In Diyarbakir wirft eine Frau einen Umschlag in eine Wahlurne. | Bildquelle: dpa

Wahlen in der Türkei "Für heute vertraue ich auf Gott"

Stand: 24.06.2018 16:05 Uhr

60 Millionen Menschen waren in der Türkei aufgerufen, wählen zu gehen. Schon am frühen Morgen bildeten sich lange Schlangen in Wahllokalen. Denn bei dieser Wahl geht es um viel.

Von Aydogan Makasci, ARD-Studio Istanbul

Ein Obsthändler legt ein paar Aprikosen in eine Tüte, ein Junge schaut ihn dabei mit großen Augen an. Der Händler schenkt ihm eine Banane, tätschelt ihm den Kopf.

Der Tag der Wahl sei gut fürs Geschäft, sagt er: "An gewöhnlichen Sonntagen sitzen die Leute zu Hause und frühstücken, gehen danach in Parks und so." An Wahltagen aber seien viele unterwegs und kauften spontan ein, wenn sie an Geschäften vorbeikämen.

Die Präsidentschaftswahlen in der Türkei
tagesschau 24 13:00 Uhr, 24.06.2018, Ute Konrad, ARD-aktuell

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"Erdogan wird gewinnen, keine Sorge!"

Er selbst habe noch nicht gewählt, das wolle er noch machen. Politisch äußern will er sich aber nicht. Das machen dafür andere: Dutzende Frauen und Männer kommen aus einer Schule, die heute ein Wahllokal ist. Es sind vor allem die Älteren, die Männer im Karohemd und mit grauem Schnurrbart, die Frauen im schicken Sonntags-Outfit, manche mit Kopftuch.

Ganz offen sagen sie, wofür sie gestimmt haben: "Es waren immer die rechten Parteien, die was fürs Land getan haben." sagt einer. "Die Opposition redet leeres Zeug. Erdogan wird gewinnen, keine Sorge!" Eine Frau sagt hingegen: "Ich habe für Muharrem Ince gewählt. Ich bin von jeher CHP'lerin. Ince ist ein aufrichtiger Mensch. Für heute vertraue ich auf Gott."

Ein Mann mit Brille und langen schwarzen Haaren hastet über die Straße, er stolpert. Er habe es eilig, sagt er, denn er sei einer der Wahlhelfer: "Wenn ich Vertrauen in unseren Staat hätte, wäre ich sehr wahrscheinlich kein Wahlhelfer geworden. Ich setze mich also persönlich ein für die Sicherheit an meiner Wahlurne." Das Wichtigste dabei: Dass keiner gefälschte Stimmzettel und Umschläge mitbringe.

Muharrem Ince, Präsidentschaftskandidat der CHP, wirft einen Umschlag in eine Wahlurne. | Bildquelle: dpa
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CHP-Präsidentschaftskandidat Muharrem Ince: "Alles Gute, frohes Schaffen"

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, wirft in einem Wahllokal seinen Wahlzettel in eine Urne. | Bildquelle: dpa
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: "Die Türkei durchlebt eine demokratische Revolution"

Wahlbeteiligung von 90 Prozent erwartet

Knapp 100 Kilometer entfernt in Yalova gibt CHP-Kandidat Muharrem Ince seine Stimme ab. Im Wahllokal gibt es einen großen Medienauflauf. Die Reporter reißen am Präsidentschaftskandidaten, er befreit sich und sagt ein paar Worte: "Alles Gute, ich wünsche das Beste für das Land und die Nation. Vielen Dank, frohes Schaffen."

Erdogan sprach nach Abgabe seiner Stimme im Istanbuler Stadtteil Üsküdar von einer guten Wahlbeteiligung. Zugleich betonte er, wie wichtig diese Wahlen seien: "Im Moment durchlebt die Türkei mit dieser Wahl regelrecht eine demokratische Revolution." Mit diesen Wahlen wird die Einführung des Präsidialsystems abgeschlossen, das Erdogan angestrebt hatte.

In den Mittagsstunden ist es auf den Straßen überall im Land noch wuseliger, auch die Jüngeren gehen nach einem ausgedehnten Frühstück jetzt wählen. Eine Wahlbeteiligung von bis zu 90 Prozent wird erwartet. Seit 16:00 Uhr deutscher Zeit sind die Wahllokale geschlossen.

Erste Unregelmäßigkeiten bei der Wahl

In der südosttürkischen Provinz Sanliurfa ist laut Oppositionspartei CHP versucht worden, Wahlbeobachter mit "Schlägen, Drohungen und Angriffen" von den Urnen fernzuhalten. Im Bezirk Suruc in Sanliurfa liefen "bewaffnete Personen ganz offen herum und bedrohen die Wahlatmosphäre".

Die regierungskritische Wahlbeobachter-Plattform dokuz8haber erklärte, in Sanliurfa gebe es Berichte, wonach Männer für ihre Frauen abgestimmt hätten und ein Wähler verprügelt worden sei. Sanliurfa ist eine Hochburg der Regierungspartei AKP. In manchen Regionen dort ist aber die pro-kurdische HDP dominant.

Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge ist es in Suruc zu sicherheitsrelevanten Vorfälle gekommen. Die türkischen Wahlkommissionen sind nach eigenen Angaben aktiv geworden.

Die OSZE-Wahlbeobachtermission meldet, ihre internationalen Wahlbeobachter könnten "aus Sicherheitsgründen" nicht nach Sanliurfa an der Grenze zu Syrien.

Der Wahltag in Istanbul
Aydogan Makasci, ARD Berlin
24.06.2018 13:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juni 2018 um 13:00 Uhr.

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