VW-USA-Chef Michael Horn | Bildquelle: REUTERS

Rücktritt mitten im Abgasskandal US-Chef von Volkswagen tritt zurück

Stand: 10.03.2016 01:21 Uhr

Sechs Monate nach Bekanntwerden des VW-Abgasskandals tritt US-Chef Horn zurück. Der 54-Jährige verlasse das Unternehmen in "gegenseitigem" Einverständnis "mit sofortiger Wirkung", teilte VW mit. Der Konzern steckt tief in der Krise, es drohen Milliardenstrafen, Sammelklagen sind eingereicht.

Der US-Chef des krisengeschüttelten Autobauers VW, Michael Horn, verlässt mitten im Abgasskandal das Unternehmen. Der Rücktritt erfolge mit sofortiger Wirkung, teilte die Volkswagen Group of America mit. Nachfolger wird übergangsweise Hinrich J. Woebcken, der jüngst zum neuen Chef der Region Nordamerika ernannt worden war.

Horn war seit 25 Jahren beim Konzern, den Spitzenjob hatte er erst seit 2014 inne. In die Amtszeit des 54-Jährigen fiel das Bekanntwerden der Affäre um manipulierte Abgaswerte, die den Konzern in eine schwere Krise gestürzt hat. Der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn war bereits im September zurückgetreten, wenige Tage vorher hatte das US-Umweltamt EPA den Skandal publik gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war auch mit dem Rücktritt Horns gerechnet worden. Der jetzige Abschied- sechs Monate später - kommt daher überraschend.

Sandra Ratzow, ARD Washington, zum Rücktritt des US-VW-Chefs
ARD-Morgenmagazin, 10.03.2016

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Entschuldigung im US-Kongress

Im vergangenen Oktober hatte sich Horn im US-Kongress für den Skandal entschuldigt. Zugleich erklärte er damals, dass das VW-Top-Management nichts von der Manipulations-Software gewusst habe. Soweit er wisse, habe es sich dabei nicht um eine Entscheidung auf Unternehmensebene gehandelt. Vielmehr hätten dies Einzelpersonen getan, hatte Horn gesagt. Er fühle sich persönlich betrogen.

US-VW-Chef Michael Horn wird vor seiner Aussage vor dem Kongress vereidigt | Bildquelle: dpa
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Aussage unter Eid: Der damalige US-VW-Chef Michael Horn im Oktober 2015 vor dem Kongress.

VW hatte kurz nach den Vorwürfen der US-Behörden eingeräumt, in den Vereinigten Staaten bereits seit 2009 mit einer speziellen Betrugssoftware in großem Stil Emissionswerte bei Dieselwagen gefälscht zu haben. Weltweit sind von dem Betrug rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Dem Konzern drohen Bußgelder von mehr als 20 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 18 Milliarden Euro), zudem ist der Konzern mit Hunderten Sammelklagen aufgebrachter Autobesitzer konfrontiert. Auch hochrangige Manager, darunter auch Horn, sollen persönlich haften. Das US-Justizministerium leitete strafrechtliche Ermittlungen ein.

Zudem berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider, dass die US-Regierung nun auch wegen Bankbetrugs und möglichen Verstößen gegen Steuergesetze gegen VW ermittele. Damit könnten noch höhere Bußgelder auf den Konzern zukommen.

Unlängst gab ein US-Bundesrichter Volkswagen bis zum 24. März Zeit, mit der Regierung eine Lösung für Rückrufmaßnahmen für betroffene Fahrzeuge zu erzielen. Zudem müsse der Konzern bis dahin Wege eine Antwort liefern, wie das Problem technisch bewältigt werden könne. Auch über den Stand der Verhandlungen mit betroffenen Autobesitzern müssten bis Fristablauf Informationen vorliegen, verlangte der Richter. In Europa ist der Rückruf bereits angelaufen.

Chef von Volkswagen USA tritt zurück
S. Fritz, ARD Washington
10.03.2016 02:11 Uhr

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