Filmproduzent Harvey Weinstein | Bildquelle: AFP

Hollywood und der Missbrauchsskandal "Ein feudales System"

Stand: 17.10.2017 05:00 Uhr

Wer wusste was wann? Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen den Produzenten Weinstein beschäftigt Hollywood diese Frage wie keine andere. Dieser hat mittlerweile sein Anwaltsteam ausgetauscht.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Anschuldigungen gegen Weinstein auftauchen. Jüngstes Beispiel: Paula Wachoviak. Sie war damals 24 und Praktikantin bei Dreharbeiten für den Film "The Burning". Der Produzent und Drehbuchautor im Jahr 1980: Harvey Weinstein.

"Als ich reinkam, schloss er die Tür", erinnert sich Wachoviak im US-Fernsehsender ABC. "Er hatte nur ein kleines Handtuch um die Hüfte. Ich  überreichte ihm eine Mappe und er ließ das Handtuch fallen. Als ich aus der Tür raus war, zitterte ich und war ziemlich sauer."

Anwaltsteam wurde ausgetauscht

Es scheint also nicht weiter verwunderlich, dass Weinstein sein Anwaltsteam mittlerweile verändert hat. Der "Darth Vader" im US-Äußerungs- und Medienrecht, Charles Harder, wie er in Anwaltskreisen gerne genannt wird, ist raus. Harder wurde unter anderem bekannt durch seine Klage gegen die Online-Publikation Gawker, die in deren Konkurs mündete.

Jetzt hat Weinstein einen Strafverteidiger engagiert, berichtet die Medienjournalistin Janice Min bei CNN: "Waren es zuvor Medienanwälte, setzt er jetzt auf Strafverteidiger." Dafür habe er Blair Berk engagiert, weiß Min. "Weinstein glaubt offenbar, dass er den Medienkrieg nicht gewinnen kann. Er muss sich jetzt um sich selbst kümmern - zumal es neue Ermittlungen in New York und London gibt."

Die Hollywood-Schauspielerinnen Rose McGowan (links) und Ashley Judd (rechts). | Bildquelle: AP
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Mit ihren Aussagen haben sie den Skandal ins Rollen gebracht: Die Hollywood-Schauspielerinnen Rose McGowan (links) und Ashley Judd (rechts).

"Angst vor Weinsteins Macht"

Min wundert sich, dass an seine mutmaßlichen Opfer die vergleichsweise geringe Summe von maximal 100.000 Dollar bezahlt wurde. Für dieses Geld habe es Weinstein geschafft, das Schweigen von vielen Frauen zu erkaufen. Das allein sei aber nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen, meint die Journalistin Min. "Es war die Angst vor Weinsteins Macht. Die Angst vor Repressalien, was er einem zufügen könnte, wenn man das Schweigen brechen würde. Das hat alle in Schach gehalten."

Für Weinsteins Firma, die er zusammen mit seinem Bruder Bob gegründet hat, scheint sich eine Lösung anzubahnen. Das Produktionsunternehmen befindet sich nach eigener Mitteilung in Verkaufsverhandlungen mit dem Investmentfonds Colony Capital.

Das wirklich wertvolle an dem Unternehmen sind die Lizenzrechte für viele preisgekrönte Filme wie zum Beispiel "Shakespeare in Love". Der Name der Weinstein-Firma TWC dürfte also bald im Orkus der Geschichte verschwinden. Dennoch fragt sich die Filmbranche von Hollywood: Wer wusste was wann?

Skandal um Hollywood-Produzent Weinstein
tagesthemen 23:30 Uhr, 14.10.2017, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Die Aufarbeitung beginnt erst

Das große Fingerzeigen stehe erst noch bevor, mutmaßt der Medienexperte Larry Hackett gegenüber ABC: "Ich glaube, es werden jetzt viele Leute die Frage stellen, wer was wann wusste. Das wird jetzt für alle in Hollywood eine knifflige Zeit. Man muss sich nur das Ausmaß anschauen: Dieses Verhalten reicht fast 40 Jahre zurück."

Hollywood ist eine Industrie. Filme werden hier meist nicht nach künstlerischem Anspruch gedreht, vielfach geht es um den kommerziellen Erfolg beim Publikum. Die Filmbranche von Hollywood besteht im Grunde aus lauter freien Mitarbeitern. Es hat einfach keinen Anlaufpunkt gegeben, an den sich die Frauen hätten wenden können, sagt Medienexperte Hackett: "Es gibt keine Personalabteilung, bei der man sich beschweren kann. Es gibt keine Regeln. Es gibt keine Organisation für Arbeitssicherheit. Jede Filmproduktion ist ein neuer Prozess. Es ist ein feudales System. Und das ist der Grund, weshalb dieses Verhalten so weitergehen konnte."

Weinstein Firma offenbar vor dem Verkauf
ARD Los Angeles
17.10.2017 08:40 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 16. Oktober 2017 Deutschlandfunk um 15:52 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 22:51 Uhr.

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