Demonstration von Oppositionellen in Venezuela  | Bildquelle: AFP

Plebiszit der Opposition Tote bei Abstimmung in Venezuela

Stand: 17.07.2017 01:22 Uhr

Bei einer Abstimmung gegen die sozialistische Regierung von Präsident Maduro ist in Venezuela mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Das von der Opposition kontrollierte Parlament hatte ein Plebiszit gegen Maduros Pläne für eine Verfassungsreform angesetzt.

Tatort in Venezuela | Bildquelle: REUTERS
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Der Tatort wurde von Kriminalbeamten untersucht.

Im Zuge der Abstimmung gegen die geplante Verfassungsreform in Venezuela ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Medienberichten zufolge wurden in der Gemeinde Catia im Norden des Landes Bürger von regierungsnahen bewaffneten Milizen, sogenannten "Colectivos", angegriffen. Dabei wurde eine Frau getötet und drei Pesonen verletzt. Rund 500 Menschen seien anschließend in eine Kirche geflüchtet. Oppositionssprecher befürchteten weitere Todesopfer.

Filmaufnahmen aus dem Stadtteil Catia - einem traditionell regierungstreuen Vorort der Hauptstadt Caracas - zeigten in Panik rennende Menschen, als Motorradfahrer an ihnen vorbeifahren. Zudem waren Schüsse zu hören.

Maduro fordert Ende der Gewalt

Venezuelas Präsident Maduro | Bildquelle: REUTERS
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Venezuelas Präsident Maduro rief zu neuen Gesprächen auf.

In einer Ansprache im Staatsfernsehen am Nachmittag erwähnte Maduro den tödlichen Vorfall nicht. Er forderte jedoch ein Ende der Gewalt, für die er die Opposition verantwortlich machte. "Ich rufe die Opposition auf, zum Frieden zurückzukehren, die Verfassung zu respektieren, sich hinzusetzen und zu reden", sagte er. "Lasst uns eine neue Gesprächsrunde, einen Dialog des Friedens, beginnen."

Abstimmung hat lediglich Symbolwert

Im gesamten Land stellten sich Menschen an Abgabestellen an, um ihre Stimme gegen die geplante Umschreibung der Verfassung geltend zu machen. Sie schwenkten venezolanische Flaggen und skandierten "Freiheit". Direkte Folgen hat die Abstimmung nicht, sie könnte allerdings neuen Druck auf die Regierung ausüben.

Maduro hat das Referendum als illegal und bedeutungslos bezeichnet. Der 54-Jährige wirbt weiter für Unterstützung seines Vorhabens, am 30. Juli für einen neuen Kongress zu stimmen, der die Verfassung ändern und staatliche Institutionen auflösen kann.

Umfragen zufolge stehen gerade einmal 20 Prozent der Venezolaner hinter dem Vorhaben ihres Präsidenten , die Verfassung zu ändern. Es hat bisher viel Kritik im Inland ausgelöst - ohnehin schon bestehende Proteste gegen die sozialistische Regierung haben sich noch verschärft.

Probeastimmung für Regierungsanhänger

Auch die Anhänger der Regierung konnten zur Wahl gehen. Sie nahmen an einer Probeabstimmung für die Wahl am 30. Juli teil, mit der die Zusammensetzung der verfassungsgebenden Versammlung bestimmt werden soll. Die Opposition hat erklärt, die Wahl sei so organisiert, dass Anhänger des Präsidenten die Versammlung dominieren würden.

Die Opposition verlangt seit Monaten Neuwahlen und Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise. Außerdem fordert sie die Freilassung Hunderter inhaftierter Regierungskritiker. Bei den Protesten sind bislang mindestens 75 Menschen getötet worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2017 um 01:50 Uhr.

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