Mehrere Motorroller vom Typ Vespa stehen nebeneinander.

70 Jahre Vespa Der Sound der 50er-Jahre

Stand: 23.04.2016 11:33 Uhr

Italien, Sonne, Freiheit: Die Vespa verkörpert das italienische Lebensgefühl wie kein anderes Fahrzeug. Vor 70 Jahren meldete Enrico Piaggio den Motorroller zum Patent an - ein Mythos war geboren. Tilmann Kleinjung über einen stolzen Vespa-Besitzer und das Erfolgsgeheimnis des Zweitakters.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Er hat sie extra aus der Garage geholt und in die Sonne gestellt. Stolz, dass ausgerechnet seine Vespa die Hauptrolle in einem Stück über den 70. Geburtstag dieses einzigartigen Zweirads spielen soll. "Ich finde sie wunderschön", sagt Giuseppe Ciula. "Die Ausgewogenheit der Formen, die Rundungen. Nicht nur, weil ich sie besitze, es ist einfach ein Fahrzeug, das man gerne anschaut."

Giuseppe Ciula und seine Vespa. Er ist Jahrgang 1953, sie Baujahr 1951. "Wir sind praktisch gleichaltrig", sagt Giuseppe, der den Roller vor ein paar Jahren erstanden hat, damals war das kaum mehr als ein Haufen rostiges Blech. Den Motor hat er selbst wieder in Gang bekommen, fehlende Teile auf dem Flohmarkt besorgt, ein Autolackierer hat die grüne Originallackierung wiederhergestellt. "Stell dir vor, die ist aus dem Jahr '51! Ich habe sie restauriert, und es reichen ein paar Tröpfchen Benzin, und sie fährt los. Immer und auf jeden Fall!", freut sich Giuseppe.

Giuseppe Ciula auf seiner Vespa
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Ein Mann und sein Motorroller: Giuseppe Ciula auf seiner Vespa

Ein Zweitakter weckt Erinnerungen

Ein paar Mal treten und die Probe aufs Exempel gelingt. Unverkennbar der Sound der 50er-Jahre. Ein Zweitakter, der sofort Erinnerungen weckt, zum Beispiel an Audrey Hepburn und Gregory Peck, die in "Ein Herz und eine Krone" auf genau diesem Modell durch Rom flitzen. "In den alten Filmen der 50er-Jahre fährt der Vater, die Mutter dahinter, ein Kind steht vorn, eine anderes sitzt zwischen ihnen, und dann der Korb, um ans Meer zu fahren", erinnert sich Giuseppe. "Die Vespa war das erste Fahrzeug, das es den Italienern ermöglicht hat, sich fortzubewegen."

Gregory Peck in einer Szene aus dem Film Ein Herz und eine Krone
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Ein Zweitakter weckt Erinnerungen: Zum Beispiel an den Film "Ein Herz und eine Krone" mit Gregory Peck und Audrey Hepburn.

Genau das war die Idee von Enrico Piaggio, dessen Firma in Pontedera bei Pisa eigentlich Flugzeuge produzierte. Doch nach Kriegsende gab es dafür keinen Bedarf und vor allem kein Geld. Also beauftragte Piaggio den Flugzeugingenieur Corradino D'Ascanio, ein Zweirad für Jedermann zu entwickeln. Nicht zu teuer, unkompliziert in der Wartung.

Was D'Ascanio dann vor genau 70 Jahren patentieren ließ, war weltweit einzigartig - der erste Motorroller. Mit Trittbrett und einer Blende unter dem Lenker. Die Form - gewöhnungsbedürftig. "Als Enrico Piaggio sie sah, mit dieser schmalen Taille und dem dicken Hinterteil, rief er: Die sieht wie eine Wespe aus!", sagt Giuseppe Ciula. "Und so wurde sie zur Vespa."

Dicker Hintern, niedriger Einstieg

Damals kannte man nur Motorräder mit öligen Ketten, die den Motor mit dem Hinterrad verbanden. Bei der Vespa sitzt der Motor direkt rechts neben dem Hinterrad, deshalb der "dicke Hintern". Ungewöhnlich auch die Aufhängung der Räder an nur einem Arm, eine Anleihe aus der Flugzeugtechnik. Elegant der niedrige Einstieg, wie bei einem Damenfahrrad, der auf dem Trittbrett zwischen den Beinen genügend Platz lässt, um eine Kiste Wasser oder eben ein Kind zu transportieren. "Frauen konnten sie fahren, die Priester mit ihren Talaren ebenfalls, und Männer, die fein angezogen waren, machten sich ihre Hosen nicht schmutzig. Wie bei einem Auto", erklärt Giuseppe Ciula.

Eine Frau verstaut ihre Einkäufe auf einer Vespa. (Archivbild von 1964)
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Der tiefe Einstieg und das Trittbrett, um etwa Einkäufe zu verstauen tragen zum Erfolg der Vespa bei. (Archivbild von 1964)

70 Jahre Vespa. Etwa 17 Millionen Exemplare liefen seit der Patentierung vom Band. Das Modell wurde immer wieder leicht verändert, sehr behutsam. Und für Giuseppe Ciula liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis: "Die Vespa ist einzigartig. Sie hat in all den Jahren ihre Form behalten. Auch die letzten Modelle, die produziert wurden. Du siehst sie und erkennst sie sofort - die Vespa!"

Mythos auf zwei Rädern. Vor 70 Jahren wurde die Vespa geboren
T. Kleinjung, ARD Rom
23.04.2016 10:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der WDR am 23. April 2016 um 18:45 Uhr

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