Der republikanische Wahlmann Delk mit Trump-Sticker | Bildquelle: REUTERS

Wahlmänner bei der US-Wahl Die Präsidenten-Macher

Stand: 19.12.2016 10:40 Uhr

Mark Delk hat heute eine wichtige Aufgabe. Er wählt den US-Präsidenten. Als republikanischer Wahlmann in North Carolina hat er keine andere Wahl, als seine Stimme an Trump zu vergeben. Manche seiner Kollegen sind da freier.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Mark Delk wird heute Donald Trump wählen. Delk ist einer der 15 Wahlleute für North Carolina. Er erzählt, dass er nicht lange nachdenken musste, als er gefragt wurde, ob er Wahlmann sein will: "Ich dachte, das wäre eine große Ehre, als Wahlmann zu dienen."

Delk ist seit Jahren bei den Republikanern aktiv, an der Basis in Buncombe County. Er wurde als Wahlmann nominiert und auf mehreren Parteiversammlungen in das Amt gewählt. Zum Zuge kommt er jetzt, weil Trump North Carolina gewonnen hat. Hätte Hillary Clinton den Staat gewonnen, hätten die demokratischen Wahlleute abgestimmt. Wie die Wahlleute organisiert werden, kann jeder Bundesstaat selbst festlegen. "Wir haben Wahlleute, um anzuerkennen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von den Bundesstaaten gewählt wird. Das ist wohl der Grund, dass wir keine nationale, allgemeine Abstimmung haben", sagt Delk.

Der republikanische Wahlmann Delk mit Trump-Sticker | Bildquelle: REUTERS
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Delk und seine Mitstreiter vor der Abstimmung in Raleigh.

Wahl eines Despoten zur Not aufhalten

Dieses Prinzip ist in der US-Verfassung festgehalten. Es ist ein Kompromiss zwischen den Autoren der Verfassung, die eine direkte Wahl wollten und denen, die den Präsidenten im Kongress wählen lassen wollen. Außerdem gab es damals die Idee, die Wahlleute seien respektierte, gewissenhafte Bürger, die die Wahl eines Despoten zur Not aufhalten könnten. Einige Bundesstaaten haben ihnen diese Möglichkeit aber genommen - Delk muss sich an das Wahlergebnis halten, er darf nicht einfach jemand anderen wählen: "Ich dürfte das nicht tun in North Carolina, so sind hier die Regeln. Sollte ich versuchen - was ich nicht tun werde - nicht für den Gewinner in North Carolina zu stimmen, dann müsste ich zurücktreten."

In anderen Bundesstaaten haben die Wahlleute aber durchaus noch die Chance, anders abzustimmen als die Mehrheit der Wähler. In den vergangenen Wochen gab es darum zahlreiche Aufrufe, die Wahlleute sollten Trump als Präsident noch verhindern. Dafür müssten sich aber 37 republikanische Wahlleute gegen Trump wenden - das ist wenig wahrscheinlich. Wahlmann Delk hält auch nichts davon: "Es wäre ein nahezu undemokratischer Akt, den Wahlleuten zu erlauben, zu wählen, wen immer sie wollen. Das wäre ein Schritt zurück zur parlamentarischen Idee von Strippenziehern, die in Hinterzimmern ausmachen, wer der nächste Präsident ist. Darüber mache ich mir Sorgen."

"Ich nehme meine Familie mit"

Delk und die 14 anderen Wahlleute treffen sich heute in Raleigh, der Hauptstadt von North Carolina. Hier geben sie schriftlich ihre Stimme ab, die dann nach Washington geschickt wird. Delk und seine Kollegen agieren mehr wie Notare, die ein Ergebnis bestätigen und weiterreichen. Für ihn ist es aber dennoch eine staatsbürgerliche Pflicht und Ehre. Darum wird er auch seinen Sohn mitnehmen: "Das ist eine Gelegenheit für ihn, unser Regierungssystem in Aktion zu sehen, wie unsere Anführer ausgewählt und bestätigt werden. Darum nehme ich ihn und meine Frau mit."

Offiziell ausgezählt werden die Stimmen von Delk und den anderen Wahlleuten am 6. Januar im Kongress - dann steht endgültig fest, ob Trump die Wahl gewonnen hat.

Portrait eines Wahlmanns für Donald Trump
J. Bösche, ARD Washington
19.12.2016 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete DRadio Kultur am 19. Dezember 2016 um 08:10 Uhr

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