Lech Walesa | Bildquelle: REUTERS

Polens Ex-Präsident Neue Beweise belasten Walesa

Stand: 31.01.2017 15:56 Uhr

Schon lange sieht sich Polens Ex-Präsident Walesa mit dem Vorwurf konfrontiert, für den kommunistischen Geheimdienst gewirkt zu haben. Nun liegen neue Beweise vor, die die polnischen Behörden für glaubhaft halten. Walesa widerspricht.

Von Henryk Jarczyk, ARD-Studio Warschau

Neu sind die Vorwürfe nicht. Seit über 25 Jahren wird in Polen behauptet, Lech Walesa habe für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet. Bislang stützten sich Historiker des Instituts für Nationales Gedenken, ein Pendant zur deutschen Stasi-Unterlagenbehörde, allerdings bei ihren Vorwürfen ausschließlich auf Fotokopien. Eine aus ihrer Sicht zweifelsfreie Analyse war dadurch kaum möglich.

Graphologische Untersuchungen würden ihre Behauptungen nun aber anhand vorliegender Originaldokumente eindeutig belegen, sagt Staatsanwalt Andrzej Pozorski, Leiter der im Institut zuständigen Ermittlungsabteilung:

"Die Sachverständigen haben ein umfangreiches Gutachten von insgesamt 235 Seiten verfasst. Ihre Schlussfolgerungen lassen keine Zweifel zu. Aus dem Gutachten ergibt sich, dass die handschriftliche Verpflichtung über die Aufnahme der Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst vom 21. Dezember 1970 von Lech Walesa geschrieben und unterzeichnet wurde."

Gefunden wurden die Unterlagen vor rund einem Jahr im Haus des verstorbenen ehemaligen polnischen Generals Czeslaw Kiszczak. Er war während des Kriegsrechts in Polen Innenminister und auch danach für den Staatssicherheitsdienst verantwortlich.

Neue Dokumente: Ist Walesa ein Spitzel?
nachtmagazin 00:15 Uhr, 01.02.2017, Griet von Petersdorff, ARD Warschau

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Belastende Dokumente in Kisten entdeckt

Nach der Wende soll Kiszczak alle schriftlichen Details in mehreren Kisten aufbewahrt haben, die von den Ermittlungsbehörden nach seinem Tod sichergestellt worden waren, darunter auch Quittungen und Zahlungsbelege, die Walesa nun schwer belasten würden, so Staatsanwalt Andrzej Pozorski: "Die Belege sind zwischen Januar 1971 und Juni 1974 datiert und beziehen sich auf den Gesamtbetrag 11.700 Zloty. Hinzukommen handschriftliche Berichte des geheimen Mitarbeiters, die alle von Lech Walesa geschrieben und mit dem Decknamen Bolek unterzeichnet wurden."

Lech Walesa widerspricht den Vorwürfen vehement. Die polnische Stasi habe die Unterlagen konstruiert, verteidigt sich der Friedensnobelpreisträger. "Ich glaube nicht, dass ein Grafologe die gegen mich erhobenen Vorwürfe ohne Zwang bestätigt hat. Weil es eine offensichtliche Lüge ist. Die wissen gar nicht, wie die Dokumente einst entstanden sind."

Die angeblich von ihm verfasste und eigenhändig unterschriebene Zusage zur Kooperation mit dem Kommunistischen Überwachungsapparat sei schlicht eine Fälschung, sagt Walesa.

"Für mich bleibt Walesa der Held Polens"

Ähnlich sehen es auch seine Danziger Weggefährten wie etwa der ehemalige Solidarnosc-Aktivist Jerzy Borowczak: "Das ist eine Lüge, ich glaube nicht daran. Meine Meinung über Lech Walesa, der sowjetische Streitkräfte zum Abzug aus Polen veranlasste, wird das jedenfalls nicht ändern. Für mich und meine Bekannten bleibt Lech Walesa der Held Polens."

Eine Feststellung, die Walesas Gegner offenbar nicht akzeptieren wollen. Weshalb die Hetzjagd gegen den ehemaligen Solidarnosc-Führer - sagen polnische Regierungskritiker - munter weiter gehen dürfte. Auch wenn sie im Grunde sinnlos sei, zumal Walesa - selbst wenn die Dokumente echt wären - de facto niemandem geschadet habe.

 

Alte Vorwürfe neu verpackt - Lech Walesa soll für die Stasi gearbeitet haben
H. Jarczyk, ARD Warschau
31.01.2017 15:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Januar 2017 um 12:00 Uhr.

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