weiße Haus hat mehreren großen US-Medienhäusern den Zugang zu einem Pressebriefing mit dem Sprecher von US-Präsident Donald Trump verwehrt. Betroffen waren nach US-Medienberichten Reporter von CNN, der "New York Times", der "Los Angeles Times" und vom Nachrichtenportal "Politico".

Breitbart News dabei

In der Regel steht das im TV übertragene tägliche Pressebriefing allen Medienunternehmen mit Akkreditierung für das Weiße Haus offen. Neben großen Namen wie CBS, NBC, Reuters, Bloomberg und Fox News lud Regierungssprecher Sean Spicer diesmal auch kleinere, konservative Akteure wie die "Washington Times", der Kabelsender One America News Network und die Webseite Breitbart News ein. Letztere hatte Steve Bannon an ihrer Spitze, der inzwischen Trumps Chefstratege ist.

Vertreter der Nachrichtenagentur AP und des "Time"-Magazins wären zugelassen gewesen, boykottierten das Pressebriefing aber aus Solidarität mit ihren Kollegen.

Kritik - selbst von Fox News

Der Chefredakteur der "New York Times", Dean Baquet, sagte: "So etwas ist während der langen Zeit, in der wir über verschiedene Regierungen verschiedener Parteien berichtet haben, noch nie passiert." CNN nannte den Vorgang auf Twitter inakzeptabel: "Offenbar ist das die Art wie sie zurückschlagen, wenn man über Fakten berichtet, die ihnen nicht gefallen."

Der Chefredakteur der "Los Angeles Times", Davan Maharaj, bezeichnete den Ausschluss seiner Zeitung von der Presserunde als "unglücklich". Die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Informationen einer Bandbreite von Nachrichtenquellen, nicht nur jene, die vom Pressebüro im Weißen Haus "in der Hoffnung auf freundliche Berichterstattung gefiltert" werde. Die "White House Correspondents' Association", ein Zusammenschluss von Journalisten, verurteilte die Maßnahme. Auch Journalisten von Trump-nahen Medien wie Fox News kritisierten den Ausschluss ihrer Kollegen.

Das Weiße Haus verteidigte die Entscheidung. "Wir haben einen Pool eingeladen, so dass jede Gruppe repräsentiert war", sagte Sarah Sanders, eine Sprecherin des Weißen Hauses.

ARD-Korrespondentin Ina Ruck wertet den Ausschluss der Medien als "eine Art Machtprobe". Sie könnte für Trump allerdings auch noch hinten losgehen, so ihre Einschätzung. "Wenn Journalisten ihre Informationen nicht aus erster Hand bekommen, dann wenden sie sich an die, die vielleicht auch reden". Dies könnten Leaks sein - also Informanten im Weißen Haus oder auch aus den Geheimdiensten. "Und das kann auch nicht im Sinn des Weißen Hauses sein."

Das Verhältnis von Weißem Haus und großen Medienhäusern ist seit langem angespannt. Präsident Trump kritisiert Medien wie CNN und "New York Times" regelmäßig für ihre Berichterstattung und wirft ihnen Fake-News vor. Er hatte sie auch schon "Feinde des Volkes" genannt.

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Februar 2017 um 00:10 Uhr.

Darstellung: