Polizisten in Schutzanzügen bilden in einer Tränengaswolke eine Reihe. | Bildquelle: dpa

Proteste in Venezuela Erneut Dutzende Menschen verletzt

Stand: 09.05.2017 07:18 Uhr

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern wurden in Venezuela erneut mehr als 60 Menschen verletzt. In der Stadt Maracaibo soll die Polizei massiv Tränengas eingesetzt haben. Hunderte versuchen, über die Landesgrenzen hinaus zu fliehen.

Die Proteste in Venezuela gegen den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro reißen nicht ab. Allein in der Hauptstadt Caracas wurden bei heftigen Zusammenstößen mit Polizei und Sicherheitskräften 60 Demonstranten verletzt. Seit Beginn der Protestwelle Anfang April starben bei Demonstrationen mehr als 30 Menschen, Hunderte wurden verletzt.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, versuchte die Polizei mithilfe von Tränengas einen Protestzug auseinanderzutreiben. Die Demonstranten warfen Steine und Brandsätze auf die Sicherheitskräfte. Die Regierungsgegner machen Maduro für die schwere wirtschaftliche Krise im Land verantwortlich. Sie fordern Neuwahlen, eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin sowie die Freilassung von politischen Gefangenen - etwa aus der Opposition.

NGO: Zivilisten vor Militärgerichten

Auch in anderen Landesteilen kam es zu Auseinandersetzungen. Die Agentur AP zitiert Augenzeugen, die von massivem Tränengaseinsatz durch die Polizei in der Küstenstadt Maracaibo sprechen. Das Gas habe sich in mehreren Wohnhäusern, Schulen und auch einem Krankenhaus ausgebreitet. Mehrere Gebäude hätten evakuiert werden müssen.

Unterdessen erhebt die Nichtregierungsorganisation Foro Penal den Vorwurf, Dutzende Zivilisten würden in Venezuela vor Militärgerichte gestellt. Allein am Montag müssten 40 Zivilisten vor solchen Gerichten erscheinen, 75 Fälle habe es bereits gegeben. Von diesen 75 befänden sich 50 Zivilisten nach wie vor in Gewahrsam. Die Organisation erklärte dieses Handeln als illegal.

Hunderte bereits nach Brasilien geflüchtet

Die Folgen der andauernden Proteste bekommt auch Brasilien zu spüren. Hunderte Einwohner flüchteten in das Nachbarland Venezuelas. Die nordbrasilianische Stadt Manaus spricht von mehr als 350 Venezolanern, die in dem Ort Camps aufgeschlagen hätten und nach Arbeit suchen würden. Die Stadt rief den Notstand aus und bot den Geflüchteten an, sie per Bus in ihr Heimatland zurückzubringen. Brasilien kämpft selbst gegen eine Lebensmittelknappheit.

Ein Abebben der Proteste ist derzeit nicht in Sicht. Vor Kurzen rief der wegen Anstachelung zur Gewalt inhaftierte venezolanische Oppositionsführer Leopoldo López die Demonstranten zum Durchhalten auf. Zudem appellierte er an das Militär, mit Maduro zu brechen und nicht länger die Waffen gegen das eigene Volk zu erheben. "Ich bin drei Jahre in einem Militärgefängnis mit Soldaten und Offizieren. Ich weiß, dass heute die übergroße Mehrheit von Euch gegen die Diktatur ist", erklärte López über Twitter.

Leopoldo López @leopoldolopez
Tengo 3 años en una cárcel militar con soldados y oficiales y sé que hoy la inmensa mayoría de ustedes está en contra de la dictadura

Über dieses Thema berichteten am 09. Mai 2017 Deutschlandfunk um 06:00 und 07:00 Uhr sowie NDR Info um 07:15 Uhr jeweils in den Nachrichten.

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