Zehntausende Soldaten nehmen an dem Manöver teil. | Bildquelle: AP

Krise in Venezuela Panzer und Propaganda

Stand: 26.08.2017 04:08 Uhr

Venezuelas Präsident Maduro setzt auf die Macht der Bilder: Ein Manöver mit Zehntausenden Soldaten soll militärische Stärke gegen die USA demonstrieren. Doch der Druck auf die Führung in Caracas wächst. US-Präsident Trump verschärfte erneut die Sanktionen.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Die US-Regierung war schneller als Venezuelas Soldaten: 24 Stunden vor dem demonstrativen Militärmanöver hat sie die Finanzsanktionen gegen das sozialistische Land verschärft. Damit rückt Venezuela dem Staatsbankrott näher. Dessen ungeachtet schickt Präsident Nicolas Maduro ab heute Zehntausende Soldaten und Nationalgardisten ins Manöver, um militärische Stärke gegen Donald Trump zu demonstrieren.

Der US-Präsident hatte vor einigen Tagen von "militärischen Optionen" im Falle Venezuelas gesprochen und dafür Kritik aus der ganzen Region geerntet. Das war ein Geschenk für Präsident Maduro, der seine These von der "imperialistischen Verschwörung" gegen das Land belegt sieht. "Venezuela hat das Recht und die Pflicht, sich auf die Verteidigung seines Staatsgebietes vorzubereiten." Es gehe um die nationale Souveränität und um das Recht auf Frieden. "Militärchefs des Vaterlandes: Niemals werden sie uns überraschen. Wir werden vorbereitet sein und mit wilder Entschlossenheit zurückschlagen. Mit der Waffe in der Hand werden wir die heilige Erde Venezuelas verteidigen."

Nicolas Maduro | Bildquelle: REUTERS
galerie

"Mit der Waffe in der Hand": Präsident Maduro

Militär steht hinter Maduro

Auch in der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise weiß Maduro das Militär hinter sich. Es stärkt ihm den Rücken, egal, ob er das Parlament durch Einsetzung einer Verfassungsversammlung entmachtet oder die kritische Generalstaatsanwältin absetzen lässt, die aus Furcht um ihr Leben aus dem Land floh.

Die Politologin Francine Jácome aus Caracas sieht die Merkmale einer Diktatur bereits erfüllt: Es gebe keine durch demokratische Wahlen legitimierten Institutionen mehr, das Regime mache immer mehr politische Gefangene und treibe die Militarisierung voran: "Ein Drittel der Funktionäre in den Ministerien sind aktive oder ehemalige Militärs. Sie haben die absolute Kontrolle über die Verteilung von Lebensmitteln und die absolute Kontrolle in Fragen der Sicherheit. Das sind die beiden wichtigsten Bereich des Landes."

Neue US-Sanktionen gegen Venezuela

US-Präsident Trump hat ein Dekret unterzeichnet, mit dem erstmals finanzielle Sanktionen gegen Venezuela in Kraft treten. Danach ist der Handel mit neuen venezolanischen Staatsanleihen und die Auszahlung von Dividenden an die Regierung in Caracas verboten. Zudem wird der Handel mit Wertpapieren des staatlichen Ölkonzern PDVSA untersagt, wodurch eine dringend notwendige Umschuldung erschwert wird.

Bereits zuvor hatten die USA Strafmaßnahmen gegen mehrere hochrangige Regierungspolitiker verhängt, unter ihnen auch Präsident Maduro. Ölexporte in die USA sind von den Sanktionen allerdings nicht betroffen. Die USA sind der größte Abnehmer des wichtigsten venezolanischen Exportgutes.

Venezuela braucht die USA

Bei dem Militärmanöver gehe es darum, die verbliebenen Anhänger der sozialistischen Regierung zu binden. Das seien immerhin noch etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Im Grunde sei das Manöver nichts als Show, so Jácome. Venezuela sei weiterhin an guten Geschäftsbeziehungen mit den USA interessiert. Sie sind noch ihr größter Abnehmer von Erdöl und spülen das Geld in die Staatskasse, das die Regierung dringend für Lebensmittel- und Medikamentenimporte braucht. Das erklärt auch, warum Maduro neben allem Säbelrasseln immer wieder versöhnliche Töne anschlägt: Er wolle mit Trump telefonieren. An den US-Präsidenten gerichtet, sagte Maduro: "Wie auch immer unsere zukünftigen Beziehungen sein werden, wir müssen miteinander reden." Er werde ihm bald einen Brief schreiben. "Und wenn er ihn mit ein bisschen gutem Willen liest, bin ich mir sicher, dass sich alles zum Guten verändert."

Doch die neuen US-Finanzsanktionen werden das Verhältnis weiter verschlechtern und den Druck im Land erhöhen: Denn wenn die Regierung weniger Geld für Importe hat, werden Hunger und Not größer.

Venezuela - Panzer und Raketen für den Frieden
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexico City
26.08.2017 10:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2017 um 23:47 Uhr.

Darstellung: