Vermummte Spezialeinsatzkräfte fahren durch Caracas | Bildquelle: AP

Polizeieinsatz in Caracas Venezuela tötet mehrere Aufständische

Stand: 16.01.2018 05:06 Uhr

Die Sicherheitskräfte sind in Venezuela gewaltsam gegen eine Rebellengruppe vorgegangen. Dabei gab es mehrere Tote. Ob der prominente Anführer der Gruppe getötet oder gefasst wurde, ist unklar.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Der prominente Anführer der Gruppe, der Ex-Polizist Oscar Perez, dokumentiert gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Konfrontation mit den Sicherheitskräften. In einem der Videos, die im Internet kursieren, sind Schusswechsel zu hören, Männer und Frauen rufen den Polizisten zu: "Bitte nicht schießen." Sie haben sich in einem Gebäude in einem Viertel am Rande der venezolanischen Hauptstadt Caracas verschanzt. Panzerfahrzeuge sind zu sehen.

Später spricht Anführer Perez mit blutverschmiertem Gesicht in die Handykamera: "Sie greifen uns mit Granatwerfern an. Sie haben Scharfschützen. Bei uns sind Zivilisten. Wir wollen uns ergeben, aber sie wollen uns töten", sagt er.

Regierung spricht von terroristischer Bande

Venezuelas Ex-Polizist Oscar Perez schreit | Bildquelle: AFP
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Oscar Perez galt zuletzt in Venezuela als Staatsfeind Nummer eins.

Kurz darauf verbreitete das Fernsehen eine Erklärung der sozialistischen Regierung, wonach bei dem Einsatz gegen die von ihr "terroristisch" genannte Gruppe mehrere Menschen getötet worden seien, darunter zwei Polizisten. Oscar Perez und seine "Bande" hätten das Feuer auf die Polizei eröffnet. Ob Perez gefangen oder getötet wurde, ist noch unklar.

Der junge, gutaussehende Ex-Polizist, der sich auch als Schauspieler versucht hatte, war im Sommer durch eine spektakuläre Aktion bekannt geworden: Er hatte einen Hubschrauber gekapert, war durch Caracas geflogen und hatte auf mehrere Regierungsgebäude geschossen, ohne dass Menschen zu Schaden kamen. Danach tauchte er ab und die Regierung fahndete erfolglos nach ihm. Möglicherweise half ihm die Bevölkerung des krisengeschüttelten südamerikanischen Landes dabei, sich zu verstecken. Perez gab sich als Retter der unterdrückten und hungernden Menschen aus.

Bei Anti-Regierungs-Protesten waren im vergangenen Jahr mindestens 130 Menschen ums Leben gekommen. "Wir kämpfen gegen die Straflosigkeit, die unter dieser Regierung herrscht, gegen die Tyrannei. Wir kämpfen gegen den Tod der jungen Menschen, die für ihre Rechte auf die Straßen gehen. Gegen Hunger und den Mangel an Medikamenten", sagte Perez.

Plünderungen und Demonstrationen

Wegen der Krise gibt es derzeit täglich Plünderungen im Land. Am Tag des Einsatzes gegen Perez und seine Gruppe demonstrierten in der Hauptstadt einige Hundert Menschen am Hauptsitz des Unternehmens Polar. Sie forderten die Präsidentschaftskandidatur des Unternehmenschefs Lorenzo Mendoza. Obwohl der Mann keinerlei politische Ambitionen hegt, wünschen ihn sich 40 Prozent der Venezolaner als Präsidenten - weil er weder der Regierung noch der Opposition nahe steht und trotz Krise erfolgreich produziert.

In derselben Meinungsumfrage zeigt sich ein niederschmetterndes Bild für die Opposition: Auch drei Viertel ihrer Anhänger haben das Vertrauen in die Politik verloren. Ihre möglichen Präsidentschaftskandidaten würden nicht einmal zweistellige Werte erhalten.

Sicherheitskräfte gehen gewaltsam gegen Rebellengruppe vor
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko Stadt
16.01.2018 12:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2018 um 05:49 Uhr.

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